Kochbuch-Fragment aus dem Deutschordensarchiv (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384) · Deutschordensland / Preußen · 1470
Reibe Knoblauch mit Salz und schäle die Zehen sauber. Menge das Eiweiß von sechs Eiern darunter und ein wenig Wasser dazu - so wird es eine gute Sauce.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| kloblech | Knoblauch | - | - | - |
| salcz | Salz | - | - | - |
| vj eir ... an daß weyß | Eiweiß (das Weiße der Eier) | 6 | - | - |
| ein wenig wassers | Wasser | - | Leitung | - |
Welches Gericht ist das? Eine rohe, kalte Knoblauch-Tafelsauce - die schlichteste, ölfreie Ausprägung der weißen Knoblauchsaucen-Familie im Korpus (vgl. Agliata Bianca mar-117, ant-047) und naher Verwandter der Knoblauch-Ei-Sauce bgs-032. Roher Knoblauch wird mit Salz zerrieben und mit Eiweiß sowie etwas Wasser zu einer hellen, leicht gebundenen Sauce vermengt - kein Öl, keine Nüsse, kein Essig, kein Garschritt.
Eiklar oder Eigelb? Der fast wortgleiche Zwilling bgs-032 folgt derselben Zutatenfolge (Knoblauch mit Salz reiben - Zehen schälen - sechs Eier dazu - Wasser dazu), verwendet an identischer Stelle aber ausdrücklich nur das Eigelb (‚on daz wisse‘ = ohne das Weiße) - dort wird die Sauce erhitzt, und Eiweiß würde dabei ausflocken. koe-024 bleibt roh, weshalb technisch sowohl Eiweiß als auch Eigelb möglich wären. Die hier gewählte Lesart ‚mit dem Eiweiß‘ stützt sich auf den koe-internen Beleg von ‚an‘ als Ortspräposition; die Gegenlesart des Zwillings bleibt aber eine ernstzunehmende Alternative (siehe Interpretationsentscheidungen).
Technik. Das Salz wirkt beim Zerreiben des Knoblauchs als Abrasivum und ersetzt dabei den Mörser (Salzkristalle zerkleinern die Zellstruktur mechanisch). Das Eiweiß bindet die Paste zu einer hellen, streichfähigen Suspension - ohne Eigelb bleibt sie weiß; das Wasser stellt nur die Konsistenz ein. Kein Garschritt: eine rohe, proteingebundene Anrühr-Sauce.
Praxis. Knoblauchzehen zuerst schälen, dann mit grobem Salz zu einer Paste zerreiben (das Salz ersetzt den Mörser, ersatzweise geht auch einer). Das Eiweiß von etwa sechs Eiern und wenig Wasser daruntermengen, bis eine helle, streichfähige Sauce entsteht. Passt zu Fisch, Geflügel oder kaltem Fleisch. Hinweis: rohes Ei - frisch verarbeiten, kühl halten, nicht für Risikogruppen; alternativ pasteurisiertes Eiweiß verwenden.
In vielen Rezepten des Königsberger Kochbuchs, insbesondere in Titeln oder als Endprodukt, bezeichnet ‚salcz‘ eine Sauce oder Würztunke, nicht nur das Würzmittel Salz. Die Zubereitung mit Eiern und Wasser bestätigt hier die Lesart als Sauce.
Ja, dieses Rezept ist ein Goldstandard für die Lagerküche. Es ist in wenigen Minuten zubereitet, erfordert nur grundlegendes Equipment (Schale, Reibe oder Messer) und die Zutaten (Knoblauch, Salz, Eier, Wasser) sind robust oder leicht zu kühlen.
Dieses Rezept stammt aus dem Königsberger Kochbuch, das im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin unter der Signatur XX. HA, Ordensbriefarchiv Nr. 18384 aufbewahrt wird. Es entstand im 15. Jahrhundert im Umfeld des Deutschen Ordens. Eine digitale Edition ist über CoReMA (Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz) verfügbar.
Dieses Rezept stammt aus dem Königsberger Kochbuch (15. Jh., Deutschordensland / Preußen). Kurzes Kochbuch-Fragment (34 Rezepte) aus dem Archiv des Deutschen Ordens, ursprünglich auf der Marienburg (Malbork), heute im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Die einzige preußisch-ostmitteldeutsch geprägte Quelle im Fyndling-Korpus - ein regionaler Kontrast zur süddeutschen und italienischen Überlieferung. Schwerpunkt auf Würzsaucen und gefärbten Begleitsaucen (eine zusammenhängende Reihe weißer, grüner, schwarzer und rotschwarzer Brathühner), Mörserspeisen, Sülzen sowie Fastenküche mit kunstvollen Imitationsgerichten (Bratwurst aus Feigen, Fisch als Sülze). Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift B6 ediert.
Im Königsberger Kochbuch bezeichnet ‚salcz‘ oft eine Sauce oder Würztunke, nicht nur das Würzmittel Salz.
Die feminine Adjektivendung ‚guette‘ passt grammatisch zur femininen Lesart ‚die Salse/Sauce‘, nicht zum neutralen ‚das Salz‘ - ein zusätzliches sprachliches Argument für die Sauce-Deutung des Titels.
Frühneuhochdeutsche Schreibweise für Knoblauch.
Wörtlich ‚Häupter schälen‘, hier im Kontext von Knoblauch als ‚Knoblauchzehen schälen‘ zu verstehen.
‚an das Weiße‘ = nach aktueller Lesart wird das Eiweiß (das Weiße der Eier) verwendet, nicht das Eigelb - passend zur ‚weißen‘ Knoblauchsauce (vgl. Agliata Bianca, mar-117). Der fast wortgleiche Zwilling bgs-032 verwendet an derselben Stelle jedoch ausdrücklich nur das Eigelb (‚on daz wisse‘ = ohne das Weiße) - eine textkritisch ernstzunehmende Gegenlesart, siehe Interpretationsentscheidungen.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
salcz
Gewählte Lesart: Sauce
Andere mögliche Lesart:
an daß weyß
Gewählte Lesart: ‚an das Weiße‘ = das Eiweiß der Eier verwenden. Das hält die Sauce hell und passt zur weißen Knoblauchsaucen-Familie (Agliata Bianca, mar-117; weiße Knoblauchsauce ant-047). Gestützt durch den koe-Binnenbeleg: ‚an‘ wird im Korpus (koe-004) zweimal eindeutig lokal/direktional verwendet, ‚ane/on‘ als Wort für ‚ohne‘ ist im koe-Bestand nicht belegt.
Andere mögliche Lesart:
Reihenfolge: Reiben vor Schälen
Gewählte Lesart: Praktisch sinnvolle Reihenfolge: Zehen zuerst schälen, dann mit Salz zu einer Paste reiben.
Andere mögliche Lesart:
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.