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Frische Kräutersauce mit Zimt

Kogebog / Libellus de arte coquinaria · Dänemark · 1300

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit20 Min.PortionenFür 4-6 Portionen als BeilageBuchKogebog (Harpestreng-Handschrift NKS 66) (~1300)

Nimm Minze, Petersilie, Zimt und Pfeffer, alles zu gleichen Teilen. Mahle diese Zutaten zusammen mit Essig zu einer feinen Paste. Diese Sauce ist drei Tage lang haltbar.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
mintæ Minze - -
pætærsili Petersilie - -
kaniæl Zimt Supermarkt -
pipær Pfeffer - -
ædikæ Essig - -

Welches Gericht ist das? Eine rohe, im Mörser gestoßene Kräuter-Essig-Paste - der direkte Vorfahr der italienischen Salsa verde und der französischen Kräutersaucen, hier in einer ungewöhnlich frühen nordischen Fassung. Anders als die meisten Verwandten dieser Familie kommt sie ohne eingeweichtes Brot aus: Minze und Petersilie liefern Körper und Frische, Zimt und Pfeffer die Würze, der Essig macht sie scharf und haltbar. Eng verwandt mit den grünen Kräutersaucen aus dem Form of Cury (foc-136) und von Martino (mar-105) sowie der bürgerlichen Kräutersauce aus dem Bockenheimer Registrum (boc-076).

Die Zimt-Note. Auffällig ist der kaniæl (Zimt) in einer grünen Kräutersauce - in der mediterranen salsa-verde-Tradition dominieren Knoblauch und Salz, Zimt fehlt dort. Die Kombination aus frischen Kräutern und einem warmen Süßgewürz ist typisch für die nordeuropäische Würzlogik des Hochmittelalters und gibt der Sauce einen weicheren, runderen Charakter.

Die drei Tage. Schon der lateinische Titel benennt die Haltbarkeit: De salso ualente ad tres dies - „über eine Sauce, die drei Tage taugt". Der Essig ist hier nicht nur Geschmack, sondern Konservierungsmittel; frische Kräuter in Säure halten sich begrenzt, und die Quelle ist erfreulich ehrlich, dass nach drei Tagen Schluss ist.

Praxis. Gleiche Mengen nach Volumen nehmen: je eine kleine Handvoll Minze und Petersilie (Blätter, grobe Stiele entfernt), dazu je etwa einen Teelöffel gemahlenen Zimt und frisch gemahlenen Pfeffer. Alles mit Mörser und Stößel - oder einem kleinen Mixer - mit so viel Essig (Weißwein- oder milder Apfelessig) zu einer feinen Paste verarbeiten, dass sie gerade streichfähig wird. Kalt zu gegrilltem Fisch, kaltem Braten oder Brot. Gekühlt hält sie die versprochenen drei Tage.

Aus welcher Handschrift stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus der Harpestreng-Handschrift NKS 66, 8vo, die um 1300 in Dänemark entstand und in der Königlichen Bibliothek Kopenhagen aufbewahrt wird. Sie gilt als eine der ältesten nordeuropäischen Kochbuchquellen.

Was bedeutet der lateinische Rezepttitel?

Der lateinische Titel „De salso ualente ad tres dies et non amplius“ bedeutet übersetzt „Über eine Sauce, die drei Tage lang haltbar ist und nicht länger“.

Was bedeutet 'alles gleich' bei den Zutaten?

Die Angabe 'alles gleich' (allæ iæuæn) ist typisch für mittelalterliche Rezepte und bedeutet, dass die Zutaten in etwa gleichen Mengen verwendet werden sollen. Am praktischsten ist es, gleiche Teile nach Volumen zu nehmen, zum Beispiel eine Handvoll frischer Kräuter und je einen Teelöffel der gemahlenen Gewürze.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind unkompliziert zu transportieren und zu lagern. Die Zubereitung erfordert lediglich einen Mörser und Stößel und ist schnell erledigt. Die Sauce kann bei Raumtemperatur serviert werden.

Was ist ein 'Mörser' - brauche ich einen Mörser und Stößel?

Im mittelalterlichen Kochkontext ist mit 'Mörser' oft ein großer Fleischmörser gemeint, der zum Zerstoßen von Fleisch, Nüssen oder Kräutern zu einer feinen Paste verwendet wurde. Für dieses Rezept benötigst du einen Mörser und Stößel, um die Kräuter und Gewürze mit Essig zu einer Paste zu verarbeiten. Ein kleinerer Gewürzmörser ist ausreichend, wenn du die Kräuter vorher fein hackst. Alternativ kannst du auch einen modernen Mixer oder Food Processor verwenden, um eine glatte Paste zu erhalten.

De salso ualente ad tres dies et non amplius. Man skal takæ mintæ oc pætærsili oc kaniæl. oc pipær allæ iæuæn. oc malæ them mæth ædikæ allæ sam mæn. Thænnæ salsæ ær thre dagh goth.
De salso ualente ad tres dies et non amplius

Lateinischer Titel: „Über eine Sauce, die drei Tage taugt und nicht länger". Der Rezepttext selbst steht auf Altdänisch.

kaniæl

Zimt (lat. canella). In einer grünen Kräutersauce ungewöhnlich - die mediterrane Salsa-verde-Linie kennt diese Süßgewürz-Note nicht.

allæ iæuæn

„alle gleich" - alle Zutaten zu gleichen Teilen, gängige mittelalterliche Mengenangabe (am praktischsten gleiche Teile nach Volumen).

malæ

mahlen, zerstoßen - hier im Mörser zu einer Paste verarbeiten.

Handschrift
Kogebog / Libellus de arte coquinaria
Folio
Fol. 143v
Sprache
Altdänisch (ca. 1300)
Entstehung
Dänemark, 1300

Originalwerk (~1300) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 143v, Det Kongelige Bibliotek Kopenhagen, NKS 66, 8vo (ca. 1300), Public Domain
Transkription
Tekstnet.dk / DSL - Diplomatische Transkription nach NKS 66, 8vo. Ed. Jonathan Adams & Ebba Hjorth (2006) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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