München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384 · Südwestdeutschland · 1470
Ebenso: Petersilie und Roggenbrot gestoßen und mit Essig durchgezogen. Diese Salse ist gut zu einem Braten.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| peterlin | Petersilie | - | - | - |
| rugim brott | Roggenbrot | - | - | - |
| essich | Essig | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Die schlanke Grund-Salse des Blocks: eine grüne Kräuter-Salse aus Petersilie und Roggenbrot, mit Essig passiert - ein direkter Vorfahr der grünen Sauce / Salsa verde. Auf genau dieses Verfahren verweist das folgende Rezept m384-004 mit ‚als vor geschriben ist'.
Technik: Petersilie und Roggenbrot im Mörser fein stoßen und mit Essig durch ein Tuch passieren. Das Brot bindet (das mittelalterliche Bindemittel schlechthin), der Essig macht die Sauce frisch-sauer - laut Text ‚guot czuo aim brautten', also gut zu einem Braten.
Praxis: Eine Handvoll Petersilie mit etwas eingeweichtem Roggenbrot mörsern, mit Essig zu einer streichfähigen grünen Sauce verrühren, durch ein Sieb streichen. Die Basis-Variante des Salse-Blocks - reicher wird sie mit Eigelb und Birnen (m384-002), als Kräuter-Variante mit Zwiebeln/Salbei (m384-004).
Im mittelalterlichen Kontext, besonders in süddeutschen Kochbüchern wie Cgm 384, ist eine Salse (oder ‚Saltz') eine würzige, oft säuerliche oder süß-saure Sauce, die als Beilage zu Fleisch- oder Fischgerichten serviert wird. Sie ergänzt und verfeinert den Geschmack des Hauptgerichts.
Ja, ein Goldstandard für die Lagerküche. Es braucht nur robuste Zutaten ohne Kühlung, und die Zubereitung ist mit Mörser und Sieb in wenigen Minuten erledigt.
‚Gestossen' heißt, Petersilie und Roggenbrot im Mörser fein zu zerstampfen; ‚durch gezogen' beschreibt das anschließende Passieren der Masse durch ein feines Tuch oder Sieb, um eine glatte Sauce zu erhalten.
Dieses Rezept stammt aus dem Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384) (2. Hälfte 15. Jh., Südwestdeutschland). Das umfangreichste der Münchner Kochbuchhandschriften und das letzte in CoReMA edierte: 83 alemannische (südwestdeutsche) Rezepte des späten 15. Jh., sauber rubriziert von einer Hand auf Bl. 076r-078r und 103v-115v. Schwerpunkt auf Saucen und Vorräten - zahlreiche Salsen (Sältz), Pfeffer- und Leberpfeffer-Saucen (auch schwarzer Pfeffer), Gumpost (eingelegtes süß-saures Gemüse/Obst), Latwergen, Senf sowie Kraut- und Gemüsegerichte. Die gelegentlich erwähnte hebräische Schrift betrifft nur spätere Marginal-Nachträge (Bl. Ir + 122v-123v), nicht die Kochrezepte. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M2 ediert; größtes Cross-Link-Potenzial zu den anderen Münchner Büchern (Cgm 725/349/811).
Der Saucenname (Salse): eine würzige, oft säuerliche Tunke zu Fleisch oder Fisch - nicht Speisesalz und nicht im Sinne einer Sülze oder Gallerte.
‚Gestoßen'/zerstampft, typischerweise im Mörser, um eine feine Paste zu erhalten.
‚Durchgezogen' = das Passieren der Masse durch ein Tuch oder Sieb für eine feine, glatte Konsistenz.
‚Gut zu einem Braten' - die Salse ist als säuerliche Begleitsauce zu gebratenem Fleisch gedacht (die Säure kontert das Fett).
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