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Schwarzes Fruchtmus mit Wein

Solothurn, Zentralbibliothek, Cod. S 490 · Oberdeutscher/alemannischer Sprachraum (Entstehungsort unbekannt, Schönherr vermutet Freiburg im Üechtland ohne Beleg); Handschrift heute Zentralbibliothek Solothurn · 1487

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit30 Min.Portionen4-6 PersonenBuchSolothurner Küchenmeisterei (~1487)

Willst du ein schwarzes Mus machen, so nimm Weintrauben, Äpfel und Birnen, gebraten oder gesotten, dazu Zucker, ein wenig Mehl, Gewürz und Salz.

Verreibe das alles gründlich mit gutem Wein.

Gib es in eine Pfanne und lass den Wein darin einsieden. Rühre es gut durch, probiere es ab und richte es an.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
winber Weintrauben - - Rosinen (getrocknete Weinbeeren), falls keine frischen Trauben verfügbar sind
opfel Äpfel - - Feste, säuerliche Sorte wie Boskoop oder Elstar, damit die Stücke beim Braten oder Kochen nicht zerfallen
birn Birnen - - Feste, noch nicht vollreife Birne, damit sie beim Garen ihre Form behält
zucker Zucker - - -
ein wenig mels Mehl - - -
gewurtz Gewürze - Gewürzhandel Klassische Mischung aus Pfeffer, Ingwer und Zimt
saltz Salz - - -
guottem win Wein - - -

Welches Gericht ist das? Ein sämiges Frucht-Gewürzmus aus Weintrauben, Äpfeln und Birnen, mit wenig Mehl gebunden und in Wein eingekocht - trotz des Namens „schwarzes Gemüs“ kein Gemüsegericht, sondern der Vorfahr heutiger gewürzter Obstkompotte und -muse (etwa Apfel-Birnen-Mus mit Zimt und Nelke).

Zur Zubereitungsfolge. Die Textstelle „las dan win in siedenn“ (Wein darin sieden lassen) legt eher „einsieden“ (einkochen, reduzieren) nahe als bloßes kurzes Aufkochen - für ein Mus, das andicken soll, ist Reduzieren die naheliegendere Technik.

Praxis. Weintrauben, Äpfel und Birnen zunächst rösten oder kochen, bis sie weich sind - der Text nennt beide Verfahren als gleichwertige Alternative. Dazu Zucker, wenig Mehl, Gewürz und Salz geben und das Ganze mit gutem Wein gründlich zu einer glatten Masse verreiben. In die Pfanne geben und den Wein darin einsieden lassen, dabei gut durchrühren, bis die Masse bindet. Das Mehl wird direkt untergerührt, nicht vorher in Fett angeschwitzt - keine Mehlschwitze, das ist zeittypisch. Abschmecken, anrichten. Garzeiten, das Mengenverhältnis von Obst zu Wein zu Mehl und die genaue Zieltextur nennt der Text nicht - das ist medizeittypische Knappheit; rund 30 Minuten bei mittlerer Hitze sind ein guter Richtwert.

Was genau ist ein 'schwarzes Gemüs'?

Trotz des Namens ist das kein Gemüsegericht, sondern ein dunkles Fruchtmus aus Weintrauben, Äpfeln und Birnen, das mit Wein verrührt und eingekocht wird. Die dunkle Farbe kommt vermutlich von den Trauben und dem Wein - der Text selbst nennt keine bestimmte Weinfarbe.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, Goldstandard. Eine Pfanne, ein Feuer und rund 30 Minuten reichen - alle Zutaten sind robust und brauchen keine Kühlung.

Sind mit 'winber' im Rezept frische Weintrauben oder Rosinen gemeint?

Das lässt sich nicht restlos klären. Da die Trauben zusammen mit frischen Äpfeln und Birnen 'gebraten oder gesotten' werden sollen, ist die Lesart frische Trauben naheliegender, getrocknete Rosinen bleiben aber eine mögliche Alternative.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Solothurner Küchenmeisterei (um 1487). CoReMA-Handschrift So1: 152 Rezepte der Solothurner Abschrift der "Küchenmeisterei" - dem ersten gedruckten deutschen Kochbuch (Peter Schöffer, Mainz, um 1485) und damit einer ganz anderen Texttradition als die bisherigen höfischen Rezeptsammlungen im Korpus. Systematisch in fünf nummerierte Teile gegliedert statt loser Rezeptfolge: u.a. Fleisch/Fisch, Eierspeisen, Gebackenes, Essig- und Kräuterwein-Herstellung, ein Diätetik-Kapitel zur Magen-Komplexion. Enthält einen Brombeer-Honigwein (§133) und mehrere Kräuterwein-Rezepturen als medizinische Stärkungsmittel sowie eine volkstümliche Gift-Probe mit einem eingekreisten Wurm (Spinne/Eidechse/Schlange, §134).

§ xxxiij wiltu machen ein schwartz gem usß So nim winber opfel birn gebratten oder geso tenn vnd zucker ein wenig mels gewurtz vnd saltz das zertrib mit guottem win gar wol Tu es in ein pfann las dan win in siedenn rur es wol versuoch es vnd gib es dar
schwartz gemusß

Wörtlich „schwarzes Mus“. CoReMA glossiert „gemuesß“ als Brei/Püree - gemeint ist eine dunkle Fruchtmasse, kein Gemüsegericht im heutigen Sinn.

winber

Kann Weintrauben oder Rosinen bedeuten. Hier plausibler als frische Trauben gelesen, weil sie neben Äpfeln und Birnen ausdrücklich 'gebraten oder gesotten' werden - das passt eher zu frischem Obst als zu bereits getrockneten Rosinen.

gewurtz

Unspezifisches Wort für 'Gewürz' - der Text nennt keine konkrete Mischung. Typisch für die Zeit wäre eine Kombination aus Pfeffer, Ingwer und Zimt.

zertrib

Von mhd. zertreiben - verreiben, zu einer glatten Masse vermengen.

Handschrift
Solothurn, Zentralbibliothek, Cod. S 490
Folio
Fol. 001r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, vermutlich elsässisch, spätestens um 1487)
Entstehung
Oberdeutscher/alemannischer Sprachraum (Entstehungsort unbekannt, Schönherr vermutet Freiburg im Üechtland ohne Beleg); Handschrift heute Zentralbibliothek Solothurn, 1487

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartwinber

Gewählte Lesart: Frische Weintrauben, da sie zusammen mit Äpfeln und Birnen gebraten oder gesotten werden sollen - das passt zu frischem Obst. An anderen Stellen desselben Solothurner Manuskripts wird 'winber' zudem eindeutig für frische Trauben verwendet (z.B. 'die vnzittigenn winbere heist man agres' für unreife Trauben/Agrest, oder 'welscher winber' als Traubensorte) - ein Indiz für die Grundbedeutung 'frische Traube' im Manuskript, aber kein direkter Beleg für diese eine Stelle.

Andere mögliche Lesart:

  • Rosinen (getrocknete Weinbeeren) - Im Korpus ist 'weinper/winber' meist als Rosinen belegt, sofern kein ausdrücklicher Frische-Marker vorliegt; hier gibt CoReMA selbst jedoch die Wikidata-Verknüpfung zu 'grape', nicht 'raisin', an.

Originalwerk (~1487) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 001r, Zentralbibliothek Solothurn, Cod. S 490 ("Küchenmeisterei"-Abschrift, alemannisch/elsässisch, um 1487) - CC0 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), So1 (Solothurn, Zentralbibliothek, Cod. S 490), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
In einer Pfanne über dem Feuer in gut 30 Minuten fertig - alle Zutaten (Weintrauben, Äpfel, Birnen, Wein, Mehl, Gewürz, Zucker, Salz) sind bei Raumtemperatur unproblematisch und lassen sich gut mitbringen. Auch das Vorgaren des Obsts (rösten oder kochen) ist am offenen Feuer machbar, keine Kühlung nötig.
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Stand dieser Fassung: 29.07.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.