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Kräutersauce für Edelleute

Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10BauernkücheBauernkücheHöfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit25 Min.Portionen4-6 PersonenBuchRegistrum Coquine (~1433)

Nimm Petersilie, Majoran, Raute, Minze und Salbei zusammen mit dreieckigen Brotstücken. Zerstoße all dies gemeinsam und passiere es durch ein Siebtuch.

Dann vermenge es mit etwas Wein und Essig. Gib Ingwer und Safran hinzu. Diese Sauce wird gut sein für Bürger, Bauern und Edelleute.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
petrosillum Petersilie - - -
maioranam Majoran - - -
rutam Raute - Wochenmarkt, Gärtnerei Etwas Rosmarin oder Salbei für eine herbe Note, da Raute in größeren Mengen giftig sein kann und heute selten verwendet wird.
mentam Minze - - -
saluiam Salbei - - -
triangulis Dreieckige Brotstücke - - Geröstetes Weißbrot oder Zwieback
uino Wein - - -
aceto Essig - - -
zinziber Ingwer - - -
croco Safran - Supermarkt, Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das? Eine kalte, brotgebundene Grüne Kräutersauce - die mittelalterliche Verwandte des italienischen salsa verde und der grünen Frankfurter Würzsaucen. Im Korpus steht sie in einer ganzen Familie roher, mit Wein und Essig abgeschmeckter Kräuterpasten (foc-136, kkm-101, hkb-013).

Brot als Bindung. Die triangulis (dreieckig geschnittene Brotstücke) werden mit den Kräutern im Mörser zerstoßen - das eingeweichte Brot bindet die Sauce und gibt ihr Körper, ohne sie kochen zu müssen. Geröstetes Weißbrot oder Zwieback funktioniert ebenso; die Form ist nur eine Zuschnitt-Angabe, kein eigener Geschmacksträger.

Raute mit Bedacht. Die rutam (Weinraute) gibt eine herb-bittere, fast medizinische Note. Sie ist in größeren Mengen unverträglich, darum sehr sparsam dosieren - ein, zwei kleine Blätter genügen. Wer sie meidet, gleicht die herbe Kante mit etwas mehr Salbei aus.

Safran färbt, nicht Beize. Der crocus (Safran) gibt der grünen Paste eine goldgelbe Tönung und das typische höfische Aroma - kein roter, kein künstlicher Farbstoff, allein Safran.

Praxis. Petersilie, Majoran, Minze, Salbei und ein wenig Raute mit eingeweichtem Weißbrot im Mörser (oder kurz im Mixer) zu einer dichten Paste stoßen, durch ein Sieb oder Tuch streichen. Mit etwas Wein und Essig auf Saucenkonsistenz verdünnen, mit Ingwer und einer Prise Safran abschmecken. Kalt zu Gebratenem, Fisch oder Brot servieren. Frisch zubereiten, da rohe Kräutersaucen schnell nachdunkeln.

Was sind 'Triangulis' in diesem Rezept?

‚Triangulis‘ sind dreieckige Brotstücke, die in mittelalterlichen Rezepten oft als Bindemittel verwendet wurden, um Saucen zu verdicken und ihnen eine angenehme Textur zu verleihen. Du kannst dafür geröstetes Weißbrot oder Zwieback verwenden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Kräuter, Brotstücke, Wein, Essig und Gewürze sind alle gut lagerfähig. Das Zerkleinern der Zutaten kann mit einem Mörser oder einer Reibe erfolgen, und das Passieren durch ein Tuch ist ebenfalls ohne moderne Hilfsmittel möglich.

Was bedeutet 'per stamigneam mitte'?

‚Per stamigneam mitte‘ bedeutet, die zerkleinerten Zutaten durch ein Siebtuch oder ein feines Sieb zu passieren. Dies dient dazu, eine glatte und feine Sauce ohne grobe Stücke zu erhalten, was in der gehobenen mittelalterlichen Küche oft angestrebt wurde.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Registrum Coquine (~1431-1435, Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz). Das älteste erhaltene Kochbuch eines namentlich bekannten päpstlichen Küchenmeisters. Johannes von Bockenheim kochte ab 1417 für Papst Martin V.; sein Registrum (~1431-1435) verzeichnet 80 Rezepte mit Angaben, für welche Nationalitäten oder Stände sie geeignet sind - für Italiener, Deutsche, Böhmen, Frauen, Adelige, Söldner, Mönche u.v.m. Das macht es zum einzigen mittelalterlichen Kochbuch mit expliziter Zielgruppenzuordnung.

Ad faciendum salsam pro magnatibus Recipe petrosillum, maioranam, rutam, mentam, et saluiam, cum triangulis, Et trita illa omnia insimul per stamigneam mitte, Tunc tempera illa cum modico uino, et aceto, et fac intus zinziber, cum croco et erit bonum pro ciuibus Rusticis et nobilibus.
triangulis

Wörtlich „Dreiecke“ - dreieckig geschnittene Brotstücke, die mit den Kräutern zerstoßen werden und der Sauce als eingeweichtes Brot Bindung geben.

per stamigneam mitte

„Durch ein Siebtuch geben“ - die zerstoßene Masse durch ein grobes Tuch oder Sieb passieren, um eine feine, glatte Sauce zu erhalten.

rutam

Die Weinraute, ein stark aromatisches, bitter-scharfes Kraut der mittelalterlichen Küche. In größeren Mengen unverträglich - daher sehr sparsam dosieren oder durch etwas mehr Salbei ersetzen.

Handschrift
Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum
Folio
fol. 74v
Sprache
Mittellatein (frühes 15. Jh.)
Entstehung
Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz, 1433

Originalwerk (~1433) gemeinfrei.

Bildquelle
BnF Ms. Latin 7054, fol. 74v/75r (Gallica ark:/12148/btv1b10035736w, f75) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Robert Maier (Hg.): Das Registrum Coquine des Johannes von Bockenheim, Monumenta culinaria 3, GEB Gießen 2013 - CC BY-NC-SA 3.0 (urn:nbn:de:hebis:26-opus-93375) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Robuste, kalte Sauce ohne Feuer - Kräuter, Brot, Wein, Essig und Gewürze sind gut zu transportieren. Mörser und Tuch genügen; am Lager frisch zubereiten, da rohe Kräutersaucen schnell nachdunkeln.
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