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Grüne Speisefarbe aus Petersilie

Solothurn, Zentralbibliothek, Cod. S 490 · Oberdeutscher/alemannischer Sprachraum (Entstehungsort unbekannt, Schönherr vermutet Freiburg im Üechtland ohne Beleg); Handschrift heute Zentralbibliothek Solothurn · 1487

RezeptSonstigesLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit5 Min.PortionenBeliebige Menge (Farbzusatz für ein anderes Gericht)BuchSolothurner Küchenmeisterei (~1487)

Wer aber die grüne Farbe haben will, stoße Petersilie für alle Speisen, ganz so wie es zuvor erklärt wurde.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
peterling Petersilie - - -

Welches Gericht ist das? Kein eigenständiges Gericht, sondern ein kurzer Zusatz-Vermerk zu einer Reihe von Farbanleitungen: zerstoßene Petersilie wird unter eine bereits vorbereitete Speise gemischt, um sie grün zu färben. Die Technik entspricht dem, was heute Petersilien- oder Spinatpüree als natürliches Grün für Teig oder Sauce leistet (vgl. pasta verde) - eine bis heute gebräuchliche Praxis, kein kulinarisches Kuriosum.

Praxis. Petersilienblätter im Mörser zerstoßen, bis der grüne Saft austritt, und direkt unter die zu färbende Speise arbeiten. Kein Kochvorgang, keine Hitze und keine Garzeit nötig - die Wirkung ist rein farbgebend, nicht geschmacksgebend im Vordergrund. Ein Mörser oder ein scharfes Messer zum Feinhacken genügt.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, Goldstandard. Petersilie zerstoßen und in die zu färbende Speise einarbeiten geht ohne Feuer und ohne besonderes Werkzeug in wenigen Minuten - ideal, um am Lagertisch vorzuführen, wie man Speisen grün färbt.

Was bedeutet 'verhort' im Rezept?

Verhort geht auf mittelhochdeutsch 'verhœren' zurück, wörtlich 'anhören, vernehmen'. Hier ist es übertragen gemeint als 'wie zuvor erklärt' und verweist auf eine frühere Textstelle im selben Kochbuch, die die Grundtechnik des Färbens beschreibt.

Worauf bezieht sich 'wie es zuvor erklärt ist'?

Vermutlich auf eine vorangehende Anleitung im selben Werk, wie Speisen mit pflanzlichen Mitteln gefärbt werden (etwa Safran für Gelb). Der genaue Vorgänger-Vermerk liegt uns hier nicht vor, weshalb die Formulierung als Rückverweis erhalten bleibt statt frei ergänzt zu werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Solothurner Küchenmeisterei (um 1487). CoReMA-Handschrift So1: 152 Rezepte der Solothurner Abschrift der "Küchenmeisterei" - dem ersten gedruckten deutschen Kochbuch (Peter Schöffer, Mainz, um 1485) und damit einer ganz anderen Texttradition als die bisherigen höfischen Rezeptsammlungen im Korpus. Systematisch in fünf nummerierte Teile gegliedert statt loser Rezeptfolge: u.a. Fleisch/Fisch, Eierspeisen, Gebackenes, Essig- und Kräuterwein-Herstellung, ein Diätetik-Kapitel zur Magen-Komplexion. Enthält einen Brombeer-Honigwein (§133) und mehrere Kräuterwein-Rezepturen als medizinische Stärkungsmittel sowie eine volkstümliche Gift-Probe mit einem eingekreisten Wurm (Spinne/Eidechse/Schlange, §134).

§ xxxvij wer aber die grunnen farbe habenn will der stos peterling zu allen sach als es vor verhort ist
grunnen farbe

Mittelhochdeutsch/frühneuhochdeutsch für 'grüne Farbe', hier ausdrücklich als Lebensmittelfarbe gemeint - CoReMA verknüpft die Stelle mit dem Wikidata-Eintrag für Speisefarbe.

peterling

Petersilie (Petroselinum crispum). CoReMA verlinkt den Begriff eindeutig mit dem Wikidata-Eintrag für Petersilie.

verhort

Von mhd. 'verhœren' (anhören, vernehmen), hier im übertragenen Sinn von 'wie zuvor erklärt/besprochen'. Verweist auf eine frühere Anleitung im selben Werk.

Handschrift
Solothurn, Zentralbibliothek, Cod. S 490
Folio
Fol. 001v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, vermutlich elsässisch, spätestens um 1487)
Entstehung
Oberdeutscher/alemannischer Sprachraum (Entstehungsort unbekannt, Schönherr vermutet Freiburg im Üechtland ohne Beleg); Handschrift heute Zentralbibliothek Solothurn, 1487
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

peterlingparsley Q25284

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartverhort

Gewählte Lesart: Wie zuvor erklärt/besprochen wurde - ein Verweis auf eine vorangehende Anleitung im selben Werk (mhd. verhœren = anhören/vernehmen, hier sinnübertragen auf 'erklärt worden').

Andere mögliche Lesart:

  • Wörtlich 'gerichtlich angehört/vernommen'. - Die juristische Grundbedeutung von verhœren ist naheliegend, passt aber inhaltlich nicht zu einer Kochanleitung. Ein Konkordanz-Eintrag (data/concordance.tsv) verzeichnet für diese Stelle eine Parallele in der Schwesterhandschrift k1 (Rezept 30, Incipit 'Zcu Groner farbe...als fur ges[abgeschnitten]') - der vollständige k1-Text liegt im Korpus derzeit aber nicht vor, sodass sich daraus keine gesicherte Bestätigung der Lesart ableiten lässt. Die übertragene Lesart stützt sich daher allein auf den Kontext einer Kochanleitung.

Originalwerk (~1487) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 001v, Zentralbibliothek Solothurn, Cod. S 490 ("Küchenmeisterei"-Abschrift, alemannisch/elsässisch, um 1487) - CC0 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), So1 (Solothurn, Zentralbibliothek, Cod. S 490), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Petersilie zerstoßen und untermischen dauert Minuten und braucht kein Feuer - lässt sich direkt am Lagertisch vorführen, wenn ein anderes Gericht gerade grün gefärbt werden soll.
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Stand dieser Fassung: 31.07.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.