Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.

Historische Wörterbücher

Gemeinfreie Idiotika und Glossare, digitalisiert für die Rezept-Übersetzung

Für die Übersetzung unserer mittelalterlichen Rezepte gleichen wir unklare Wörter gegen historische Wörterbücher ab. Fünf davon waren nur in schlechter Qualität digital verfügbar, auf drei verschiedene Weisen kaputt: bei den beiden Dialekt-Idiotika hatte eine generische OCR das historische lange „ſ" durchgängig als „f" gelesen, bei Diefenbachs zwei Glossar-Bänden waren die Quellenangaben verstümmelt und das „ß" verschwunden. Die Idiotika haben wir mit einer auf Fraktur spezialisierten OCR-Engine (Kraken) neu digitalisiert, bei Diefenbach den vorhandenen Volltext gezielt repariert. Bei seinem dreisprachigen Glossar von 1846 half beides nicht: dort erfand die vorhandene OCR Umlaute, die im Druck nicht stehen - den Band haben wir deshalb komplett neu gelesen. Da die Arbeit ohnehin gemacht ist und alle Werke gemeinfrei sind, stellen wir die Ergebnisse hier zum Download bereit - falls sie mal jemand anders brauchen kann.

Lizenz: Alle Originalwerke sind gemeinfrei (die Autoren starben 1868, 1883 und 1900, die Schutzfrist ist seit über hundert Jahren abgelaufen). Die Textdateien sind eine rein maschinelle OCR-Transkription ohne eigene kreative Leistung - auch sie sind damit gemeinfrei nutzbar. Wir bitten um einen Hinweis auf die Quelle bei Weiterverwendung, verpflichtend ist das aber nicht.


Idiotikon von Kurhessen

August Friedrich Christian Vilmar, Marburg/Leipzig 1868. Regionales Dialekt-Wörterbuch für den Raum Marburg/Kassel/Fulda.

Digitalisiert aus einem durchschossenen Exemplar der Bibliothek des Geographischen Instituts Marburg (983 Buchseiten, davon 492 mit Wörterbuch-Druckseiten - die übrigen eingeschossenen Blätter enthalten handschriftliche Notizen früherer Nutzer und wurden nicht transkribiert, da unser OCR-Modell auf Drucktext trainiert ist).

⬇ Download (.txt, 1,6 MB)


Pfälzisches Idiotikon

Georg Autenrieth, Zweibrücken 1899. Regionales Dialekt-Wörterbuch für die Pfalz (linguistisch Teil des rheinfränkischen Dialektraums).

Digitalisiert aus dem vollständigen Scan (Google Books/archive.org), 204 Buchseiten, davon 195 mit Wörterbuch-Inhalt.

⬇ Download (.txt, 262 KB)



Glossarium Latino-Germanicum

Lorenz Diefenbach, Frankfurt am Main 1857. Mittellateinisch-deutsches Glossar, zusammengetragen aus fast 200 Handschriften und Frühdrucken des 14. bis 16. Jahrhunderts. Es übersetzt lateinische Begriffe nicht ins Neuhochdeutsche, sondern direkt in zeitgenössische deutsche Vokabeln und Dialektformen - und nennt zu jeder Form die Handschrift, die sie belegt.

Anders als bei den beiden Idiotika oben haben wir hier nicht neu digitalisiert, sondern den vorhandenen Volltext repariert. Der Band ist in Antiqua gesetzt, nicht in Fraktur, und dreispaltig in sehr kleinem Schriftgrad. Unser Fraktur-Modell liest die deutschen Glossen zwar besser, verstümmelt dabei aber die kleinen Zahlen in Klammern - und genau die sind Diefenbachs Quellenapparat. Wir haben es ausprobiert und den Weg wieder verworfen.

Behoben sind zwei Schadensklassen der alten OCR. Erstens war das ß durchgängig als B gelesen: im ganzen Band stand vorher kein einziges ß, sondern „groB", „fuB", „auB" statt „groß", „fuß", „auß" - 7361 Stellen. Zweitens waren die Quellensiglen verstümmelt, etwa „Aeifr." statt „Aelfr." für das Glossarium Aelfredi - 124 Stellen. Dazu 55 Zeilen Scan-Müll vom marmorierten Vorsatzpapier am Dateianfang.

⬇ Download (.txt, 5,6 MB)


Novum Glossarium Latino-Germanicum

Lorenz Diefenbach, Frankfurt am Main 1867. Eigenständige Fortsetzung des Glossariums mit zusätzlichen Einträgen - kein alphabetischer Fortlauf des ersten Bandes, sondern ein zweiter Durchgang durch das Alphabet. Wer im Hauptwerk sucht, sollte hier ebenfalls nachsehen.

Hier waren vor allem die Quellensiglen betroffen, 487 Stellen. Die häufigste Abkürzung des Bandes, „Symb." für die Symbolae, war sogar in der Minderheit: 152 korrekte Schreibungen gegen 340 verstümmelte („Symh.", „Sijmh.", „Sgmh." und weitere Varianten). Das ß ist in diesem Band intakt und wurde nicht angetastet.

⬇ Download (.txt, 1,4 MB)


Mittellateinisch-hochdeutsch-böhmisches Wörterbuch

Lorenz Diefenbach (Hrsg.), Frankfurt am Main 1846. Das Glossar einer Handschrift von 1470, dreisprachig: lateinisches Stichwort, deutsche Glosse, und - wo die Handschrift sie hatte - eine böhmische. Diefenbach hat es zuerst herausgegeben und mit Anmerkungen versehen.

Diesen Band haben wir vollständig neu gelesen, mit spaltenweiser Erkennung über 160 Seiten. Der Grund war nicht schlechte Schrifterkennung im Üblichen, sondern ein tückischerer Fehler: die vorhandene Fassung erfand Umlaute. Am Faksimile nachgeprüft steht gedruckt „Archus i. princeps furst" und „frucht der baum" - die alte OCR machte daraus „fürst" und „bäum". Solche Punkte sieht man im Text nicht als Fehler, sie lesen sich einfach wie ein Wort. Die neue Fassung hat 4767 statt 4681 Stichwörter und gibt die Diakritika so wieder, wie sie auf dem Papier stehen.

⚠️ Eine Besonderheit beim Nachschlagen: das Böhmische steht in der vorhussitischen Schreibung von 1470, also in Digraphen statt mit Häkchen - cz für č, ss für š, w für v. „šíje" heißt dort ssyge, „barva" ist barwa, „zeť" ist zeth. Wer moderne tschechische Schreibung sucht, findet nichts. Das ist quellentreu und kein Fehler der Erkennung.

⬇ Download (.txt, 276 KB)

Zur OCR-Qualität

Die Kraken-Transkription ist deutlich besser als die vorher verfügbaren generischen OCR-Fassungen, aber nicht fehlerfrei - vereinzelt vertauscht die Engine ähnlich aussehende Buchstaben (z.B. b/d). Wie bei jeder OCR-Digitalisierung eines historischen Drucks gilt: als Lesehilfe und Recherche-Ausgangspunkt nutzen, bei wichtigen Stellen gegen ein Original oder eine gedruckte Ausgabe gegenprüfen.

Bei den beiden Diefenbach-Bänden ist nur das Beschriebene behoben, nicht alles. Die alte OCR verwechselt an anderen Stellen weiter „e" mit „c" (etwa „dcr" statt „der") und löst „m" in „ni" oder „iii" auf; im Vorspann mit seinem großen Schriftgrad ist das dichter als im Wörterbuchteil. Für diese Fehler gibt es keine geschlossene Regel, sie stehen noch drin.

← Zum Rezepte-Glossar