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Gekoppelte Eier

Kochbuch-Fragment aus dem Deutschordensarchiv (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384) · Deutschordensland / Preußen · 1470

VorspeiseVorspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchKönigsberger Kochbuch (~1470)

Reibe eine weiße Semmel und ... - die Handschrift ist an dieser Stelle beschädigt und unleserlich.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
eyr Eier - -
semell geriebenes Weißbrot Supermarkt (Backregal) frisches Weißbrot selbst reiben

Welches Gericht ist das? Der Rezepttext bricht nach der Anweisung „Reibe eine weiße Semmel“ ab; die Handschrift ist an dieser Stelle beschädigt und lief erkennbar weiter ("vnd ??? ???"), ist aber nicht mehr zu entziffern. Belegt sind damit nur zwei Zutaten - Eier und geriebene Semmel -, aber kein Garverfahren. Ob daraus ein mit Semmelbröseln gebundenes Rührei, eine Art Eierkuchen oder ein paniertes bzw. gefülltes Eiergericht wurde, lässt sich aus dem Fragment nicht entscheiden; alle drei sind mit den zwei erhaltenen Zutaten vereinbar, keine davon ist belegt.

Auch der Titel „Copplaytt eyr“ bleibt ein Hapax legomenon im Korpus. Zwei Lesarten sind lexikalisch möglich: „gekoppelte Eier“ (zu fnhd. ‚kopeln', kuppeln/binden/paaren) oder „Eier in Schälchen“ (zu lat./roman. ‚coppella', kleine Schale) - keine ist gesichert, siehe die dokumentierten Lesarten.

Praxis. Da der überlieferte Text nach dem Reiben der Semmel endet, lässt sich keine verlässliche Zubereitungsangabe geben. Wer das Fragment dennoch nachkochen möchte, kann sich an der im Korpus verbreiteten Technik orientieren, geriebene Semmel als Bindemittel unter verquirlte Eier zu geben und die Masse in der Pfanne zu stocken - das ist jedoch eine freie Ergänzung ohne Textbeleg, keine Übersetzung des Rezepts.

Was bedeutet ‚Copplaytt eyr'?

Der Begriff ‚Copplaytt' ist in dieser Handschrift nicht eindeutig belegt. Eine plausible Interpretation ist ‚gekoppelt' oder ‚gebunden', was auf eine Zubereitung der Eier mit dem geriebenen Brot hindeuten könnte, eventuell als Klößchen oder in einer Form. Da das Rezept unvollständig ist, bleibt die genaue Bedeutung offen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Die beiden belegten Zutaten - Eier und geriebenes Weißbrot - sind zweifellos lagertauglich: robust und ohne Kühlbedarf. Wie die Eier aber tatsächlich zubereitet wurden, ist nicht überliefert, denn das Rezept bricht nach dem Reiben der Semmel ab. Eine konkrete Zeit- oder Methodenangabe für die Feuerzubereitung lässt sich daher nicht belegen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Königsberger Kochbuch, einer Handschrift aus dem 15. Jahrhundert, die im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin (XX. HA, Ordensbriefarchiv Nr. 18384) aufbewahrt wird. Es gehört zum Archiv des Deutschen Ordens und ist in Frühneuhochdeutsch verfasst.

Was ist mit dem unvollständigen Rezepttext?

Der Rezepttext bricht nach der Anweisung zum Reiben der Semmel ab - die Handschrift ist an dieser Stelle beschädigt, der Text lief erkennbar weiter ("vnd ??? ???"), ist aber nicht mehr zu entziffern. Es ist daher nicht bekannt, wie die Eier letztlich zubereitet werden sollten.

Copplaytt eyr So reib ein w??? semell vnd ??? ???
semell

Geriebenes Weißbrot bzw. Semmelbrösel; im Korpus verbreitet als Bindemittel oder Streckmittel für Eierspeisen (vgl. mon-108). Ob es diese Funktion auch in diesem abgebrochenen Rezept hatte, ist nicht belegt.

w???

Die Textstelle ist beschädigt. ‚weiß' ist die wahrscheinlichste Ergänzung, da Weißbrot eine gängige Zutat war.

Copplaytt

Hapax legomenon im Korpus (nur hier belegt). CoReMA stuft den Rezeptstatus als ‚unclear' ein und glossiert den Titel nicht. Zwei Wurzeln sind lexikalisch möglich: fnhd. ‚kopeln/kopelen' (kuppeln, binden, paaren) und lat./roman. ‚coppella' (kleine Schale/Näpfchen) - keine ist gesichert.

Handschrift
Kochbuch-Fragment aus dem Deutschordensarchiv (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384)
Folio
Fol. 013v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch mit ostmitteldeutschen Merkmalen, 15. Jh.)
Entstehung
Deutschordensland / Preußen, 1470
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartCopplaytt

Gewählte Lesart: Gekoppelte Eier. Das fnhd. Verb ‚kopeln/kopelen' (kuppeln, binden, paaren) stützt eine Zubereitung, bei der die Eier mit dem geriebenen Brot verbunden werden.

Andere mögliche Lesart:

  • Eier in der Schale oder in kleinen Schälchen. - Der Begriff könnte auch von lat./roman. ‚coppella' (kleine Schale) abgeleitet sein, was auf eine Zubereitung in Förmchen oder der Eierschale hindeuten würde. Beide Wurzeln sind lexikalisch belegt, keine ist gesichert; das Wort ist ein Hapax legomenon im Korpus.

Lesartw??? semell

Gewählte Lesart: eine weiße Semmel. Die beschädigte Stelle ‚w???' wird am plausibelsten als ‚weiß' ergänzt, da Weißbrot (Semmel) eine gängige Zutat und ein gängiges Bindemittel in mittelalterlichen Rezepten war.

Andere mögliche Lesart:

  • eine weiche Semmel. - ‚Weich' wäre ebenfalls denkbar, um das Reiben zu erleichtern, ist aber weniger spezifisch als ‚weiß' im Kontext von Semmelbröseln.

Originalwerk (~1470) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 013v, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin, XX. HA, OBA, Nr. 18384 (15. Jh.); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. B6 (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Die belegten Zutaten (Eier, geriebenes Weißbrot) sind robust und benötigen keine Kühlung. Wie die Eier zubereitet wurden, ist jedoch nicht überliefert - das Rezept bricht nach dem Reiben der Semmel ab. Eine verlässliche Zeit- oder Methodenangabe für die Feuerzubereitung lässt sich daher nicht belegen.
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