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BuchKönigsberger Kochbuch

Kochbuch-Fragment aus dem Deutschordensarchiv (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384) · 1470 · Frühneuhochdeutsch (bairisch mit ostmitteldeutschen Merkmalen, 15. Jh.) · Deutschordensland / Preußen

Illustration zu Königsberger Kochbuch

Kurzes Kochbuch-Fragment (34 Rezepte) aus dem Archiv des Deutschen Ordens, ursprünglich auf der Marienburg (Malbork), heute im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Die einzige preußisch-ostmitteldeutsch geprägte Quelle im Fyndling-Korpus - ein regionaler Kontrast zur süddeutschen und italienischen Überlieferung. Schwerpunkt auf Würzsaucen und gefärbten Begleitsaucen (eine zusammenhängende Reihe weißer, grüner, schwarzer und rotschwarzer Brathühner), Mörserspeisen, Sülzen sowie Fastenküche mit kunstvollen Imitationsgerichten (Bratwurst aus Feigen, Fisch als Sülze). Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift B6 ediert.

BuchÜber dieses Buch - Küche des Deutschen Ordens

Geheimes ?

Das Königsberger Kochbuch ist ein kurzes Fragment von 34 Rezepten aus dem Archiv des Deutschen Ordens - ursprünglich auf der Marienburg (Malbork) verwahrt, heute in Berlin im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (XX. HA, Ordensbriefarchiv Nr. 18384, 15. Jh.).

Warum heißt das Archiv „Geheim"?

Das „Geheim" bezeichnet keinen Geheimhaltungsgrad, sondern einen Rang. Im preußischen Verwaltungssystem war der Geheime Rat (Privy Council) die höchste Regierungsebene des Königs - und das zugehörige Archiv hieß entsprechend „Geheimes Staatsarchiv". Das Adjektiv meinte ursprünglich „dem Fürsten persönlich vorbehalten", nicht „versteckt". Das Berliner Archiv ist seit seiner Gründung für jeden Forscher mit Anmeldung zugänglich - der Name ist schlicht ein historisches Relikt aus der Hohenzollernzeit.

Es ist die einzige preußisch-ostmitteldeutsch geprägte Kochbuchquelle im Fyndling-Korpus - ein regionaler Kontrast zur süddeutschen, böhmischen und italienischen Überlieferung. Die Sprache ist Frühneuhochdeutsch mit bairischen und ostmitteldeutschen Merkmalen, wie es für den kulturellen Schmelztiegel des Deutschordenslands typisch war.

Der Deutsche Orden und seine Küche

Wer war der Deutsche Orden?

Der Deutsche Orden - lateinisch Ordo Teutonicus, daher auch Teutonischer Orden - war ein geistlicher Ritterorden, gegründet 1190 während des Dritten Kreuzzugs in Akkon. Anders als Templer oder Johanniter verlagerte er seinen Schwerpunkt früh von Palästina nach Nordosteuropa: Ab 1226 führte er im Auftrag des Papstes und des Kaisers den „Heidenfeldzug" gegen die baltischen Prußen und errichtete ein eigenes Ordensstaatsterritorium in Preußen und Livland.

Die Marienburg (poln. Malbork) wurde ab 1309 zum Hauptsitz des Hochmeisters ausgebaut und ist heute eines der größten Backsteingebäude der Welt - seit 1997 UNESCO-Welterbe. Das Kochbuch-Fragment stammt aus eben diesem Ordensarchiv, das dort bis zur Niederlage bei Tannenberg (1410) und dem späteren Zerfall des Ordensstaats verwahrt wurde.

→ Deutscher Orden auf Wikipedia

Der Deutsche Orden (Ordo Teutonicus) verwaltete seit dem 13. Jahrhundert ein eigenes Territorialreich in Preußen mit der Marienburg als Hauptsitz - einem der größten Burgkomplexe Europas. Die Ordensküche versorgte Ritter, Priester, Knechte und Gäste zugleich: Das Kochbuch spiegelt diese pragmatische Großküche, keine höfische Schauküche.

Charakteristisch sind die Würz- und Begleitsaucen: Eine zusammenhängende Reihe von Gebratenen Hühnern in weißer, grüner, schwarzer und rotschwarzer Sauce zeigt, wie durch reine Farbgebung Abwechslung auf die Ordenstafel gebracht wurde. Die schwarze Sauce entsteht durch Lebkuchen (letzelten) - ein Bindemittel und Gewürzträger zugleich, das in der böhmischen und preußischen Küche weit verbreitet war.

Besonderheiten des Fragments

Das Manuskript zeigt die typischen Eigenheiten der Deutschordensschreibstuben: sw- für schw- (swarz = schwarz), w für b/v (wlpratt = Wildbret), häufige Endungs-Verdoppelung (hunerenn). Die Rezepte beginnen oft mit „Wilthu machenn…" - „Willst du machen…" - einer für preußisch-ostmitteldeutsche Kochbücher typischen Eröffnungsformel.

Bemerkenswert sind die Fasten-Imitationsgerichte: Eine „Bratwurst in der Fastenzeit" beginnt mit Feigen statt Fleisch; Fischsülzen imitieren Fleisch-Aspiks. Der Orden war streng religiös - und kulinarisch einfallsreich.

Überlieferung und digitale Edition

Das Fragment ist im Rahmen des Projekts CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Universität Graz, Helmut W. Klug) als Handschrift Ms. B6 hyperdiplomatisch transkribiert und unter CC BY 4.0 frei zugänglich (TEI-Quelle). Die Faksimile-Digitalisate werden vom Geheimen Staatsarchiv über CoReMA bereitgestellt (CC BY-NC-SA 4.0).

Unsere Textgrundlage

Unsere Rezepte basieren auf der CoReMA-Basistranskription (hyperdiplomatisch, d. h. buchstabengetreu ohne Normalisierung). Die Sprache ist bairisch-ostmitteldeutsch des 15. Jahrhunderts mit charakteristischen Schreibgewohnheiten der Ordensskriptorien. Wo das Fragment beschädigt oder lacunös ist, kennzeichnen wir Lücken und Unsicherheiten explizit - hier geben wir lieber Unvollständiges korrekt weiter als Erfundenes als gesichert.

- Die Fyndling-Redaktion

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