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Historische Wörterbücher

Gemeinfreie Idiotika, Glossare, ein deutsch-lateinischer Thesaurus von 1616 und zwei französische Wörterbücher, digitalisiert für die Rezept-Übersetzung

Für die Übersetzung unserer mittelalterlichen Rezepte gleichen wir unklare Wörter gegen historische Wörterbücher ab. Acht davon waren nur in schlechter Qualität digital verfügbar, auf fünf verschiedene Weisen kaputt: bei den beiden Dialekt-Idiotika und bei Cotgrave hatte eine generische OCR das historische lange „ſ" durchgängig als „f" gelesen, bei Diefenbachs zwei Glossar-Bänden waren die Quellenangaben verstümmelt und das „ß" verschwunden, Nicots Wörterbuch lag nur als schlechter Mikrofilm-Scan vor, den die OCR kaum lesen konnte, und bei Henischs Thesaurus fehlten in der vorhandenen OCR Zeilen, andere waren zerlegt. Die Idiotika haben wir mit einer auf Fraktur spezialisierten OCR-Engine (Kraken) neu digitalisiert, ebenso Cotgrave und Nicot (mit einem Modell für gedruckte Antiqua) und Henisch (mit dem mehrsprachigen Modell PP-OCRv6), bei Diefenbach den vorhandenen Volltext gezielt repariert. Bei seinem dreisprachigen Glossar von 1846 half beides nicht: dort erfand die vorhandene OCR Umlaute, die im Druck nicht stehen - den Band haben wir deshalb komplett neu gelesen. Da die Arbeit ohnehin gemacht ist und alle Werke gemeinfrei sind, stellen wir die Ergebnisse hier zum Download bereit - falls sie mal jemand anders brauchen kann.

Lizenz: Alle Originalwerke sind gemeinfrei (die Autoren starben 1559, 1604, 1618, um 1634, 1868, 1883 und 1900, die Schutzfrist ist seit über hundert Jahren abgelaufen). Die Textdateien sind eine rein maschinelle OCR-Transkription ohne eigene kreative Leistung - auch sie sind damit gemeinfrei nutzbar. Wir bitten um einen Hinweis auf die Quelle bei Weiterverwendung, verpflichtend ist das aber nicht.


Idiotikon von Kurhessen

August Friedrich Christian Vilmar, Marburg/Leipzig 1868. Regionales Dialekt-Wörterbuch für den Raum Marburg/Kassel/Fulda.

Digitalisiert aus einem durchschossenen Exemplar der Bibliothek des Geographischen Instituts Marburg (983 Buchseiten, davon 492 mit Wörterbuch-Druckseiten - die übrigen eingeschossenen Blätter enthalten handschriftliche Notizen früherer Nutzer und wurden nicht transkribiert, da unser OCR-Modell auf Drucktext trainiert ist).

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Pfälzisches Idiotikon

Georg Autenrieth, Zweibrücken 1899. Regionales Dialekt-Wörterbuch für die Pfalz (linguistisch Teil des rheinfränkischen Dialektraums).

Digitalisiert aus dem vollständigen Scan (Google Books/archive.org), 204 Buchseiten, davon 195 mit Wörterbuch-Inhalt.

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Glossarium Latino-Germanicum

Lorenz Diefenbach, Frankfurt am Main 1857. Mittellateinisch-deutsches Glossar, zusammengetragen aus fast 200 Handschriften und Frühdrucken des 14. bis 16. Jahrhunderts. Es übersetzt lateinische Begriffe nicht ins Neuhochdeutsche, sondern direkt in zeitgenössische deutsche Vokabeln und Dialektformen - und nennt zu jeder Form die Handschrift, die sie belegt.

Anders als bei den beiden Idiotika oben haben wir hier nicht neu digitalisiert, sondern den vorhandenen Volltext repariert. Der Band ist in Antiqua gesetzt, nicht in Fraktur, und dreispaltig in sehr kleinem Schriftgrad. Unser Fraktur-Modell liest die deutschen Glossen zwar besser, verstümmelt dabei aber die kleinen Zahlen in Klammern - und genau die sind Diefenbachs Quellenapparat. Wir haben es ausprobiert und den Weg wieder verworfen.

Behoben sind zwei Schadensklassen der alten OCR. Erstens war das ß durchgängig als B gelesen: im ganzen Band stand vorher kein einziges ß, sondern „groB", „fuB", „auB" statt „groß", „fuß", „auß" - 7361 Stellen. Zweitens waren die Quellensiglen verstümmelt, etwa „Aeifr." statt „Aelfr." für das Glossarium Aelfredi - 124 Stellen. Dazu 55 Zeilen Scan-Müll vom marmorierten Vorsatzpapier am Dateianfang.

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Novum Glossarium Latino-Germanicum

Lorenz Diefenbach, Frankfurt am Main 1867. Eigenständige Fortsetzung des Glossariums mit zusätzlichen Einträgen - kein alphabetischer Fortlauf des ersten Bandes, sondern ein zweiter Durchgang durch das Alphabet. Wer im Hauptwerk sucht, sollte hier ebenfalls nachsehen.

Hier waren vor allem die Quellensiglen betroffen, 487 Stellen. Die häufigste Abkürzung des Bandes, „Symb." für die Symbolae, war sogar in der Minderheit: 152 korrekte Schreibungen gegen 340 verstümmelte („Symh.", „Sijmh.", „Sgmh." und weitere Varianten). Das ß ist in diesem Band intakt und wurde nicht angetastet.

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Mittellateinisch-hochdeutsch-böhmisches Wörterbuch

Lorenz Diefenbach (Hrsg.), Frankfurt am Main 1846. Das Glossar einer Handschrift von 1470, dreisprachig: lateinisches Stichwort, deutsche Glosse, und - wo die Handschrift sie hatte - eine böhmische. Diefenbach hat es zuerst herausgegeben und mit Anmerkungen versehen.

Diesen Band haben wir vollständig neu gelesen, mit spaltenweiser Erkennung über 160 Seiten. Der Grund war nicht schlechte Schrifterkennung im Üblichen, sondern ein tückischerer Fehler: die vorhandene Fassung erfand Umlaute. Am Faksimile nachgeprüft steht gedruckt „Archus i. princeps furst" und „frucht der baum" - die alte OCR machte daraus „fürst" und „bäum". Solche Punkte sieht man im Text nicht als Fehler, sie lesen sich einfach wie ein Wort. Die neue Fassung hat 4767 statt 4681 Stichwörter und gibt die Diakritika so wieder, wie sie auf dem Papier stehen.

⚠️ Eine Besonderheit beim Nachschlagen: das Böhmische steht in der vorhussitischen Schreibung von 1470, also in Digraphen statt mit Häkchen - cz für č, ss für š, w für v. „šíje" heißt dort ssyge, „barva" ist barwa, „zeť" ist zeth. Wer moderne tschechische Schreibung sucht, findet nichts. Das ist quellentreu und kein Fehler der Erkennung.

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Teutsche Sprach und Weißheit

Georg Henisch, Augsburg 1616. Ein deutsch-lateinischer Thesaurus: zu jedem deutschen Stichwort lateinische Entsprechungen, dazu Synonyme, Ableitungen, Redewendungen und Sprichwörter. Für unsere Rezeptarbeit ist es das wichtigste Augsburger Belegwörterbuch, gedruckt rund 60 Jahre nach dem Kochbuch der Sabina Welserin. Das Werk reicht nur von A bis G (der letzte Eintrag im Wörterbuchteil ist „Gyps"), danach folgt ein Register.

Neu gelesen aus dem Google-Scan des Exemplars der Österreichischen Nationalbibliothek bei archive.org (990 Seiten, davon 968 mit Text; Einband, Ornamente und Leerseiten haben wir verworfen), mit Kraken 7.1 und dem mehrsprachigen Modell PP-OCRv6. Die vorhandene OCR war lückenhaft und stellenweise zerlegt: Ihre Datei ist mit 4,1 Millionen Zeichen ein Fünftel kürzer als die neue (5,3 Millionen). An 26 Zeilen, die wir am Seitenbild gelesen haben (siehe unten bei der OCR-Qualität), lag ihre Zeichenfehlerrate bei 23 %, drei der 26 Zeilen waren darin gar nicht zu finden. Die neue Fassung kommt bei denselben Zeilen auf 3,7 %, zwölf davon sind fehlerfrei. Ein erster Lauf mit dem üblichen deutschen Druckmodell lag bei 15,6 %, deshalb haben wir das neuere genommen. Als Gegenprobe: von den Wörtern ab vier Buchstaben stehen 185.000 von 363.000 (alte Fassung) beziehungsweise 339.000 von 535.000 (neue Fassung) in den schwäbischen Wörterbüchern von Fischer und Schmid, die wir als Vergleichsvokabular nutzen. Wörter, die am Zeilenende getrennt waren („Syno-" und „nymis"), sind wieder zusammengesetzt: 10.198 Stück.

⚠️ Noch nicht behoben: die Engine verwechselt gelegentlich ähnliche Fraktur-Buchstaben („Einreitent" statt „Einreiten", „pincema" statt „pincerna"), griechische Wörter und Randnotizen sind Rauschen, Spaltenzahlen und Verweise stehen im Text, Seitenzahlen fehlen. Das hochgestellte e über Vokalen (der Fraktur-Umlaut) steht als eigenes Zeichen (U+0364) im Text (an 9.849 Stellen, etwa „fuͤr" und „gluͤck"): „fuͤr" ist darin nicht dasselbe wie „für". Wer sucht, sollte beide Schreibungen probieren. Die letzte Textseite der Datei steht hinter dem Register und gehört wohl zu einem Anhang, das haben wir nicht geprüft. Bei elf Seiten warnt unser Test vor abgeschnittenen Spaltenrändern; drei Stichproben waren in Ordnung, die übrigen acht haben wir nicht angesehen.

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A Dictionarie of the French and English Tongues

Randle Cotgrave, London 1611. Französisch-englisches Wörterbuch, für uns vor allem als Sachwörterbuch nützlich: zu vielen französischen Küchen-, Geräte- und Stoffwörtern gibt es eine ausführliche englische Erklärung statt nur einer Übersetzung (etwa „Estamine: The stuffe Tamine, also, a strayner, scarce" - ein Wollstoff, auch ein Seihtuch oder Sieb).

Neu gelesen aus dem Google-Scan des Exemplars bei archive.org (980 Seiten, davon 965 mit Wörterbuchtext; Einband, Titelei und Leerseiten haben wir verworfen). Die vorhandene OCR las das lange „ſ" durchgängig als „f": „Eftamine", „moft", „fuch", „alfo". Das macht jede Suche nach dem Wort selbst unmöglich. In der neuen Fassung stehen 9934 richtig geschriebene Wörter wie „most", „such", „some", „also" gegen 268 Wörter mit „f"-Fehlern; in der alten Fassung waren es 211 gegen 8780.

⚠️ Noch nicht behoben: die Engine verwechselt gelegentlich „w" und „v" („vhirret" statt „whirret"), Seitenzahlen und Seitenrand-Notizen stehen als Rauschen mitten im Text, und auf zwei Seiten (89 und 904 der Datei) besteht der Verdacht, dass am Spaltenrand Zeichen fehlen. In den Stichproben, die wir angesehen haben, sind die Spalten in der richtigen Reihenfolge gelesen.

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Thresor de la langue francoyse

Jean Nicot (nach Aimar de Ranconnet), Paris 1606. Das erste französische Wörterbuch mit Erklärungen: zu jedem französischen Stichwort lateinische Entsprechungen, dazu Jagd-, Küchen- und Seefahrtswörter. Hinten angehängt sind eine Grammatik, eine Sprichwörtersammlung und der Nomenclator von Junius.

Neu gelesen aus dem Farbdigitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek (1074 Seiten, davon 1061 mit Text). Die vorhandene Fassung auf archive.org stammt aus einem Mikrofilm und war weitgehend unlesbar: nur 1,0 % ihrer Wörter waren die häufigsten französischen Wörter („est“, „que“, „qui“, „les“, „des“), in der neuen Fassung sind es 3,9 %. Das lange „ſ“ war dort oft als „f“ gelesen, in der neuen Fassung stehen 4466 richtig geschriebene Wörter wie „estre“, „estoit“, „possible“ gegen 29 mit „f“-Fehlern; in der alten waren es 233 gegen 188.

⚠️ Noch nicht behoben: die Engine verwechselt gelegentlich B, D und V sowie n und u („Darbe“ statt „Barbe“), Seitenzahlen und Kopfzeilen stehen als Rauschen im Text, und bei 24 Seiten besteht der Verdacht, dass am Spaltenrand etwas fehlt (Stichprobe in Ordnung). Wer ein Wort nicht findet, sollte auch die Schreibung mit D oder V statt B probieren.

⬇ Download (.txt, 8,2 MB)

Zur OCR-Qualität

Die Kraken-Transkription ist deutlich besser als die vorher verfügbaren generischen OCR-Fassungen, aber nicht fehlerfrei - vereinzelt vertauscht die Engine ähnlich aussehende Buchstaben (z.B. b/d). Wie bei jeder OCR-Digitalisierung eines historischen Drucks gilt: als Lesehilfe und Recherche-Ausgangspunkt nutzen, bei wichtigen Stellen gegen ein Original oder eine gedruckte Ausgabe gegenprüfen.

Bei den beiden Diefenbach-Bänden ist nur das Beschriebene behoben, nicht alles. Die alte OCR verwechselt an anderen Stellen weiter „e" mit „c" (etwa „dcr" statt „der") und löst „m" in „ni" oder „iii" auf; im Vorspann mit seinem großen Schriftgrad ist das dichter als im Wörterbuchteil. Für diese Fehler gibt es keine geschlossene Regel, sie stehen noch drin.

Die Zeichenfehlerrate von 3,7 % bei Henisch stammt aus 26 Zeilen auf zwei Seiten, die mit KI-Unterstützung (Claude) am Seitenbild gelesen wurden. Das ist eine kleine Stichprobe und keine belastbare Fehlerquote für das ganze Buch; die Referenzzeilen stammen nicht von einer Fachperson.

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