Nimm eine hölzerne Schere, mit der das Blattgold aufgenommen wird. Berühre das Gold dabei nicht mit …
Solothurn, Zentralbibliothek, Cod. S 490 · 1487 · Frühneuhochdeutsch (alemannisch, vermutlich elsässisch, spätestens um 1487) · Oberdeutscher/alemannischer Sprachraum (Entstehungsort unbekannt, Schönherr vermutet Freiburg im Üechtland ohne Beleg); Handschrift heute Zentralbibliothek Solothurn
So1 / Cod. S 490
CoReMA-Handschrift So1: 152 Rezepte der Solothurner Abschrift der "Küchenmeisterei" - dem ersten gedruckten deutschen Kochbuch (Peter Schöffer, Mainz, um 1485) und damit einer ganz anderen Texttradition als die bisherigen höfischen Rezeptsammlungen im Korpus. Systematisch in fünf nummerierte Teile gegliedert statt loser Rezeptfolge: u.a. Fleisch/Fisch, Eierspeisen, Gebackenes, Essig- und Kräuterwein-Herstellung, ein Diätetik-Kapitel zur Magen-Komplexion. Enthält einen Brombeer-Honigwein (§133) und mehrere Kräuterwein-Rezepturen als medizinische Stärkungsmittel sowie eine volkstümliche Gift-Probe mit einem eingekreisten Wurm (Spinne/Eidechse/Schlange, §134).
Die Solothurner Küchenmeisterei (Zentralbibliothek Solothurn, Cod. S 490) ist etwas anderes als die meisten Handschriften in unserem Bestand: kein handgeschriebenes Original, sondern die handschriftliche Abschrift eines Drucks - der „Küchenmeisterei", des ersten gedruckten deutschen Kochbuchs (Nürnberg/Mainz, ab etwa 1485). Die Sprache ist alemannisch, vermutlich elsässisch, entstanden frühestens um 1487.
152 Rezepte, systematisch in fünf nummerierte Teile gegliedert statt einer losen Rezeptfolge: Fleisch und Fisch, Eierspeisen, Gebackenes, Essig- und Kräuterwein-Herstellung, dazu ein eigenes Kapitel zur Magen-Diätetik. Darunter ein gewürzter Brombeer-Honigwein und mehrere Kräuterweine als Stärkungsmittel.
Der Handschrift fehlen am Anfang rund acht Blatt - sie setzt buchstäblich mitten in einem Rezept ein. Zwei weitere Blätter fehlen an anderer Stelle, und auf zwei Seiten hat Wasser die Schrift stark beschädigt. Wo möglich, sind solche Stellen anhand der bekannten Drucküberlieferung der Küchenmeisterei ergänzt.
Die meisten Handschriften unseres Bestands gehören zur höfischen Rezeptsammlungs-Tradition des 14./15. Jahrhunderts. Die Küchenmeisterei ist ein Vorläufer der frühneuzeitlichen Kochbuch-Gattung: systematisch gegliedert, mit eigenem Abschnitt zu Konservierungstechniken (Essig, Frucht-über-Jahr-Halten) und einem ausführlichen medizinisch-diätetischen Anhang - näher am späteren gedruckten Kochbuch als an der handschriftlichen Rezeptsammlung.
Werk (15. Jh.): gemeinfrei. Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY 4.0), Handschrift So1. Faksimile: Zentralbibliothek Solothurn, Cod. S 490 (e-codices, CC0 1.0).
- Die Fyndling-Redaktion
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