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Knoblauchsauce zu Speisen

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit10 Min.Portionen2-4 PersonenBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Nimm Knoblauch. Reibe Mandelkerne und Semmelbrösel dazu. Dies ist eine gute Sauce, die du zu Speisen essen kannst.

Hinweis zur Zubereitung: Der FNHD-Text ist sehr knapp gehalten und nennt keine Flüssigkeit - die ergäbe sich aber automatisch beim Reiben/Stoßen im Mörser. Vergleichbare Knoblauchsaucen im Korpus verwenden: Wasser (mar-117 Agliata Bianca, identische Zutaten + Wasser), Verjus (men-274), Essig (mar-118, bgs-032) oder Brühe (boc-073). Eine plausible Ergänzung wären 2-4 Esslöffel Wasser oder Verjus, mit etwas Salz nach Geschmack.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
knofflach Knoblauch - Praktische Mengen-Empfehlung: 2-4 Knoblauchzehen für die angegebene Portion. Aus quellenübergreifende Familie: in mar-117 wird die Menge "die dir angemessen erscheint" beschrieben.
mandel keren Mandelkerne - -
semel Semmelbrösel - Aus quellenübergreifende Familie (mar-117, men-274, mar-118): altbackenes Weißbrot wird oft in Flüssigkeit eingeweicht bevor es zerstoßen wird. Plus Flüssigkeit fehlt im Original - 2-4 EL Wasser, Verjus oder Essig ergänzen.
Aus Knoblauch, Mandeln und Bröseln wird doch keine Sauce - was fehlt?

Stimmt - eine Flüssigkeit fehlt im Originaltext. Das ist typisch für mediävale Skelett-Rezepte, die das Grundprinzip einer Knoblauchsauce als bekannt voraussetzen. Aus der reichen quellenübergreifende Knoblauchsaucen-Familie kennen wir die plausiblen Ergänzungen: mar-117 (Agliata Bianca) verwendet bei identischen Zutaten (Mandeln+Knoblauch+Brot) zusätzlich Wasser; men-274 nutzt Verjus; mar-118 und bgs-032 nutzen Essig; boc-073 nutzt Brühe. Praktischer Modus: 2-4 EL Wasser oder Verjus zur Mandel-Knoblauch-Paste geben, mit Salz abschmecken. Die genaue Wahl ist Geschmackssache - alle sind historisch belegt.

Wie bereite ich den Knoblauch vor?

Das Rezept lässt die Zubereitung des Knoblauchs offen. Du kannst ihn fein hacken, pressen oder reiben, je nach gewünschter Konsistenz und Schärfe.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses einfache Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Es benötigt nur wenige Zutaten und kann schnell mit einem Messer oder Mörser zubereitet werden. Keine Kühlung erforderlich.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Kochbuch des Meisters Hans‘, das um 1460 in frühneuhochdeutscher Sprache verfasst wurde. Es spiegelt die bürgerliche Küche des süddeutschen Raumes wider.

Was bedeutet ‚gemuess‘ in diesem Rezept?

Im Mittelalter war ‚gemuess‘ ein weiter gefasster Begriff als heute. Er konnte ‚Gemüse‘ meinen, aber auch allgemein ‚Speise‘, ‚Gericht‘ oder speziell eine mus- beziehungsweise breiartige Beilage - letztere Lesart legt eine kuratierte Zusatzquelle zu diesem Rezept nahe. In diesem Kontext ist die Knoblauchsauce als Begleiter zu einer solchen Beilage gedacht.

Ain salsen von knofflach zue Item salsen von knofflach gemuess also zue gemuess Nym vnd reib mandel keren vnd semel zue dem knofflach das ist guot ze essen zue dem gemusz
gemuess

Im Frühneuhochdeutschen konnte ‚gemuess‘ sowohl ‚Gemüse‘ als auch allgemein ‚Speise‘ oder ‚Gericht‘ bedeuten. Die CoReMA-Objektseite zu diesem Rezept verknüpft den Begriff hier zusätzlich mit dem Wikidata-Konzept ‚Mus/Brei‘ (puree) - der Schreiber rahmt das Wort im Text sogar doppelt (‚zue gemuess also‘ am Anfang, ‚zue dem gemusz‘ am Ende). Naheliegend ist daher, dass hier speziell eine mus- beziehungsweise breiartige Beilage gemeint ist, zu der die Sauce gereicht wird - nicht zwingend Gemüse im engeren Sinn.

semel

Hier sind Semmelbrösel gemeint, die zum Binden und Andicken der Sauce dienen.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 055r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartfehlende Flüssigkeit (Skelett-Rezept)

Gewählte Lesart: Das Rezept nennt explizit nur Knoblauch + Mandelkerne + Semmelbrösel und keine Flüssigkeit. Drei trockene Zutaten ergeben aber keine Sauce - eine flüssige Komponente fehlt. Das ist typisch für mittelalterliche "Skelett-Rezepte", die viel Vorwissen voraussetzen und die Grundlagen nicht wiederholen. Plausible Ergänzungen aus der quellenübergreifende Knoblauchsaucen-Familie: Wasser (mar-117 "Agliata Bianca" - identische Zutaten + Wasser zur Mörser-Befeuchtung), Verjus (men-274 "Weiße/grüne Knoblauchsauce"), Essig (mar-118 "Lila Knoblauchsauce"), oder Brühe (boc-073 "Knoblauchsuppe"). Praktischer Modus: 2-4 EL Wasser oder Verjus, mit Salz nach Geschmack.

Lesartgemuess

Gewählte Lesart: Der Begriff ‚gemuess‘ wird hier im Sinne von ‚Gericht‘ oder ‚Speise‘ verwendet, zu der die Sauce gereicht wird. Der Schreiber rahmt das Wort doppelt (‚zue gemuess also‘ am Anfang, ‚zue dem gemusz‘ am Ende) - ein mögliches bewusstes Stilmittel.

Andere mögliche Lesart:

  • Die CoReMA-Objektseite zu diesem Rezept verlinkt den Begriff mit dem Wikidata-Konzept ‚Mus/Brei‘ (puree). Denkbar ist daher auch eine engere Lesart: eine mus- oder breiartige Beilage, zu der die Sauce serviert wird, statt eines allgemeinen Sammelbegriffs für ‚Speise‘. - Die kuratierte Zusatzquelle stützt eine speziellere Bedeutung als die reine TEI-Paläographie, ist aber bislang nur einfach belegt und noch nicht durch einen zweiten Wörterbucheintrag gegengeprüft.

Lesartsemel

Gewählte Lesart: Mit ‚semel‘ sind hier Semmelbrösel gemeint, die zum Binden und Andicken der Sauce dienen.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 055r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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