München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919 · Regensburg, Bayern · 1505
Ein gutes schwarzes Mus von einem anderen Rezept. Beginnen wir damit: Wer ein schwarzes Mus haben möchte, nimm Weinbeeren, Äpfel und Birnen dazu.
Diese musst du färben. Die Farbe kommt von gebratenen Lebkuchen. Du musst auch Zucker und Honig dazugeben und guten Wein verwenden.
Würze es ebenfalls und salze es nach deinem Maß. So kannst du es gut zubereiten, sodass das Mus braun oder schwarz wird.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| weinper | Rosinen (weinper) | - | Supermarkt | Rosinen |
| opfel | Äpfel | - | - | - |
| pirnen | Birnen | - | - | - |
| pray ten lezelten | Gebratene Lebkuchen | - | Supermarkt (Backwaren) | ungeglaste Aachener Kräuterprinten (oder ungeglaster Honig-Lebkuchen) |
| zucher | Zucker | - | - | - |
| honig | Honig | - | - | - |
| guten wein | Wein | - | - | - |
| gewurch | Gewürze | - | - | - |
| salcz | Salz | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein dunkles schwarzes Fruchtmus: Rosinen, Äpfel und Birnen, gefärbt und gebunden mit gerösteten (gebräunten) Lebkuchen, gesüßt mit Zucker und Honig, mit gutem Wein und Gewürz abgeschmeckt, bis das Mus braun bis schwarz wird. Eng verwandt mit kkm-027 (Schwarzes Fruchtmus) und der schwarzen-Mus-Tradition (teg-024, bgs-009).
Lebkuchen. Gibt Farbe, Würze und Bindung; moderner Ersatz: ungeglaste Aachener Kräuterprinten (oder ungeglaster Honig-Lebkuchen), dunkel geröstet für die tiefe Farbe.
Praxis. Rosinen, geschälte Äpfel und Birnen mit Wein weich kochen und passieren, mit zerkleinertem (dunkel geröstetem) Lebkuchen, Honig und Zucker binden und süßen, mit Gewürz (Zimt, Nelke, Ingwer) und einer Prise Salz abschmecken, bis es dunkel und löffelfest ist.
‚Gebratene Lebkuchen‘ sind hier Gewürzgebäck, das angebraten wird, um Farbe und Geschmack zu intensivieren. Sie dienen dazu, dem Mus eine dunkle, fast schwarze Farbe und eine komplexe, würzige Süße zu verleihen. Du kannst moderne Lebkuchen oder Gewürzprinten verwenden und diese kurz in einer Pfanne ohne Fett anrösten.
Ja, hervorragend geeignet. Alle Zutaten sind robust und benötigen keine besondere Kühlung. Die Zubereitung ist einfach und schnell in einem Topf über offenem Feuer in etwa 30 Minuten möglich.
Da das Rezept keine spezifischen Gewürze nennt, kannst du dich an typischen spätmittelalterlichen Gewürzmischungen orientieren. Gut passen würden Zimt, Nelken, Ingwer, Muskat oder Kardamom, die den Lebkuchengeschmack ergänzen und das Mus aromatisch abrunden.
Dieses Rezept stammt aus dem Regensburger Kochbuch (Cgm 5919) (Regensburg, Bayern). Umfangreiche mittelbairische Festküche um 1500: 104 Rezepte aus Regensburg (BSB München, Cgm 5919, datiert um 1500-1510), hyperdiplomatisch transkribiert. Die Kochrezepte stehen auf Bl. 15r-27r. Schwerpunkt auf repräsentativer, gehobener Küche: Pasteten (Hecht, Rindfleisch), Torten von Geflügel, zahlreiche Sülzen und Gallerte (gesülzte Kalbsfüße, Morcheln, Schlehen), Schauspeisen (ein ganzes Huhn in einem Glasgefäß, die Verdopplung eines Aals), Senf sowie Mandel- und Eierspeisen. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M9 ediert. Anders als die sechs Münchner Ehlert-Handschriften NICHT in der gedruckten Edition von Trude Ehlert (1999) enthalten - die CoReMA-TEI ist die alleinige Textbasis.
Ein Mus oder Brei, der durch die Zugabe von dunklen Zutaten (hier Lebkuchen) eine schwarze oder sehr dunkle Farbe erhält.
Weinbeeren, also getrocknete oder frische Trauben. Im Mittelalter oft als Süßungsmittel und Geschmacksgeber verwendet.
‚Gebratene Lebkuchen‘ oder ‚gebratenes Gewürzgebäck‘. Lebkuchen waren im Mittelalter oft würziger und weniger süß als heute und wurden auch in herzhaften Gerichten verwendet. Das Braten intensiviert den Geschmack und die Farbe.
Eine mittelbairische Form von ‚Gewürz‘, hier als Verb ‚würze‘ verwendet. Es sind keine spezifischen Gewürze genannt, aber typisch wären Zimt, Nelken, Ingwer oder Muskat.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| weinper | raisin Q13186 |
| opfel | apple Q89 |
| pirnen | pear Q13099586 |
| zucher | unrefined cane sugar Q57656231 |
| honig | honey Q10987 |
| guten wein | wine Q282 |
| gewurch | spice Q42527 |
| salcz | table salt Q11254 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
pray ten lezelten
Gewählte Lesart: ‚Gebratene Lebkuchen‘. Pray ten ist eine mittelbairische Form von ‚gebraten‘ (b für w), lezelten bezeichnet Lebkuchen/Gewürzgebäck. Das Anrösten dient hier ausdrücklich der Farbgebung (‚das kompt von …‘) und intensiviert zugleich die Würze.
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Stand dieser Fassung: 06.07.2026 - 4-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.