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Aal in würziger Brotsauce

Wel ende edelike spijse · Gent, Flandern · 1475

FischHauptspeise · FischLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 6/10BrotBrot / BackwerkFischFastenspeiseHöfische KücheHofküche
Zubereitungszeit40 Min.Portionen2-3 PersonenBuchVon guten und edlen Speisen (Wel ende edelike spijse) (~1475)

Wer Aal zubereiten möchte, der siede ihn oder aalähnliche Fischstücke in Wasser zusammen mit braunem Brot. Reibe sodann Pfeffer, Safran, Petersilie und eine Brotkrume fein. Vermische diese geriebenen Zutaten gut miteinander und temperiere sie mit feiner Brühe. Koche die Sauce gut auf und gib Wein hinzu.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
paeldinc Aal Fischhändler (Zuchtaal). Nur Wildfang steht unter CITES-Anhang-II-Schutz und gilt als vom Aussterben bedroht; Zuchtaal ist davon nicht betroffen. Alternativ Zucht-Wels. Welsfilet (Zucht)
bru wette Braunes Brot - -
watre Wasser Leitung -
peper Pfeffer - -
soffraen Safran gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
pedercelle Petersilie - -
crume broods Brotkrume - -
finen zope Feine Brühe - -
wijn Wein - -
Wo bekomme ich Aal?

Wildfang-Aal gilt heute als vom Aussterben bedroht (IUCN 'Critically Endangered') und steht unter CITES-Anhang-II-Schutz, ist daher nicht zu empfehlen. Zuchtaal ist davon nicht betroffen und beim Fischhändler ganz normal erhältlich - das ist die empfohlene Bezugsquelle für dieses Rezept. Wer lieber ganz auf Aal verzichtet, findet in Zucht-Wels eine geschmacklich ähnliche Alternative, den du beim Fischhändler oder in gut sortierten Supermärkten findest. Auch geräucherte Makrele oder Forelle können eine interessante Alternative sein.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Dieses Rezept ist nicht ideal für die direkte Zubereitung am Lager. Die Sauce erfordert präzises Reiben und Kochen, und die Kühlung von frischem Fisch kann eine Herausforderung sein. Es ist besser, die Sauce zu Hause vorzubereiten und den Fisch frisch am Lager zu garen, oder das Gericht komplett zu Hause zuzubereiten.

Aus welcher Handschrift stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus der Handschrift UB Gent 1035, einer mittelniederländischen Rezeptsammlung mit dem Titel „Wel ende edelike spijse“ (Gutes und edles Speisen). Sie wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Flandern verfasst und ist die einzige vollständig erhaltene mittelniederländische Rezeptsammlung dieser Epoche. Eine digitale Edition ist auf coquinaria.nl (Christianne Muusers, 2020) verfügbar.

Was ist ein 'Mörser' - brauche ich einen Mörser und Stößel?

Im mittelalterlichen Kochkontext war der 'Mörser' oft ein großer Fleischmörser aus Stein oder Metall, der zum Zerstoßen von Fleisch, Fisch oder Nüssen zu feinen Pasten diente. Für dieses Rezept, das das Reiben von Gewürzen und Brot verlangt, kannst du einen modernen Küchenmixer oder Food Processor verwenden, um eine feine Paste zu erhalten. Ein kleiner Gewürzmörser ist für die Gewürze ausreichend, aber für die Brotkrume wäre ein größerer Mörser oder eine Küchenmaschine effizienter.

Die wille paeldinc heeten verwallen ghelikeder tincken met eenen bru wette zieden in watre ende wryuet peper soffraen pedercelle ende een crume broods wriuet deen metten anderen ende tempert met finen zope ende ziedet wel ende doeter wijn toe
paeldinc

Aal oder ein aalähnlicher Fisch.

ghelikeder tincken

Wörtlich ‚gleichartige Stücke‘, hier im Sinne von ‚aalähnliche Stücke‘.

bru wette

Braunes Brot, das hier mitgekocht wird, um Geschmack und Bindung zu geben.

zieden

Sieden oder kochen.

wryuet

Reiben oder im Mörser zerstoßen.

crume broods

Eine Brotkrume, die hier als Bindemittel für die Sauce dient.

finen zope

Feine Brühe, wahrscheinlich eine klare Fleisch- oder Gemüsebrühe.

Handschrift
Wel ende edelike spijse
Sprache
Mittelniederländisch (2. Hälfte 15. Jh.)
Entstehung
Gent, Flandern, 1475

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartpaeldinc heeten verwallen ghelikeder tincken

Gewählte Lesart: ‚Wer Aal kochen will, der siede ihn oder aalähnliche Fischstücke‘. Die Formulierung deutet darauf hin, dass entweder Aal selbst oder ein anderer Fisch, der in aalähnliche Stücke geschnitten wird, verwendet werden kann.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚Wer Aal kochen will, der siede ihn wie gleichartige Stücke‘. - Diese Lesart betont die Art und Weise des Schneidens und Siedens des Aals, ohne unbedingt eine Alternative zu implizieren. Der Kontext der Rezeptsammlung, die oft Alternativen für teure Zutaten bietet, macht die erste Lesart jedoch plausibler.

Lesartbru wette / crume broods

Gewählte Lesart: Das Rezept unterscheidet zwischen ‚braunem Brot‘, das mit dem Fisch gesiedet wird, und einer ‚Brotkrume‘, die mit den Gewürzen gerieben und in die Sauce gegeben wird. Dies deutet auf zwei unterschiedliche Funktionen und Texturen des Brotes hin.

Andere mögliche Lesart:

  • Beide Begriffe könnten sich auf die gleiche Art von Brot beziehen, das einmal grob und einmal fein verwendet wird. - Es ist möglich, dass das Rezept einfach verschiedene Verwendungsformen des gleichen Brotes beschreibt. Die explizite Nennung von ‚braunem Brot‘ und ‚Brotkrume‘ legt jedoch eine bewusste Unterscheidung nahe, sei es in der Art des Brotes oder der Zubereitung.

Originalwerk (~1475) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 016, Universiteitsbibliotheek Gent, BHSL.HS.1035 (ca. 1475), Public Domain
Transkription
Coquinaria.nl - Christianne Muusers, Digitale Edition 2020 (Hs. UB Gent 1035) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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Aus unseren ersten Übersetzungen. Dieses Rezept gehört zu unseren früh erschlossenen Texten und wird vielleicht noch einmal überprüft. Wir gehen die Rezepte gelegentlich erneut durch, wenn wir neue Erkenntnisse gewinnen.

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