Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Für eine weiße Sauce zu Hühnerfleisch nimm italienische Rosinen. Reibe sie fein.
Gib den allerbesten Wein hinzu, den du bekommen kannst. Seihe die Mischung durch ein Tuch. Füge die besten Gewürze hinzu.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| waelisch weinper | Italienische Rosinen (Korinthen / Sultaninen) | - | - | - |
| den aller pesten wein | Weißwein | - | - | - |
| das pest gewurcz | Gewürzmischung | - | - | - |
| hunern | Hühnerfleisch | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine kalte, ungekochte Frucht-Wein-Sauce aus fein zerriebenen Rosinen, bestem Weißwein und Gewürzen, durchs Tuch passiert - als Begleitsauce zu hellem Hühnerfleisch. Im Prinzip eine Vorfahrin heutiger kalter Frucht-Wein-Saucen wie der Cumberland-Sauce: süß-säuerlich, ungekocht, als Kontrast zu Geflügel.
Praxis. Reibe oder zerstoße die Rosinen möglichst fein, etwa im Mörser. Gib den besten Weißwein hinzu, den du bekommen kannst, bis eine streichfähige Masse entsteht. Presse diese Masse kräftig durch ein Tuch, um Fruchthäute und grobe Reste abzutrennen - das Original nennt hierfür ausdrücklich kein feines Sieb, ein sauberes Leinentuch genügt. Würze die passierte Flüssigkeit zuletzt mit den besten Gewürzen, die du hast; historisch passen Ingwer, Pfeffer, Muskat oder Galgant. Das Ergebnis bleibt trotz Passieren eine leicht trübe, fruchtige Flüssigkeit und keine seidig-glatte Sauce im modernen Sinn - dafür fehlt ein feines Sieb oder ein Mixer. Reiben, Wein zugeben, passieren, würzen: mehr Schritte kennt das Original nicht, es braucht keine Hitzequelle und ist am Marktstand mit Mörser oder Reibe und einem Tuch in wenigen Minuten fertig.
„Welsch“ bezeichnete im Mittelalter oft italienische Produkte. Es handelt sich um italienische Rosinen, die über Handelswege aus dem Mittelmeerraum importiert wurden, wie Korinthen oder Sultaninen.
Ja, sehr gut geeignet. Die Zutaten sind haltbar und die Zubereitung ist einfach und schnell, ohne spezielle Ausrüstung.
Im Mittelalter waren ‚beste Gewürze‘ oft eine Mischung aus teuren und aromatischen Zutaten wie Ingwer, Zimt, Nelken, Muskat, Kardamom oder weißem Pfeffer. Wähle eine Kombination, die dir schmeckt und zum Hühnerfleisch passt.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Italienische Rosinen, meist Korinthen oder Sultaninen, die über Handelswege aus dem Mittelmeerraum importiert wurden.
Eine doppelte Formulierung für ‚Sauce‘ oder ‚Tunke‘, die im Mittelalter häufiger vorkam.
Eine typische mittelalterliche Anweisung, die eine Mischung aus hochwertigen, aromatischen Gewürzen wie Ingwer, Zimt, Nelken, Muskat oder Kardamom impliziert.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| waelisch weinper | raisin Q13186 |
| den aller pesten wein | wine Q282 |
| das pest gewurcz | spice Q42527 |
| hunern | chicken Q864693 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Gewählte Lesart: Italienische Rosinen (Korinthen / Sultaninen). welsch bezeichnete im Spätmittelalter vor allem romanisch-italienische Herkunft; bei Handelsware wie getrockneten Weinbeeren meint es konkret die aus dem Mittelmeerraum importierten Sorten.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 04.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.