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Kräutersauce mit Essig

Augsburg, Universitätsbibliothek, Cod. III.1.2°43 (CoReMA A1) · Bayern (Landshut) · 1450

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9.2/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit10 Min.Portionen2-4 Personen (als Beilage)BuchKochbuch Meister Eberhards (~1450)

Ferner, eine andere Sauce: Nimm Salbei, Petersilie, Minze und Pfeffer. Diese sollst du mit Essig zerstoßen. Das ist eine Sauce, die das Essen angenehm macht.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Saluia Salbei - -
petrocilius Petersilie - -
menta Minze - -
pfefferr Pfeffer - -
essig Essig - -

Welches Gericht ist das? Die schlankeste Variante der mittelalterlichen grünen Kräutersauce: Salbei, Petersilie und Minze werden roh mit Pfeffer und Essig im Mörser zu einer kalten Würztunke zerstoßen - ohne Brotbindung, ohne Wein, ohne Safran. Sie steht am puristischen Ende einer korpusweiten Familie: die enge Verwandtschaft mit Frische Kräutersauce mit Zimt (nahezu identisch, nur Zimt statt Salbei), den brotgebundenen Ausbaustufen Grüne Kräutersauce und Kräutersauce für Edelleute sowie der getrockneten Vorrats-Fassung Mittelalterliches Instant-Soßenpulver zeigt dieselbe Grundachse Salbei-Petersilie-Minze-Pfeffer-Essig.

Die Handschrift markiert zustossenn mit einem Fragezeichen. Gemeint ist eindeutig das Zerstoßen im Mörser - die ganze Saucenfamilie verfährt so (grynde it smal, trita insimul, malæ mæth ædikæ, im eigenen Korpus stoß in einem moerserr). Kein Kochschritt: die Sauce bleibt roh und kalt.

Praxis. Frische Kräuter grob zupfen und mit dem Pfeffer im Mörser anstoßen (zu Hause tut es auch ein Blender), dann den Essig nach gewünschter Konsistenz angießen - von dicker Paste bis spritziger Tunke. Mengenanker liefert der Zwilling hkb-013 ("zu gleichen Teilen"): die drei Kräuter etwa gleich, Pfeffer sparsam, Essig nach Geschmack. Kalt servieren als säuerlich-würziger Appetitanreger zu Braten und Fisch. Frisch zubereiten - die Paste dunkelt nach und schmeckt angesetzt nur zwei bis drei Tage frisch.

Wozu dient diese Sauce?

Diese einfache, frische Kräutersauce dient dazu, das Essen appetitlicher und schmackhafter zu machen. Sie ist eine klassische Begleitung zu Fleisch oder Fisch.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja. Die Zutaten - Pfeffer und Essig - sind robust und brauchen keine Kühlung, und im Mörser ist die Sauce in wenigen Minuten fertig. Wichtig: die fertig angesetzte Frischkräuter-Paste dunkelt nach und hält nur zwei bis drei Tage. Darum die Kräuter frisch mitführen und die Sauce erst kurz vor dem Servieren zerstoßen, statt sie lange vorzuhalten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Kochbuch Meister Eberhards', das um 1450 am Hof Herzog Heinrichs von Bayern-Landshut entstand. Es ist in Frühneuhochdeutsch (bairischer Dialekt) verfasst und Teil einer Sammlung von Kochrezepten.

Was bedeutet ‚zustossenn' im Rezept?

‚Zustossenn' bedeutet ‚zerstoßen' oder ‚zerstampfen', typischerweise in einem Mörser. Die Zutaten werden dabei zerkleinert und vermischt, um ihre Aromen freizusetzen. Für die Zubereitung zu Hause genügt auch ein Blender oder eine Küchenmaschine.

Item Ein andre salsenn Saluia petrocilius menta vnd pfefferr das soll man zustossenn mit essig das ist ein salsen die macht lustig zu essenn
salsenn / salsen

Im Kontext dieses Rezepts bezeichnet ‚Salse' eine würzige Tunke oder Sauce, nicht Speisesalz.

lustig zu essenn

Bedeutet hier ‚appetitlich' oder ‚angenehm zu essen', im Sinne von anregend und schmackhaft.

Handschrift
Augsburg, Universitätsbibliothek, Cod. III.1.2°43 (CoReMA A1)
Folio
Fol. 059r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch, 15. Jh.)
Entstehung
Bayern (Landshut), 1450

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartzustossenn

Gewählte Lesart: zerstoßen. Das Verb ‚zustossen' bedeutet im Frühneuhochdeutschen ‚zerstampfen' oder ‚zerreiben', typischerweise in einem Mörser.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 059r, Augsburg, Universitätsbibliothek, Cod. III.1.2°43; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. A1 (Augsburg, Universitätsbibliothek, Cod. III.1.2°43), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Im Mörser in Minuten zubereitet; die Trocken- und Lagerzutaten (Pfeffer, Essig) brauchen keine Kühlung. Die fertig angesetzte Frischkräuter-Paste hält jedoch nur kurz - der Zwilling hkb-013 nennt drei Tage. Robuste Zutaten mitführen, die Sauce aber zeitnah frisch zerstoßen statt lange vorhalten.
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