Kochbuch-Fragment aus dem Deutschordensarchiv (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384) · Deutschordensland / Preußen · 1470
Willst du ein Mus von Hutzeln zubereiten, so wasche die Hutzeln sehr sauber und stoße sie klein. Streiche sie anschließend mit Wein durch und koche sie dann gut auf.
Gib danach guten Honig und genügend Gewürze hinzu. Sollte das Mus zu dünn sein, reibe Brot hinein, um es anzudicken. Fülle es in einen Topf, so bleibt es dir vier oder sechs Wochen lang gut.
Du kannst dieses Mus kalt oder warm servieren und Zucker sowie Zimtrinde darüberstreuen.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| huzell | Hutzeln | - | Hofladen, Bio-Markt (Dörrbirnen) | Andere gedörrte Früchte (Äpfel, Pflaumen) |
| wein | Wein | - | - | Apfelwein oder Traubensaft |
| Hoengk | Honig | - | - | - |
| wurz genuck | Gewürze | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskat |
| prott | geriebenes Brot | - | - | Semmelbrösel |
| zucker | Zucker | - | - | - |
| zimett rindenn | Zimtrinde | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | Zimtpulver |
Welches Gericht ist das? Ein haltbares Dörrobst-Mus aus Hutzeln (gedörrten Birnen), mit Wein passiert, gesüßt mit Honig und gewürzt - der direkte Verwandte des bairisch-schwäbischen Hutzel-/Kletzenmus und der Birnenmus-Familie (vgl. bgs-081, mha-272, mon-142). Die im Text genannte Haltbarkeit von vier oder sechs Wochen macht es zum klassischen Vorratsgericht.
Technik. Hutzeln gründlich waschen und klein stoßen, dann mit Wein durchstreichen (vermutlich durch ein Tuch passiert, vgl. bgs-081) und gut aufkochen. Erst danach Honig und Gewürz einrühren. Zu dünn? Geriebenes Brot bindet (das mittelalterliche Andickmittel). In einen Topf gefüllt hält es vier oder sechs Wochen. Mit Zucker und Zimt bestreut servieren - kalt oder warm.
Praxis. Hartes Dörrobst lässt sich roh nur schwer fein zerstoßen - deshalb erleichtert ein Einweichen die moderne Umsetzung: Dörrbirnen (ersatzweise Backobst-Mischung) über Nacht in Wein/Wasser einweichen, weich köcheln, pürieren oder durch ein Sieb passieren, mit Honig, Zimt, Nelke, Ingwer abschmecken. Eng verwandt mit Birnen-Latwerge (kkm-107). Hält im sterilen Glas kühl problemlos mehrere Wochen.
Hutzeln sind gedörrte Birnen und werden oft in Hofläden, auf Wochenmärkten oder in Bio-Märkten angeboten. Alternativ kannst du auch andere gedörrte Früchte wie Äpfel oder Pflaumen verwenden.
Ja, dieses Rezept ist ein Goldstandard für die Lagerküche. Es verwendet robuste Zutaten, die keine Kühlung benötigen, und das fertige Mus hält sich in einem Topf vier oder sechs Wochen lang. Die Zubereitung ist einfach und kann am offenen Feuer erfolgen.
‚Wurz genuck‘ bedeutet ‚genügend Gewürze‘. Die genaue Mischung ist nicht angegeben, aber im Mittelalter waren wärmende Gewürze wie Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken oder Muskat üblich. Wähle eine Mischung, die dir schmeckt.
Dieses Rezept stammt aus dem Königsberger Kochbuch (15. Jh., Deutschordensland / Preußen). Kurzes Kochbuch-Fragment (34 Rezepte) aus dem Archiv des Deutschen Ordens, ursprünglich auf der Marienburg (Malbork), heute im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Die einzige preußisch-ostmitteldeutsch geprägte Quelle im Fyndling-Korpus - ein regionaler Kontrast zur süddeutschen und italienischen Überlieferung. Schwerpunkt auf Würzsaucen und gefärbten Begleitsaucen (eine zusammenhängende Reihe weißer, grüner, schwarzer und rotschwarzer Brathühner), Mörserspeisen, Sülzen sowie Fastenküche mit kunstvollen Imitationsgerichten (Bratwurst aus Feigen, Fisch als Sülze). Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift B6 ediert.
‚Hutzeln‘ sind gedörrte Birnen oder anderes Trockenobst. Sie wurden durch Trocknung haltbar gemacht und waren eine wichtige Zutat in der mittelalterlichen Küche.
Honig war im Mittelalter das wichtigste Süßungsmittel, da Zucker teuer und selten war.
Die genaue Gewürzmischung ist nicht spezifiziert, aber typisch für die Zeit wären wärmende Gewürze wie Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken oder Muskat.
Geriebenes Brot diente häufig als Bindemittel und zum Andicken von Speisen.
Zimt war ein beliebtes und kostbares Gewürz, das oft als Garnitur oder zur Verfeinerung von Süßspeisen verwendet wurde.
Das Königsberger Kochbuch ist im Korpus die einzige preußisch-ostmitteldeutsche Quelle - ein regionaler Kontrast zur sonst vorwiegend süddeutsch-alemannischen Überlieferung (Buch von guter Speise, Mondseer Kochbuch, Meister Hans).
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
huzell
Gewählte Lesart: Gedörrte Birnen.
Andere mögliche Lesart:
wurz genuck
Gewählte Lesart: Eine Mischung aus typischen mittelalterlichen Gewürzen wie Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken oder Muskat.
zimett rindenn
Gewählte Lesart: Zimtrinde als Stange oder grob zerbrochen.
Andere mögliche Lesart:
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