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Würzige Lebkuchensauce

Kochbuch-Fragment aus dem Deutschordensarchiv (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384) · Deutschordensland / Preußen · 1470

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9.3/10
Zubereitungszeit25 Min.Portionen4-6 PortionenBuchKönigsberger Kochbuch (~1470)

Willst du eine gute Lebkuchensauce zubereiten:

Schneide den Lebkuchen dünn, wie man ein Pfefferbrot schneidet, und koche ihn mit Wein ein. Passiere die Masse anschließend durch ein Tuch oder Sieb, wie man es mit einer Pfeffersauce tun würde, um eine feine Konsistenz zu erhalten.

Gib Zimt und Ingwer nach Belieben hinzu und lasse die Sauce in einer Pfanne einkochen. Gieße sie dann in eine Saucenschale und bestreue sie mit Zucker.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
letzeltenn Lebkuchen Supermarkt, Bäckerei Gewürzspekulatius oder Honigkuchen
wein Wein - -
zimendtrinttenn Zimt - -
Inber Ingwer - -
zucker Zucker - -

Welches Gericht ist das? koe-030 ist eine mit zerriebenem Lebkuchen sämig gebundene, in Wein eingekochte und durch ein Tuch passierte Gewürzsauce aus Zimt und Ingwer, die gezuckert aufgetragen wird - die Urform dessen, was heute noch als Lebkuchen- oder Printensauce bekannt ist. Lebende Verwandte finden sich im Rheinischen Sauerbraten, dessen Bratensauce traditionell mit zerriebenem Lebkuchen oder Printen gebunden und gesüßt wird, sowie in der bis heute zu Wild- und Rehbraten gereichten Lebkuchensauce der weihnachtlichen Küche.

Warum "dünn" schneiden? Das Transkript verlangt, den Lebkuchen dünn zu schneiden - vergleichbar der Schnittweise von Pfefferbrot -, nicht ihn grob in Stücke zu teilen. Dünne Scheiben lösen sich beim anschließenden Absieden mit Wein deutlich schneller und vollständiger auf als grobe Stücke, was für das nachfolgende Durchstreichen zu einer glatten Sauce wichtig ist.

Was heißt "durchstreichen"? Die Anweisung, die Masse "wie eine Pfeffersauce" durchzustreichen, meint das Passieren durch ein Tuch oder Sieb, um Krümel und Fasern zu entfernen und eine homogene Sauce zu erhalten. Das Transkript selbst nennt kein Werkzeug, aber "durchstreichen" ergibt praktisch nur mit einem Tuch oder Sieb Sinn.

Praxis. Lebkuchen dünn schneiden und mit Wein aufkochen, bis er sich auflöst (ca. 10 Minuten). Durch ein feines Sieb oder Tuch streichen, zurück in die Pfanne geben, Zimt und Ingwer nach Geschmack einrühren und kurz (2-3 Minuten) aufwallen lassen, bis die gewünschte Dicke erreicht ist. In eine Saucenschale füllen und mit Zucker bestreuen. Gesamtzeit rund 20-30 Minuten, ohne Ofen oder Kühlung machbar.

Was ist eine Lebkuchensauce / Salse von Lebzelten?

Eine Lebkuchensauce ist eine typische mittelalterliche Würzsauce, die zerriebenen Lebkuchen als Bindemittel und Geschmacksgeber nutzt. Sie gehört zur Familie der Brotsaucen und ist eine Variante der dunklen Pfeffersaucen. Der Lebkuchen war damals oft weniger süß und stärker gewürzt als heutiger Lebkuchen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Es ist in etwa 20-30 Minuten im Topf am Feuer zubereitet und verwendet ausschließlich robuste, lagerfähige Zutaten, die keine Kühlung benötigen - ideal für eine schnelle Saucen-Zubereitung im Lager.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Königsberger Kochbuch, einer Handschrift aus dem 15. Jahrhundert, die im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin (XX. HA, Ordensbriefarchiv Nr. 18384) aufbewahrt wird. Es entstammt dem Archiv des Deutschen Ordens und ist in Frühneuhochdeutsch verfasst.

Was bedeutet 'streichenn durch' im Rezept?

Die Anweisung 'streichenn durch' bedeutet, die gekochte Masse durch ein feines Tuch oder ein Sieb zu passieren. Dies dient dazu, eine glatte, homogene Sauce ohne Krümel oder Fasern zu erhalten.

Wilthu machen Eynn Gutte salsenn vonn letzeltenn So schneidt In din alls ein peffer prott vnd Seidt Inne abe mitt wein vnd streichenn durch als ein peffer vnd thu darzu zimendtrinttenn vnd Inber des genug sey vnd welles ab In einer pfannen vnd gewß vff die salsenn schussell vnd thu ein zucker dar vff
letzeltenn

Lebkuchen, ein gewürztes Honiggebäck, das hier als Bindemittel und Geschmacksgeber für die Sauce dient. Im Mittelalter war Lebkuchen oft weniger süß und stärker gewürzt als heute. Der Begriff "Lebzelten" lebt bis heute in Österreich (v. a. Salzburg, "Salzburger Lebzelten") als regionale Bezeichnung für Lebkuchen fort.

peffer prott

Pfefferbrot, eine Art gewürztes Brot, das hier als Vergleich für die Schnittgröße des Lebkuchens dient, nicht als Zutat.

streichenn durch als ein peffer

Das Passieren durch ein Tuch oder Sieb, um eine feine, glatte Sauce zu erhalten, ähnlich der Konsistenz einer damaligen Pfeffersauce.

zimendtrinttenn

Zimt.

Inber

Ingwer.

Handschrift
Kochbuch-Fragment aus dem Deutschordensarchiv (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384)
Folio
Fol. 012v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch mit ostmitteldeutschen Merkmalen, 15. Jh.)
Entstehung
Deutschordensland / Preußen, 1470
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartstreichenn durch als ein peffer

Gewählte Lesart: 'passieren/durchstreichen wie eine Pfeffersauce' - Die Anweisung, die Masse 'durchzustreichen', bedeutet, sie durch ein Tuch oder Sieb zu passieren, um eine glatte Konsistenz zu erhalten. Der Vergleich mit 'Pfeffer' (hier wohl eine Pfeffersauce) unterstreicht die gewünschte Feinheit.

Originalwerk (~1470) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 012v, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin, XX. HA, OBA, Nr. 18384 (15. Jh.); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. B6 (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Alle Zutaten (Lebkuchen, Wein, Zimt, Ingwer, Zucker) sind trocken und lagerfähig, keine Kühlung nötig. Der komplette Ablauf läuft in 20-30 Minuten im Topf am Feuer; einziges Zusatzgerät ist ein Tuch oder Sieb zum Durchstreichen - Standardausrüstung jeder Lagerküche.
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