Kochbuch-Fragment aus dem Deutschordensarchiv (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384) · Deutschordensland / Preußen · 1470
Nimm Eschlauch und stoße ihn mit Salz. Mische ihn mit Wein oder Essig und drücke den Saft aus. Diese Sauce ist gut zu Rinderbraten.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| asschlauch | Eschlauch | - | Schalotten |
| salcz | Salz | - | - |
| wein ader essig | Wein | - | Essig |
Welches Gericht ist das? Eine rohe, ungebundene Schalotten-Presssauce: Eschlauch wird mit Salz zerstoßen, mit Wein oder Essig vermengt und der Saft ausgepresst - eine kalte, saure Würzsauce zu Rinderbraten. Die nächste lebende Verwandte ist die französische Sauce mignonette (Schalotte und Essig, klassische kalte Begleitung zu Austern oder Steak); auch die Aromenbasis der Beurre-blanc-Familie (Schalotte in Wein und Essig) ist verwandt, hier aber roh und ungebunden statt reduziert und mit Butter montiert. Entfernt vergleichbar sind auch heutige kalte Zwiebel-Essig-Saucen zu Tafelspitz oder Sauerbraten.
Das Zerstoßen mit Salz dient nicht nur der Würzung: Salz wirkt abrasiv und leicht hygroskopisch, unterstützt das Aufbrechen der Zellstruktur des Eschlauchs im Mörser und setzt so mehr Saft frei. Wein oder Essig verdünnen die Masse, tragen Säure als Geschmacksträger bei und erleichtern das Auspressen. Am Ende trennt sich die scharfe, würzige Flüssigkeit - die eigentliche Salse - vom festen Pressrückstand.
Praxis. Für vier bis sechs Personen etwa 150-200 g Schalotten schälen und im Mörser mit einer Prise Salz zu einem groben Brei zerstoßen. Mit einem Schuss Wein oder Essig aufgießen und den Saft auspressen. Das Original nennt weder Mengenverhältnis noch Presstechnik - die Sauce fällt dadurch je nach Eschlauch-Anteil kräftig-scharf und dünnflüssig aus, eher ein pointierter Tunk-Schuss als eine ausbalancierte moderne Sauce.
Eschlauch ist eine alte Bezeichnung für Schalotten, die du in jedem gut sortierten Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt findest.
Ja, dieses Rezept ist ein Goldstandard für die Lagerküche. Es ist in wenigen Minuten im Mörser zubereitet und benötigt nur robuste Zutaten, die keine Kühlung erfordern. Ideal als schnelle Würzsauce für Braten am Lagerfeuer.
Dieses Rezept stammt aus dem Königsberger Kochbuch, einer Handschrift aus dem 15. Jahrhundert, die im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin aufbewahrt wird. Es ist Teil des Archivs des Deutschen Ordens und wurde von der Universität Graz digital ediert.
Im mittelalterlichen Kontext bezeichnet 'Salse' eine würzige Tunke oder Sauce, die zu Fleisch oder Fisch gereicht wird. Es ist nicht mit dem Würzmittel 'Salz' zu verwechseln, obwohl die Schreibweisen manchmal ähnlich sein können.
‚Eschlauch‘ ist eine alte Bezeichnung für die Schalotte.
Eine ‚Salse‘ ist eine würzige Tunke oder Sauce, nicht zu verwechseln mit ‚Salz‘.
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