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Eine gute Knoblauchsauce

Kochbuch-Fragment aus dem Deutschordensarchiv (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384) · Deutschordensland / Preußen · 1470

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit10 Min.Portionen4-6 PersonenBuchKönigsberger Kochbuch (~1470)

Reibe Knoblauch mit Salz und schäle die Zehen sauber. Menge das Eiweiß von sechs Eiern darunter und ein wenig Wasser dazu - so wird es eine gute Sauce.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
kloblech Knoblauch - - -
salcz Salz - - -
vj eir ... an daß weyß Eiweiß (das Weiße der Eier) 6 - -
ein wenig wassers Wasser - Leitung -

Welches Gericht ist das? Eine rohe, kalte Knoblauch-Tafelsauce - die schlichteste, ölfreie Ausprägung der weißen Knoblauchsaucen-Familie im Korpus (vgl. Agliata Bianca mar-117, ant-047) und naher Verwandter der Knoblauch-Ei-Sauce bgs-032. Roher Knoblauch wird mit Salz zerrieben und mit Eiweiß sowie etwas Wasser zu einer hellen, leicht gebundenen Sauce vermengt - kein Öl, keine Nüsse, kein Essig, kein Garschritt.

Eiklar oder Eigelb? Der fast wortgleiche Zwilling bgs-032 folgt derselben Zutatenfolge (Knoblauch mit Salz reiben - Zehen schälen - sechs Eier dazu - Wasser dazu), verwendet an identischer Stelle aber ausdrücklich nur das Eigelb (‚on daz wisse‘ = ohne das Weiße) - dort wird die Sauce erhitzt, und Eiweiß würde dabei ausflocken. koe-024 bleibt roh, weshalb technisch sowohl Eiweiß als auch Eigelb möglich wären. Die hier gewählte Lesart ‚mit dem Eiweiß‘ stützt sich auf den koe-internen Beleg von ‚an‘ als Ortspräposition; die Gegenlesart des Zwillings bleibt aber eine ernstzunehmende Alternative (siehe Interpretationsentscheidungen).

Technik. Das Salz wirkt beim Zerreiben des Knoblauchs als Abrasivum und ersetzt dabei den Mörser (Salzkristalle zerkleinern die Zellstruktur mechanisch). Das Eiweiß bindet die Paste zu einer hellen, streichfähigen Suspension - ohne Eigelb bleibt sie weiß; das Wasser stellt nur die Konsistenz ein. Kein Garschritt: eine rohe, proteingebundene Anrühr-Sauce.

Praxis. Knoblauchzehen zuerst schälen, dann mit grobem Salz zu einer Paste zerreiben (das Salz ersetzt den Mörser, ersatzweise geht auch einer). Das Eiweiß von etwa sechs Eiern und wenig Wasser daruntermengen, bis eine helle, streichfähige Sauce entsteht. Passt zu Fisch, Geflügel oder kaltem Fleisch. Hinweis: rohes Ei - frisch verarbeiten, kühl halten, nicht für Risikogruppen; alternativ pasteurisiertes Eiweiß verwenden.

Was bedeutet ‚salcz‘ in diesem Rezept?

In vielen Rezepten des Königsberger Kochbuchs, insbesondere in Titeln oder als Endprodukt, bezeichnet ‚salcz‘ eine Sauce oder Würztunke, nicht nur das Würzmittel Salz. Die Zubereitung mit Eiern und Wasser bestätigt hier die Lesart als Sauce.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist ein Goldstandard für die Lagerküche. Es ist in wenigen Minuten zubereitet, erfordert nur grundlegendes Equipment (Schale, Reibe oder Messer) und die Zutaten (Knoblauch, Salz, Eier, Wasser) sind robust oder leicht zu kühlen.

Aus welcher Handschrift stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Königsberger Kochbuch, das im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin unter der Signatur XX. HA, Ordensbriefarchiv Nr. 18384 aufbewahrt wird. Es entstand im 15. Jahrhundert im Umfeld des Deutschen Ordens. Eine digitale Edition ist über CoReMA (Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz) verfügbar.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Königsberger Kochbuch (15. Jh., Deutschordensland / Preußen). Kurzes Kochbuch-Fragment (34 Rezepte) aus dem Archiv des Deutschen Ordens, ursprünglich auf der Marienburg (Malbork), heute im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Die einzige preußisch-ostmitteldeutsch geprägte Quelle im Fyndling-Korpus - ein regionaler Kontrast zur süddeutschen und italienischen Überlieferung. Schwerpunkt auf Würzsaucen und gefärbten Begleitsaucen (eine zusammenhängende Reihe weißer, grüner, schwarzer und rotschwarzer Brathühner), Mörserspeisen, Sülzen sowie Fastenküche mit kunstvollen Imitationsgerichten (Bratwurst aus Feigen, Fisch als Sülze). Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift B6 ediert.

Ein guette salcz Reybe kloblech auch mitt salcz die heubptt schoelle schone vnd menge vj eir dar vndrer an daß weyß vnd ein wenig wassers darzu so wirtt es ein guette salcz
salcz

Im Königsberger Kochbuch bezeichnet ‚salcz‘ oft eine Sauce oder Würztunke, nicht nur das Würzmittel Salz.

Ein guette salcz

Die feminine Adjektivendung ‚guette‘ passt grammatisch zur femininen Lesart ‚die Salse/Sauce‘, nicht zum neutralen ‚das Salz‘ - ein zusätzliches sprachliches Argument für die Sauce-Deutung des Titels.

kloblech

Frühneuhochdeutsche Schreibweise für Knoblauch.

heubptt schoelle

Wörtlich ‚Häupter schälen‘, hier im Kontext von Knoblauch als ‚Knoblauchzehen schälen‘ zu verstehen.

an daß weyß

‚an das Weiße‘ = nach aktueller Lesart wird das Eiweiß (das Weiße der Eier) verwendet, nicht das Eigelb - passend zur ‚weißen‘ Knoblauchsauce (vgl. Agliata Bianca, mar-117). Der fast wortgleiche Zwilling bgs-032 verwendet an derselben Stelle jedoch ausdrücklich nur das Eigelb (‚on daz wisse‘ = ohne das Weiße) - eine textkritisch ernstzunehmende Gegenlesart, siehe Interpretationsentscheidungen.

Handschrift
Kochbuch-Fragment aus dem Deutschordensarchiv (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384)
Folio
Fol. 011v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch mit ostmitteldeutschen Merkmalen, 15. Jh.)
Entstehung
Deutschordensland / Preußen, 1470
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartsalcz

Gewählte Lesart: Sauce

Andere mögliche Lesart:

  • Salz (als Zutat) - Obwohl ‚salcz‘ auch Salz als Würzmittel bedeuten kann, deutet die Formulierung ‚Ein guette salcz‘ im Titel und die Zubereitung mit Eiern und Wasser auf eine Sauce hin, wie es in dieser Quelle häufig der Fall ist.

Lesartan daß weyß

Gewählte Lesart: ‚an das Weiße‘ = das Eiweiß der Eier verwenden. Das hält die Sauce hell und passt zur weißen Knoblauchsaucen-Familie (Agliata Bianca, mar-117; weiße Knoblauchsauce ant-047). Gestützt durch den koe-Binnenbeleg: ‚an‘ wird im Korpus (koe-004) zweimal eindeutig lokal/direktional verwendet, ‚ane/on‘ als Wort für ‚ohne‘ ist im koe-Bestand nicht belegt.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚ohne das Weiße‘ (nur Eigelb) - analog zum fast wortgleichen Zwilling bgs-032, der an identischer Stelle ausdrücklich ‚on daz wisse‘ (= ohne das Weiße) schreibt. - ‚an‘ und ‚ane/on‘ (mhd. âne = ohne) sind orthographisch nahe Homographen. Da koe-024 (anders als bgs-032) roh bleibt, ist technisch sowohl Eiweiß als auch Eigelb möglich - die Gegenlesart bleibt daher ernstzunehmend, auch wenn die koe-interne Beleglage die aktuelle Lesart stützt.

LesartReihenfolge: Reiben vor Schälen

Gewählte Lesart: Praktisch sinnvolle Reihenfolge: Zehen zuerst schälen, dann mit Salz zu einer Paste reiben.

Andere mögliche Lesart:

  • Wörtliche Satzfolge des Transkripts: erst reiben (‚Reybe kloblech ... mitt salcz‘), erst danach schälen (‚die heubptt schoelle schone‘). - Fnhd-Aufzählungssyntax muss keine strikte Chronologie abbilden; es bleibt unklar, ob wirklich eine Umkehr-Reihenfolge gemeint war. Die küchenpraktisch sinnvolle Reihenfolge (Schälen vor Reiben) wird daher als Praxis-Empfehlung übernommen, ohne die wörtliche Satzfolge als sichere Chronologie zu behaupten.

Originalwerk (~1470) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 011v, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin, XX. HA, OBA, Nr. 18384 (15. Jh.); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. B6 (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Goldstandard: roh in einer Schale (oder im Mörser) angerührt, kein Garschritt - in wenigen Minuten fertig. Einziger Hinweis: rohes Ei und roher Knoblauch wollen frisch verarbeitet und kühl gehalten werden.
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