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Pfeffer-Knoblauch-Sauce für Fisch

Kogebog / Libellus de arte coquinaria · Dänemark · 1300

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10FischFastenspeiseHöfische KücheHofküche
Zubereitungszeit5 Min.Portionen4-6 PersonenBuchKogebog (Harpestreng-Handschrift NKS 66) (~1300)

Nimm Pfeffer und Knoblauch zu gleichen Teilen. Zerstoße sie gründlich mit Essig und Salz. Diese Sauce passt hervorragend zu gebratenen Aalen und Neunaugen.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Pipær Pfeffer - -
kloflek Knoblauch - -
ædikæ Essig - -
salt Salz - -
alnæ Aal Fischhändler (Wildaal ist streng reguliert: CITES Anhang II, IUCN 'Critically Endangered'; Zuchtaal aus nachhaltiger Aquakultur ist normal erhältlich und die empfohlene Wahl) Welsfilet, Räuchermakrele
næghær øghen Neunaugen ⚠ Neunaugen stehen in Deutschland und der EU unter strengem Artenschutz (FFH-Richtlinie Anhang II) und dürfen nicht gefangen oder gehandelt werden. Welsfilet, Räucherforelle

Welches Gericht ist das? Eine scharfe kalte Stoßsauce aus Pfeffer und Knoblauch zu gleichen Teilen, mit Essig und Salz im Mörser zu einer Paste verarbeitet - eine nordische Schwester der italienischen agliata (Knoblauchsauce, vgl. mar-118) und der scharfen Fischsaucen der Forme of Cury (foc-101 'Meeraal in scharfer Sauce'). Der lateinische Titel De salso ualente ad quosdam pisciculos nennt den Zweck: eine kräftige Sauce zu bestimmten (fetten, kräftigen) Fischen.

Kloflek / klofløk - wörtlich "Knoblauchzehe" (zu klof = Zehe/Klaue); im Rezept ist aber die Zutat Knoblauch gemeint, der zu gleichen Teilen mit Pfeffer gestoßen wird.

Malæ mæth ædikæ - "mit Essig mahlen/stoßen": malæ heißt zwar 'mahlen', meint hier aber das Zerstoßen im Mörser, weil Flüssigkeit (Essig) dabei ist und das Ergebnis eine Paste sein soll.

Stect alnæ oc næghær øghen - die Sauce wird ausdrücklich zu gebratenem Aal und Neunaugen empfohlen, also zu fetten, kräftigen Fischen, deren Reichtum die scharf-saure Sauce schneidet. Beide gelten heute als gefährdet - Aal ist als Wildfang streng reguliert (Zuchtaal ist aber normal im Fischhandel erhältlich), Neunaugen stehen unter striktem Artenschutz (siehe Hinweis bei den Zutaten); historisch waren sie geschätzte Fastenfische.

Praxis. Schwarzen Pfeffer und geschälte Knoblauchzehen zu gleichem Volumen im Mörser mit etwas Salz zerstoßen, mit Essig zu einer streichfähigen Paste verarbeiten. Zu Zuchtaal vom Fischhändler oder - wer auf Neunaugen und Aal ganz verzichten möchte - zu einem kräftigen Fettfisch reichen: gebratenes Makrelen-, Wels- oder Forellenfilet (geräuchert oder frisch) trägt die scharfe Sauce ebenfalls gut.

Wo bekomme ich Aal und Neunaugen?

Wildaal ist eine stark gefährdete Art (CITES Anhang II) und der Fang unterliegt strengen EU-Quoten; Zuchtaal aus nachhaltiger Aquakultur ist beim Fischhändler aber ganz normal erhältlich und die empfohlene Bezugsquelle. Neunaugen stehen in Deutschland und der EU unter strengem Artenschutz und dürfen nicht gefangen oder gehandelt werden. Wer auf diese Fische verzichten möchte, kann zusätzlich auf Welsfilet, Räuchermakrele oder Räucherforelle ausweichen, die eine ähnliche fleischige Textur und einen kräftigen Geschmack haben.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind haltbar und die Zubereitung erfordert kein Kochen, lediglich das Zerstoßen der Gewürze. Die Sauce kann auch problemlos zu Hause vorbereitet und mitgebracht werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus der Harpestreng-Handschrift NKS 66, 8vo, die um 1300 in Dänemark verfasst wurde und in der Königlichen Bibliothek Kopenhagen aufbewahrt wird. Es gilt als das älteste erhaltene Kochbuch Nordeuropas.

Was bedeutet der lateinische Rezepttitel?

Der lateinische Titel 'De salso ualente ad quosdam pisciculos' bedeutet übersetzt 'Über eine wirksame Sauce für bestimmte kleine Fische'. Er gibt den Zweck des Rezepts klar an.

Was ist ein 'Mörser', brauche ich einen Mörser und Stößel?

Im mittelalterlichen Kochkontext ist mit 'Mörser' oft ein großer Fleischmörser gemeint, der zum Zerstoßen von Fleisch, Fisch oder auch Gewürzen zu einer feinen Paste verwendet wurde. Für dieses Rezept reicht ein kleinerer Gewürzmörser aus, um Pfeffer und Knoblauch zu zerstoßen. Alternativ kannst du die Zutaten auch sehr fein hacken und mit Essig und Salz vermischen.

De salso ualente ad quosdam pisciculos Pipær oc kloflek skal man takæ iæfnæ oc malæ mæth ædikæ oc salt. Thænnæ salsæ ær goth til stect alnæ oc næghær øghen.
kloflek

Wörtlich 'Knoblauchzehe' (zu klof = Zehe/Klaue); gemeint ist die Zutat Knoblauch.

iæfnæ

Zu gleichen Teilen - Pfeffer und Knoblauch im gleichen Verhältnis.

malæ

Mahlen/zerstoßen; mit Essig im Mörser zu einer Paste, nicht trockenes Mahlen.

alnæ

Aal; Wildfang heute streng reguliert (CITES II), Zuchtaal aber normal im Fischhandel erhältlich.

næghær øghen

Neunaugen (wörtlich 'Neunaugen', zu den neun Kiemenöffnungen); heute FFH-geschützt.

Handschrift
Kogebog / Libellus de arte coquinaria
Folio
Fol. 143v
Sprache
Altdänisch (ca. 1300)
Entstehung
Dänemark, 1300

Originalwerk (~1300) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 143v, Det Kongelige Bibliotek Kopenhagen, NKS 66, 8vo (ca. 1300), Public Domain
Transkription
Tekstnet.dk / DSL - Diplomatische Transkription nach NKS 66, 8vo. Ed. Jonathan Adams & Ebba Hjorth (2006) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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