Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433
Nimm Knoblauch und reinige ihn gut. Lass die Zehen dann kochen. Gib sie anschließend in eine Pfanne und brate sie mit Olivenöl an. Füge dann eine gute Brühe und einige Gewürze hinzu. So entsteht eine kräftige Knoblauchsuppe, sehr schmackhaft, traditionell mit Brot serviert, wie es sich für die Bauern auf dem Feld gehört.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| alleum | Knoblauch | - | - |
| oleo oliue | Olivenöl | - | - |
| bonum brodium | Brühe | - | - |
| modicis spetiebus | einige Gewürze | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine kräftige Knoblauchsuppe in der Tradition mediterraner Bauernsuppen - der spanischen sopa de ajo, der italienischen zuppa d'aglio und der provenzalischen aigo boulido. Alle folgen demselben Prinzip: Knoblauch garen, in Öl anrösten, mit Brühe aufgießen, mit Brot servieren.
Warum erst kochen, dann braten? Fac illas petias bulire - die Knoblauchzehen werden zuerst weichgekocht. Das nimmt dem rohen Knoblauch die Schärfe und macht ihn mild-süßlich. Erst danach frige eas cum oleo oliue: das Anbraten in Olivenöl gibt Röstaromen und Tiefe. Diese Reihenfolge (vorgaren, dann anrösten) ist der Kern des Gerichts und der Grund, warum es nicht scharf, sondern rund schmeckt.
Suppe, nicht Mus. Anders als die übrigen ministrum-Rezepte bei Bockenheim (Lauchmus boc-056, Spinatmus boc-058, Bohnenmus boc-062) fehlt hier jeder Zerstoß-Schritt (trita, pista). Der angebratene Knoblauch wird mit guter Brühe aufgegossen und bleibt stückig - die Brühe ist Hauptträger des Gerichts, nicht Sauce zu etwas anderem. Suauissimum heißt hier "sehr schmackhaft", nicht "sehr süß": ein herzhaftes Gericht ohne Süßungsmittel.
Praxis. Eine bis zwei ganze Knollen Knoblauch in Zehen zerlegen, schälen und in Wasser weichkochen (etwa 10 Minuten). Abgießen, in Olivenöl in der Pfanne goldgelb anrösten. Mit kräftiger Brühe (Fleisch- oder Gemüsebrühe) aufgießen, mit etwas Pfeffer, Ingwer oder Galgant würzen und kurz ziehen lassen. Über altbackenes oder geröstetes Brot in der Schüssel gießen - so wird die Suppe zur sättigenden Mahlzeit für die Feldarbeit.
Das Rezept nennt keine spezifischen Gewürze. Typische mittelalterliche Gewürze, die gut zu Knoblauch passen, wären Pfeffer, Ingwer, Galgant oder Nelken. Wähle nach deinem Geschmack.
Ja, dieses einfache Gericht ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Es benötigt nur wenige Zutaten, die gut lagerfähig sind, und kann schnell in einer Pfanne über offenem Feuer zubereitet werden.
Dieses Rezept stammt aus dem ‚Registrum Coquine‘, einem Kochbuch, das um 1433 von Johannes von Bockenheim, einem Koch am Hof des Papstes Martin V., verfasst wurde. Es ist ein Beispiel für die einfache, aber nahrhafte Küche, die auch für weniger privilegierte Menschen gedacht war.
Das lateinische Wort ‚suauissimum‘ kann sowohl ‚sehr süß‘ als auch ‚sehr schmackhaft‘ bedeuten. Im Kontext dieses herzhaften Knoblauchgerichts ist die Bedeutung ‚sehr schmackhaft‘ oder ‚köstlich‘ die wahrscheinlichere und passendere Übersetzung.
spätlat. für Suppe/Eintopf (→ ital. minestra); Bockenheim nutzt italienisch geprägtes Küchenlatein
Stücke bzw. Zehen des Knoblauchs
in Olivenöl anbraten/anrösten - nach dem Vorkochen, für Röstaromen
hier "sehr schmackhaft" (nicht "sehr süß") - ein herzhaftes Gericht ohne Süßungsmittel
"für die Bauern auf dem Feld" - einfache, sättigende Feldspeise
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
ministrum
Gewählte Lesart: Suppe. Etymologisch wurde aus dem spätlateinischen ministrum das italienische minestra (Suppe, Eintopf); Bockenheim als päpstlicher Koch nutzt italienisch geprägtes Küchenlatein. Anders als bei allen anderen ministrum-Rezepten im Registrum (Lauchmus, Spinatmus, Bohnenmus) fehlt hier der Zerstoß-Schritt - es ist also ein brühenbasiertes Gericht, kein Mus.
Andere mögliche Lesart:
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