Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Nimm Knoblauch. Reibe Mandelkerne und Semmelbrösel dazu. Dies ist eine gute Sauce, die du zu Speisen essen kannst.
Hinweis zur Zubereitung: Der FNHD-Text ist sehr knapp gehalten und nennt keine Flüssigkeit - die ergäbe sich aber automatisch beim Reiben/Stoßen im Mörser. Vergleichbare Knoblauchsaucen im Korpus verwenden: Wasser (mar-117 Agliata Bianca, identische Zutaten + Wasser), Verjus (men-274), Essig (mar-118, bgs-032) oder Brühe (boc-073). Eine plausible Ergänzung wären 2-4 Esslöffel Wasser oder Verjus, mit etwas Salz nach Geschmack.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| knofflach | Knoblauch | - | Praktische Mengen-Empfehlung: 2-4 Knoblauchzehen für die angegebene Portion. Aus quellenübergreifende Familie: in mar-117 wird die Menge "die dir angemessen erscheint" beschrieben. |
| mandel keren | Mandelkerne | - | - |
| semel | Semmelbrösel | - | Aus quellenübergreifende Familie (mar-117, men-274, mar-118): altbackenes Weißbrot wird oft in Flüssigkeit eingeweicht bevor es zerstoßen wird. Plus Flüssigkeit fehlt im Original - 2-4 EL Wasser, Verjus oder Essig ergänzen. |
Stimmt - eine Flüssigkeit fehlt im Originaltext. Das ist typisch für mediävale Skelett-Rezepte, die das Grundprinzip einer Knoblauchsauce als bekannt voraussetzen. Aus der reichen quellenübergreifende Knoblauchsaucen-Familie kennen wir die plausiblen Ergänzungen: mar-117 (Agliata Bianca) verwendet bei identischen Zutaten (Mandeln+Knoblauch+Brot) zusätzlich Wasser; men-274 nutzt Verjus; mar-118 und bgs-032 nutzen Essig; boc-073 nutzt Brühe. Praktischer Modus: 2-4 EL Wasser oder Verjus zur Mandel-Knoblauch-Paste geben, mit Salz abschmecken. Die genaue Wahl ist Geschmackssache - alle sind historisch belegt.
Das Rezept lässt die Zubereitung des Knoblauchs offen. Du kannst ihn fein hacken, pressen oder reiben, je nach gewünschter Konsistenz und Schärfe.
Ja, dieses einfache Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Es benötigt nur wenige Zutaten und kann schnell mit einem Messer oder Mörser zubereitet werden. Keine Kühlung erforderlich.
Dieses Rezept stammt aus dem ‚Kochbuch des Meisters Hans‘, das um 1460 in frühneuhochdeutscher Sprache verfasst wurde. Es spiegelt die bürgerliche Küche des süddeutschen Raumes wider.
Im Mittelalter war ‚gemuess‘ ein weiter gefasster Begriff als heute. Er konnte ‚Gemüse‘ meinen, aber auch allgemein ‚Speise‘, ‚Gericht‘ oder speziell eine mus- beziehungsweise breiartige Beilage - letztere Lesart legt eine kuratierte Zusatzquelle zu diesem Rezept nahe. In diesem Kontext ist die Knoblauchsauce als Begleiter zu einer solchen Beilage gedacht.
Im Frühneuhochdeutschen konnte ‚gemuess‘ sowohl ‚Gemüse‘ als auch allgemein ‚Speise‘ oder ‚Gericht‘ bedeuten. Die CoReMA-Objektseite zu diesem Rezept verknüpft den Begriff hier zusätzlich mit dem Wikidata-Konzept ‚Mus/Brei‘ (puree) - der Schreiber rahmt das Wort im Text sogar doppelt (‚zue gemuess also‘ am Anfang, ‚zue dem gemusz‘ am Ende). Naheliegend ist daher, dass hier speziell eine mus- beziehungsweise breiartige Beilage gemeint ist, zu der die Sauce gereicht wird - nicht zwingend Gemüse im engeren Sinn.
Hier sind Semmelbrösel gemeint, die zum Binden und Andicken der Sauce dienen.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
fehlende Flüssigkeit (Skelett-Rezept)
Gewählte Lesart: Das Rezept nennt explizit nur Knoblauch + Mandelkerne + Semmelbrösel und keine Flüssigkeit. Drei trockene Zutaten ergeben aber keine Sauce - eine flüssige Komponente fehlt. Das ist typisch für mittelalterliche "Skelett-Rezepte", die viel Vorwissen voraussetzen und die Grundlagen nicht wiederholen. Plausible Ergänzungen aus der quellenübergreifende Knoblauchsaucen-Familie: Wasser (mar-117 "Agliata Bianca" - identische Zutaten + Wasser zur Mörser-Befeuchtung), Verjus (men-274 "Weiße/grüne Knoblauchsauce"), Essig (mar-118 "Lila Knoblauchsauce"), oder Brühe (boc-073 "Knoblauchsuppe"). Praktischer Modus: 2-4 EL Wasser oder Verjus, mit Salz nach Geschmack.
gemuess
Gewählte Lesart: Der Begriff ‚gemuess‘ wird hier im Sinne von ‚Gericht‘ oder ‚Speise‘ verwendet, zu der die Sauce gereicht wird. Der Schreiber rahmt das Wort doppelt (‚zue gemuess also‘ am Anfang, ‚zue dem gemusz‘ am Ende) - ein mögliches bewusstes Stilmittel.
Andere mögliche Lesart:
Gewählte Lesart: Mit ‚semel‘ sind hier Semmelbrösel gemeint, die zum Binden und Andicken der Sauce dienen.
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