Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433
Nimm einen Aal und häute ihn. Koche ihn gut, und gib Petersilie, Safran und andere Gewürze darüber. Willst du ihn aber braten, so teile ihn in viele Stücke. Stecke diese Stücke auf einen Spieß und lege zwischen die Stücke Salbeiblätter. Befeuchte sie mit Rosmarin, für die Markgrafen.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Anguillam | Aal | - | Fischhändler (Achtung: Aal ist geschützt, auf Zuchtaal oder nachhaltige Alternativen achten) | Welsfilet, Lachsforelle |
| petrocillum | Petersilie | - | - | - |
| croco | Safran | - | - | - |
| aliis spetiebus | andere Gewürze | - | - | - |
| folia saluie | Salbeiblätter | - | - | - |
| rore marino | Rosmarin | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Aal in zwei Zubereitungen - gesotten mit Petersilie und Safran, oder am Spieß gebraten mit Salbei und Rosmarin. Das "auf zweierlei Art"-Schema teilt es mit Martinos Schleie auf drei Arten (mar-229); die würzige Variante steht neben dem Aal in Brotsauce (wes-052) und der Aal-Hecht-Brühe (foc-106).
Häuten und Sieden. Scortiga eam - der Aal wird gehäutet (die dicke, schleimige Aalhaut zieht man nach einem Rundschnitt hinter dem Kopf ab). Gesotten kommt petrocillum, croco et aliis spetiebus darüber: Petersilie für das Grün, Safran für Farbe und Status, dazu eine Gewürzmischung.
Spießbraten mit Kräutern dazwischen. Diuide eam per multas partes - für die Bratvariante wird der Aal in viele Stücke geteilt und auf den Spieß (spidone) gesteckt, mit Salbeiblättern zwischen den Stücken. Die Kräuter würzen so von innen mit und schützen die Schnittflächen. Humecta illas cum rore marino ("befeuchte sie mit Rosmarin"): Während des Bratens wird mit Rosmarin nachgesetzt - am praktischsten als Rosmarinzweig-Pinsel, mit dem man Öl oder einen Rosmarinaufguss aufstreicht, damit der fette Aal nicht austrocknet und ein Harzaroma annimmt. Rore marino heißt wörtlich "Meerestau" und ist die lateinische Bezeichnung für Rosmarin.
Praxis. Zuchtaal (Aal ist wild geschützt) oder ersatzweise Wels oder Lachsforelle verwenden. Variante 1: häuten, in gut gewürzter Brühe sieden, mit Petersilie und einer Safran-Gewürzmischung anrichten. Variante 2: in fingerbreite Stücke schneiden, abwechselnd mit Salbeiblättern auf einen Spieß stecken, über Glut braten und dabei mit einem Rosmarinzweig ölen. Für die Markgrafen (pro Marchionibus) - die Standes-Adresse markiert es als gehobenes Gericht.
Aal ist in vielen Regionen eine geschützte Art und Wildfang ist oft nicht nachhaltig. Achte beim Kauf auf Zuchtaal aus verantwortungsvollen Quellen oder wähle als Alternative Welsfilet oder Lachsforelle, die eine ähnliche Textur und Fettgehalt haben.
Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Sowohl das Kochen im Topf als auch das Braten am Spieß lassen sich hervorragend über offenem Feuer zubereiten. Die Zutaten sind robust und benötigen keine spezielle Kühlung.
‚Rore marino' ist die lateinische Bezeichnung für Rosmarin, wörtlich übersetzt ‚Meerestau'. Es bezieht sich hier auf das Kraut selbst, das zum Befeuchten der Aalscheiben verwendet wird, um Aroma abzugeben.
Dieses Rezept stammt aus dem Registrum Coquine (~1431-1435, Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz). Das älteste erhaltene Kochbuch eines namentlich bekannten päpstlichen Küchenmeisters. Johannes von Bockenheim kochte ab 1417 für Papst Martin V.; sein Registrum (~1431-1435) verzeichnet 80 Rezepte mit Angaben, für welche Nationalitäten oder Stände sie geeignet sind - für Italiener, Deutsche, Böhmen, Frauen, Adelige, Söldner, Mönche u.v.m. Das macht es zum einzigen mittelalterlichen Kochbuch mit expliziter Zielgruppenzuordnung.
häute ihn - die dicke Aalhaut nach Rundschnitt hinter dem Kopf abziehen
Spieß (Bratspieß)
Salbeiblätter zwischen die Aalstücke stecken - würzen von innen und schützen die Schnittflächen
"befeuchte sie mit Rosmarin" - beim Braten nachsetzen, am praktischsten mit einem Rosmarinzweig Öl/Aufguss aufstreichen
Rosmarin (wörtlich "Meerestau")
"für die Markgrafen" - markiert das Gericht als gehoben
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