Kochbuch-Fragment aus dem Deutschordensarchiv (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384) · Deutschordensland / Preußen · 1470
Willst du weiß gebratene Hühner machen, so nimm das Weiße von Eiern und ein wenig Mehl darunter. Damit sollst du es begießen und es danach wieder zum Feuer geben.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| huner | Huhn (zum Braten) | - | Metzger, Supermarkt | - |
| das weiß vonn Eirenn | Eiweiß | - | - | - |
| ein wenig melbs | ein wenig Mehl | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Der weiße Vertreter einer Reihe gefärbter Brathühner: Beim Braten wird das Huhn mit einer Mischung aus Eiweiß und etwas Mehl übergossen, die in der Hitze zu einer hellen, matten Glasur gerinnt - das helle Gegenstück zur üblichen Eigelb-Vergoldung. Im Königsberger Kochbuch folgen die grün und schwarz gebratenen Hühner sowie die Königshühner (koe-011 bis koe-013) - ein zusammenhängender Farb-Cluster.
Technik. Eiweiß mit ganz wenig Mehl glattrühren. Das fast fertig gebratene Huhn damit bestreichen oder übergießen und kurz zurück an die Hitze geben, bis die Glasur stockt: Das Eiweiß enthält kaum Fett oder Pigment und gerinnt in der Hitze zu einer hellen, matten Schicht, statt wie eine Eigelb-Wäsche goldbraun zu bräunen.
Praxis. Funktioniert auf dem Grill, am Spieß oder im Ofen. Eiweiß mit wenig Mehl verquirlen und in den letzten Minuten der Garzeit auf das schon bratende Huhn streichen, bis die Glasur weiß und matt aussieht - Menge, Wiederholung und genaue Hitze sind im Text nicht überliefert und bleiben Ermessenssache der Küche.
‚Czebrotten' ist Frühneuhochdeutsch für ‚gebraten' (ze-braten), nicht ‚zerbrochen'. Es geht also um ein gebratenes Huhn, das durch eine helle Glasur weiß wird. Im Königsberger Kochbuch folgen darauf die grün und schwarz ‚gebratenen' Hühner - eine Reihe verschieden gefärbter Brathühner.
Ja, gut geeignet: Während das Huhn am Feuer brät, rührst du Eiweiß mit etwas Mehl an und streichst es auf - in wenigen Minuten und ohne Extra-Gerät. Der einzige Engpass ist das frische Geflügel, das gekühlt werden muss.
Beim Braten wird das Huhn mit einer Mischung aus Eiweiß und etwas Mehl bestrichen. Diese gerinnt in der Hitze zu einer hellen, matten Glasur (eine ‚weiße' Optik) - das Gegenstück zum sonst üblichen Vergolden mit Eigelb. So entsteht der weiße Vertreter der gefärbten Brathühner-Reihe.
Dieses Rezept stammt aus dem Königsberger Kochbuch (15. Jh., Deutschordensland / Preußen). Kurzes Kochbuch-Fragment (34 Rezepte) aus dem Archiv des Deutschen Ordens, ursprünglich auf der Marienburg (Malbork), heute im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Die einzige preußisch-ostmitteldeutsch geprägte Quelle im Fyndling-Korpus - ein regionaler Kontrast zur süddeutschen und italienischen Überlieferung. Schwerpunkt auf Würzsaucen und gefärbten Begleitsaucen (eine zusammenhängende Reihe weißer, grüner, schwarzer und rotschwarzer Brathühner), Mörserspeisen, Sülzen sowie Fastenküche mit kunstvollen Imitationsgerichten (Bratwurst aus Feigen, Fisch als Sülze). Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift B6 ediert.
‚czebrotten' = ze(r)braten = gebraten (nicht ‚zerbrochen'!). Im Königsberger Kochbuch bilden ‚weiß / grün / schwarz czebrotten huner' eine Reihe verschieden gefärbter Brathühner (CoReMA-Lesart: ‚gebratenes Hähnchen').
Frühneuhochdeutsche Form von ‚Mehl'.
Begießen/bestreichen - hier das Huhn beim Braten mit der Eiweiß-Mehl-Mischung übergießen, damit eine weiße Glasur entsteht.
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