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BuchHaus- und Arzneibuch im Codex Donaueschingen 792

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 792 · 1450 · Frühneuhochdeutsch (südalemannisch laut BLB-Katalogisat, westlicher Bodenseeraum/Schaffhausen(?), um 1450) - abweichend Obhof 2006/2009: „östlich hochalemannisch“; nicht abschließend geklärt, welche Angabe vorgeht · westliches Bodenseegebiet / Schaffhausen (?)

Cod. Donaueschingen 792

Illustration zu Haus- und Arzneibuch im Codex Donaueschingen 792

Haus- und Arzneibuch, I + 180 Bl., Quart (27,5 × 20 cm), um 1450/1452. Inhalt nach der Beschreibung von Werner Hoffmann und Katrin Sturm (2025) im Handschriftenportal, die Incipits und Stückzahlen nennt: • Bl. 54v-81r: 106 Rezepte zur Behandlung von Wein und zur Herstellung von Essig. Überschrift „Zuosaygerm wine, das er frisch vnd zuomale kreftig werde“; überwiegend Behandlung von umgeschlagenem („saygerm“) und verdorbenem Wein - dieselbe Ausrichtung wie das Weinbuch in Cod. 787, dort 118 Kapitel. Randnachträge mit drei weiteren Weinrezepten (70r-71r: „romaniger win“, „win, der naturlich sig vnd gesund“, „brúnsenden win“) und vier Kurzrezepten auf 73v, darunter durch Beschnitt unvollständig „Wiltu mach[en] blieweiss“ - eine Anleitung zur HERSTELLUNG von Bleiweiß, im selben Codex wie die Weinbehandlung (vgl. wbd-028, das Bleiweiß in den Wein gibt). • Bl. 81v: ein Metrezept, „Medonem faciendo“ - „Wilt du machen guoten edlen mett, so nim ainen som honig vnd zwen som wassers vnd erwelle den som honig gar wol …“; Schluss: „vnd den schum solt ouch das drittail in syeden, vnd solt in sigeln vnd tuo in ouch dar in“. ⚠️ Der Mittelteil ist in der Beschreibung ausgelassen; das Objekt von „in syeden“ ist grammatisch „den schum“, nicht der Ansatz - eine Reduktion des GANZEN Ansatzes ist daraus NICHT belegt. • Bl. 82r-91r: Ps.-Albertus Magnus, „Tractatus de vino et eius proprietatibus“, lateinisch - laut Beschreibung eine Bearbeitung des zweiten Teils („Weinbuch“) der lateinischen Fassung des Pelzbuchs Gottfrieds von Franken, um 1400. Also die lateinische Schwesterfassung genau des Textes, den wbd deutsch überliefert. • Bl. 91v-97v: 13 Weinrezepte, deutsch und lateinisch. Überschrift „De potibus nobilissimis. Ad faciendum vinum cuiuscumque sapore volueris scilicet Muscatelli, Romanye, Varnacij“ - Nachbauten von Importsüßweinen, dazu Lutertrank, Claret, Zimtwein. Darin (94r) „Kirßwin ze machen secundum Buolach in Rottwil“: „Wilt du kirßwin machen, so nim ii som honig, iiii som kriesi safft, das nit veryesen sye“ - Kirschmet mit Honig, zugeschrieben an Hans Bulach von Rottweil (Jurist, urkundlich 1401, 1422, 1423). Dieses eine Rezept ist bei Gerhard Eis abgedruckt. • Weiter im Block: Balsamrezepte (97v-99r, 99v), Oleum vitae (99r), Aurum potabile (99v-104v, mehrere Rezepte, teils mit Honig und Waben), Branntwein - Herstellung und medizinische Wirkung (105r-108r). • Außerdem: Pferdemedizin (1r-39v: Meister Albrant „Roßarzneibuch“ dreimal, Heinrich von Lauingen „Roßarznei“ I und II, „Papst Clemens' Roßarzt“, „Roßaventüre“), Von Pflastern und Salben (41r-45v), „Fischbüchlein vom Bodensee“ (46r-51v), „Vogelfangbüchlein vom Bodensee“ (52r-54r), humanmedizinische Rezepte (109r-180v, teils nach Krankheiten geordnet).

BuchÜber dieses Buch - Met aus einem Bodensee-Hausbuch

Das Haus- und Arzneibuch im Codex Donaueschingen 792 (Badische Landesbibliothek Karlsruhe, südalemannisch, um 1450) ist mit 180 Blättern vor allem eine Sammlung aus Pferdemedizin, Pflaster- und Salbenrezepten, einem Fisch- und einem Vogelfangbüchlein vom Bodensee sowie über hundert Seiten Humanmedizin. Kochrezepte im engeren Sinn hat es nicht - wir erschließen daraus gezielt den schmalen Streifen zu Wein und Met, der sich über gut 60 Seiten zieht.

Den Anfang machen zwei Met-Rezepte: ein schlichter Grundmet aus Honig und Wasser, bei dem ein Stab mit einer eingekerbten Pegelmarke misst, wann ein Drittel der Flüssigkeit verkocht ist - eine Mengenkontrolle ganz ohne Messgefäß. Und ein gewürzter Kirschmet, der einem gewissen Hans Bulach von Rottweil zugeschrieben wird (urkundlich 1401/1422/1423 bezeugt): Honig und frischer, noch ungegorener Kirschsaft im Verhältnis 1:2, nach der Gärung mit einem an einem Stein befestigten Gewürzsäckchen - Ingwer, Zimt, Langpfeffer, Nelken, Paradieskörner - für weitere zehn bis zwölf Wochen im Fass gehängt.

Das Besondere: Für diese Handschrift gab es bislang keine Transkription und keine Edition - nur eine knappe Objektbeschreibung mit Incipits. Das Digitalisat der Badischen Landesbibliothek wurde erst 2026 freigeschaltet. Wir haben die beiden Metrezepte direkt am Faksimile erschlossen und gegen einen unabhängigen HTR-Durchlauf gegengecheckt - offene Lesarten sind an den Rezepten selbst vermerkt.

Lizenz und Hinweise

Werk (um 1450): gemeinfrei. Faksimile: Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Public Domain Mark 1.0. Transkription und Übersetzung: fyndling.de (CC BY-NC-SA 4.0), gegengecheckt gegen ein unabhängiges HTR-Verfahren.

- Die Fyndling-Redaktion

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