Solothurn, Zentralbibliothek, Cod. S 490 · Oberdeutscher/alemannischer Sprachraum (Entstehungsort unbekannt, Schönherr vermutet Freiburg im Üechtland ohne Beleg); Handschrift heute Zentralbibliothek Solothurn · 1487
Danach folgt, wie man Obst lange erhält.
Willst du Äpfel lange frisch und über ein ganzes Jahr aufbewahren, so lege sie in einen trockenen Keller auf eine Hürde, hoch über dem Boden, auf frisches Stroh. Lass sie dabei gut auseinandergelegt liegen, nicht dicht aufeinander.
Wird einer davon faulig, so wirf ihn aus der ganzen Menge heraus. Es ist damit nicht anders als bei den räudigen Schafen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| opffel | Äpfel | - | - | - |
| frisches streu | frisches Stroh | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Kein Kochrezept, sondern eine Vorratsanleitung zur Apfellagerung über den Winter - reine Lagerlogistik ohne Feuer, Gefäß oder Gargrad. Der Schlusssatz mit den räudigen Schafen ist eine frühe Fassung des bis heute geläufigen Sprichworts vom faulen Apfel, der die anderen in der Kiste ansteckt.
Was heißt 'mallig'? Das Wort ist selten belegt und wird hier als 'faulig, fleckig werdend' gelesen. Ein Glossareintrag bei Wuelcker übersetzt 'malig' mit lateinisch maculosus, lentiginosus (fleckig, gesprenkelt) - das passt gut zu Äpfeln mit ersten Faulflecken.
Praxis. Äpfel einzeln und mit Abstand auf einer Hürde (einem erhöhten Rost oder Gestell) über frischem Stroh lagern, nicht in Haufen oder Kisten übereinander. Der Keller sollte trocken und kühl sein. Die Hürde hält die Früchte vom feuchten Boden fern und lässt Luft von unten zirkulieren; das lockere, geräumige Auslegen verhindert, dass sich Fäulnis von Frucht zu Frucht ausbreitet, und macht einzelne faule Stellen leichter sichtbar. Wer das nachstellen will, sollte den Bestand regelmäßig durchsehen und einen faulig werdenden Apfel umgehend aussortieren, bevor er die Nachbarfrüchte ansteckt.
Nein, im engeren Sinn nicht. Es handelt sich um eine Vorratsanleitung zur langfristigen Obstlagerung, wie sie in Küchenmeistereien neben den eigentlichen Speiserezepten üblich war - Wissen für die Vorratskammer, nicht für den Kochtopf.
Nein. Es beschreibt eine monatelange Lagerung im kühlen, dunklen Keller über den Winter - das lässt sich an einem Marktwochenende weder vorführen noch sinnvoll nachstellen. Als Erzähl-Stoff für Publikumsgespräche über mittelalterliche Vorratswirtschaft taugt es aber gut.
Räude ist eine ansteckende Hautkrankheit bei Schafen, die sich in der Herde ausbreitet, wenn man kranke Tiere nicht isoliert. Der Text vergleicht die Obstlagerung mit diesem bekannten Bild: so wie die Räude die Herde ansteckt, soll auch ein fauler Apfel aus dem Vorrat entfernt werden, damit er die übrigen nicht ansteckt.
Dieses Rezept stammt aus dem Solothurner Küchenmeisterei (um 1487). CoReMA-Handschrift So1: 152 Rezepte der Solothurner Abschrift der "Küchenmeisterei" - dem ersten gedruckten deutschen Kochbuch (Peter Schöffer, Mainz, um 1485) und damit einer ganz anderen Texttradition als die bisherigen höfischen Rezeptsammlungen im Korpus. Systematisch in fünf nummerierte Teile gegliedert statt loser Rezeptfolge: u.a. Fleisch/Fisch, Eierspeisen, Gebackenes, Essig- und Kräuterwein-Herstellung, ein Diätetik-Kapitel zur Magen-Komplexion. Enthält einen Brombeer-Honigwein (§133) und mehrere Kräuterwein-Rezepturen als medizinische Stärkungsmittel sowie eine volkstümliche Gift-Probe mit einem eingekreisten Wurm (Spinne/Eidechse/Schlange, §134).
Eine erhöhte, luftdurchlässige Rost- oder Flechtkonstruktion, auf der das Obst abseits vom feuchten Kellerboden gelagert wurde - vergleichbar mit einem Obstgestell oder Trockenhorden.
Selten belegt; hier als 'faulig, fleckig werdend' gelesen. Wuelckers Glossar übersetzt 'malig' mit lateinisch maculosus, lentiginosus (fleckig, gesprenkelt) - eine Bedeutung, die zu ersten Faulflecken an Äpfeln passt.
'die räudigen Schafe' - ein Sprichwort: so wie eine räudige (krätzige) Krankheit sich in einer Schafherde ausbreitet, steckt ein fauler Apfel die anderen an. Frühe Fassung des bekannten Bildes vom 'faulen Apfel im Korb'.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| opffel | apple Q89 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
mallig
Gewählte Lesart: Als 'faulig, fleckig werdend' gelesen, gestützt durch einen Glossareintrag bei Wuelcker, der 'malig' mit lateinisch maculosus, lentiginosus (fleckig, gesprenkelt) übersetzt - passend zu ersten Faulflecken an Äpfeln.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 31.07.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.