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Mandel-Rosinen-Sauce zu schwarzem Huhn

Kochbuch-Fragment aus dem Deutschordensarchiv (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384) · Deutschordensland / Preußen · 1470

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit15 Min.Portionen1 kleine Schale SauceBuchKönigsberger Kochbuch (~1470)

Nimm Mandeln und Rosinen zu gleichen Teilen und schlage sie durch mit Essig und Wein.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
mandell Mandeln Supermarkt (Backregal) -
weinber Rosinen Supermarkt -
esseig Essig Supermarkt -
wein Wein Supermarkt -

Welches Gericht ist das? Eine kalte, ungekochte Mandel-Rosinen-Sauce, mit Essig und Wein durchgeschlagen - die Begleitsauce zum bereits im Buch dokumentierten 'Schwarzen Huhn' (koe-012), nicht ein eigenständiges Huhngericht. Sie gehört zu den Königsberger Farbhuhn-Saucen (vgl. koe-025, 'Sauce zu weißem Huhn') und hat einen fast wortgleichen Zwilling im Mondseer Kochbuch (mon-223), der dieselbe Formel über Regionalgrenzen hinweg belegt. Die Grundidee - Mandeln als Bindemittel, Rosinen für Süße, Essig und Wein für Säure - lebt am ehesten in der Sauce des Rheinischen Sauerbratens weiter.

Durchschlagen mit Essig und Wein. 'Schlags thurg mytt esseig vnd wein' heißt: die Masse wird MIT Essig und Wein als Passierflüssigkeit durch ein Tuch oder Sieb geschlagen - beide Flüssigkeiten dienen dem Durchschlagen selbst, nicht einer nachträglichen Zugabe. Koe-028 selbst nennt keinen vorgelagerten Zerkleinerungsschritt; der fast wortgleiche Zwilling mon-223 verlangt jedoch ausdrücklich 'reib sy chlain' (fein reiben) vor dem Durchschlagen - und ohne ein solches Zerkleinern ließe sich die Mandel-Rosinen-Mischung auch praktisch nicht durch ein Tuch schlagen. Die bindende, dickende Wirkung kommt von der fein zerriebenen Mandel-Rosinen-Masse, nicht von Essig oder Wein.

Praxis. Mandeln und Rosinen zu gleichen Teilen fein reiben oder mörsern (im eigenen Text nicht ausdrücklich genannt, aber durch den Zwilling mon-223 und die praktische Notwendigkeit des Durchschlagens gestützt), dann gemeinsam mit Essig und Wein durch ein feines Tuch oder Sieb schlagen (modern: Pürierstab plus Passieren durch ein Sieb), bis eine glatte, streichfähige, kalte Sauce entsteht. Kein Kochschritt nötig. Mengenverhältnisse für Essig und Wein nennt der Text nicht - hier hilft nur Nachschmecken. Die Sauce begleitet ein separat zuzubereitendes Huhn (siehe koe-012 für die 'Schwarzes Huhn'-Fleischzubereitung selbst).

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, die Sauce selbst ist schnell zubereitet - Mandeln und Rosinen im Mörser fein reiben und mit Essig und Wein durch ein Tuch oder Sieb schlagen (modern auch mit einem Pürierstab), kein Kochen nötig. Das dazu servierte Huhn (vgl. koe-012) muss frisch sein oder gekühlt mitgebracht werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Königsberger Kochbuch, einer Handschrift aus dem 15. Jahrhundert, die im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin (XX. HA, Ordensbriefarchiv Nr. 18384) aufbewahrt wird. Es entstammt dem Archiv des Deutschen Ordens und ist in Frühneuhochdeutsch verfasst.

Was bedeutet 'geleich' im Rezept?

'Geleich' ist eine Mengenangabe und bedeutet 'zu gleichen Teilen'. Du sollst also Mandeln und Rosinen im selben Verhältnis verwenden.

Was bedeutet 'schlags thurg'?

'Schlags thurg' bedeutet, die Mischung durch ein Tuch oder Sieb zu schlagen (durchschlagen/passieren) - dabei dienen Essig und Wein als Passierflüssigkeit während des Durchschlagens, nicht als nachträgliche Zugabe. Ziel ist eine feine, glatte Sauce ohne grobe Stückchen. Der fast wortgleiche Zwilling im Mondseer Kochbuch (mon-223, 'slach sy durich ein tuech') bestätigt diese Lesart. Modern lässt sich das Ergebnis auch mit einem Pürierstab erreichen.

Warum heißt es 'schwarzes Huhn', wenn die Sauce selbst nicht schwarz aussieht?

'Schwarz' bezeichnet hier nicht die Farbe der Sauce, sondern die Zubereitungsart des Huhns: Das Königsberger Kochbuch führt eine ganze Reihe farbig benannter Hühnergerichte (weiß, grün, schwarz, rot, Königs-Huhn), und die vollständige 'Schwarzes Huhn'-Zubereitung ist bereits an anderer Stelle dokumentiert (koe-012, mit verbranntem Lebkuchen und Nelken gespickt). Dieses Rezept beschreibt nur die dazugehörige Mandel-Rosinen-Sauce. Der fast wortgleiche Zwilling im Mondseer Kochbuch (mon-223) nennt exakt dieselbe Sauce ausdrücklich 'grau' und stellt klar, dass sich 'schwarz' auf die Hühner-Kategorie bezieht, nicht auf die Sauce.

Sawarzes huneres So nime mandell vnd weinber geleich vnd schlags thurg mytt esseig vnd wein
Sawarzes huneres

Die Rubrik bezeichnet keine eigenständige Huhn-Zubereitung, sondern die Begleit-Sauce zum bereits im Buch dokumentierten 'Schwarzen Huhn' (koe-012, mit verbranntem Lebkuchen 'schwarz wie Pfefferbrot' und Nelken gespickt). Der Rezepttext selbst enthält keine einzige Huhn-Zubereitungsanweisung, sondern beschreibt ausschließlich das Herstellen einer Mandel-Rosinen-Sauce. Der fast wortgleiche Zwilling im Mondseer Kochbuch (mon-223, 'WElt ir machen grabew salsen czw Swarczen hunern' - 'Wollt ihr eine graue Sauce zu schwarzen Hühnern machen') bestätigt: 'schwarz' bezeichnet die Hühner-Kategorie, die Sauce selbst wird dort ausdrücklich 'grau' genannt. Damit gehört das Rezept - strukturell wie die Schwesterrezeptur koe-025 ('Sauce zu weißem Huhn') - zur Reihe der Königsberger Farbhuhn-Saucen (weiß koe-010/koe-025, grün koe-009/koe-011, schwarz koe-012/koe-028, rot koe-027, Königs-Huhn koe-013).

weinber

Anders als in koe-025/koe-026 desselben Buchs, wo 'weinber' (gestoßen und ausgepresst) frische, saure Weintrauben meint, ist der Begriff hier - wie im fast wortgleichen Zwilling mon-223 ('nym mandel vnd weinper geleich ... slach sy durich ein tuech') - als Rosinen zu lesen: Der Sauce-Typ 'Mandeln und Beeren zu gleichen Teilen, durchgeschlagen' entspricht der Rosinen-gebundenen Familie, nicht dem Press-Verfahren der Trauben-Saucen.

Handschrift
Kochbuch-Fragment aus dem Deutschordensarchiv (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384)
Folio
Fol. 012r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch mit ostmitteldeutschen Merkmalen, 15. Jh.)
Entstehung
Deutschordensland / Preußen, 1470
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartSawarzes huneres

Gewählte Lesart: Sauce zu schwarzem Huhn - Begleitsauce zur bereits im Buch etablierten 'Schwarzes Huhn'-Zubereitung (koe-012), kein eigenständiges Huhngericht.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine tatsächlich schwarz gefärbte Sauce (die Farbe bezöge sich auf die Sauce selbst, nicht auf eine separate Huhn-Kategorie). - Der Rezepttext nennt keine ausdrücklich färbenden Zutaten (Zimt, Nelken, Ruß, Blut), die eine literal schwarze Sauce erklären würden. Der fast wortgleiche Zwilling mon-223 bezeichnet dieselbe Sauce jedoch ausdrücklich als 'grau' - das spricht stark gegen diese Lesart, weshalb sie hier nur als schwache Alternative geführt wird.

Lesartweinber

Gewählte Lesart: Rosinen (getrocknete Weinbeeren) - bestätigt durch den fast wortgleichen Zwilling mon-223, der dieselbe Stelle ebenfalls als Rosinen liest.

Andere mögliche Lesart:

  • Frische Weintrauben. - CoReMA glossiert 'weinber' korpusweit mit Wikidata Q10978 (grape). Im selben Buch (koe-025, koe-026) ist mit 'weinber' tatsächlich die frische Traube gemeint - dort wird die Masse gestoßen UND ausgepresst (Press-Verfahren). Hier dagegen wird die Masse mit Mandeln zu gleichen Teilen gemischt und durchgeschlagen, nicht ausgepresst - dieses Verfahrensmuster passt zur Rosinen-Lesart, nicht zur Trauben-Press-Sauce.

Originalwerk (~1470) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 012r, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin, XX. HA, OBA, Nr. 18384 (15. Jh.); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. B6 (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Die Sauce selbst ist in wenigen Minuten mit Mörser und Passiertuch fertig - kein Kochen nötig. Das dazu servierte Huhn (vgl. [koe-012](/rezepte/koe-012/)) muss frisch sein oder gekühlt mitgebracht werden.
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