Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Nimm Fisch, wie Hecht und andere gute Fische, die du zu einem Gericht zubereiten möchtest. Hacke sie in Stücke und gib sie in einen Topf. Gieße Wein und Essig in Maßen hinzu, zusammen mit sauberem Salz, und koche die Fische gut durch.
Sobald sie gar gekocht sind, gib Ingwer, Zimt, Nelken, Galgant, Anis, Pfeffer und Safran hinzu. Vermische alles behutsam, sodass es einen guten Geschmack annimmt, und lass es mit den Fischen noch einmal aufwallen. Lege die Fische dann in eine Schüssel und lass sie kalt werden.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| visch hecht vnd annder guot visch | Fisch (z.B. Hecht) | - | Fischhändler, Supermarkt | Karpfen, Zander oder andere feste Weißfische |
| wein | Wein | - | - | - |
| essich zue massen | Essig (in Maßen) | - | - | - |
| sauber salcz | Sauberes Salz | - | - | - |
| ain ymber | Ingwer | - | - | - |
| zymet | Zimt | - | - | - |
| Nagelein | Nelken | - | - | - |
| galgannt | Galgant | - | Asialaden, gut sortierter Supermarkt | Ingwer (für Schärfe) und etwas Muskat (für Aroma) |
| Anis | Anis | - | - | - |
| pfeffer | Pfeffer | - | - | - |
| Saffran | Safran | - | Gut sortierter Supermarkt, Feinkostladen | - |
Welches Gericht ist das? Der Werktitel „Eingemacht vische“ und das Wort „gabraide“ (von der CoReMA-Wikidata-Glossierung eigens als Aspik/Gelee identifiziert) verorten das Gericht sicher in der Gattung Fisch-Aspik. Die unmittelbare lebende Verwandtschaft ist die klassische deutsche Sülze bzw. das Fischgelee, wie es etwa als Karpfen in Aspik bis heute zubereitet wird.
Was heißt „gesiedennt also”? Die Schlussanweisung ist die einzige wirklich unklare Stelle im Rezept - offenbar schon dem Schreiber selbst rätselhaft (Randnotiz „gesiedennt also ?!“). Das Wort ist ein echter Hapax, auch die CoReMA-Glossierung erfasst es nicht. Seine Wurzel erinnert an „sieden“ (kochen), was direkt nach „lass kalt werden“ aber keinen schlüssigen Sinn ergibt. Eine frühere Lesart übersetzte großzügig mit „bis der Sud geliert ist“ - das ist eine plausible, aber sprachlich nicht belegte Vermutung. Anders als die verwandten Rezepte wes-007 (dort wird die kollagenreiche Fischhaut eigens abgeschabt und in den Sud zurückgerührt) oder teg-009 (dort sorgt ausdrücklich Hausenblase für die Gelierung) nennt dieser Text keine Technik, mit der die Gelierung erreicht wird - möglich, dass Meister Hans sie als selbstverständlich voraussetzt und nicht ausschreibt.
Praxis. Schneide den Fisch in Stücke und gare ihn in einem Sud aus Wein und etwas Essig mit sauberem Salz, bis er durch ist. Gib dann Ingwer, Zimt, Nelken, Galgant, Anis, Pfeffer und Safran hinzu, verrühre alles behutsam und lass es mit dem Fisch noch einmal kurz aufwallen. Danach die Fischstücke in eine Schüssel legen und den Sud darüber gießen. Der Text von mha-148 selbst nennt keine Gelier-Technik - ob der Sud von allein fest genug wird, ist offen. Der Twin wes-007 beschreibt für dasselbe Gattungsrezept eine konkrete, historisch belegte Lösung: Die Fischhaut wird nach dem Garen abgenommen, im Mörser fein gerieben, mit der Fischbrühe vermischt und durch ein Sieb passiert - das darin gelöste Kollagen der Haut geliert die Flüssigkeit beim Abkühlen. Wer diese Technik auf mha-148 übertragen will (als begründete, dem Korpus entlehnte Ergänzung, nicht als Bestandteil des Originaltextes): die Haut des Hechts nach dem Garen abnehmen, fein reiben, mit dem Sud verrühren und passieren, bevor die Gewürze dazukommen. Modern geht es auch einfacher mit Blattgelatine. Wichtig zur Lagerung: Das Gericht gehört in den Kühlschrank und sollte innerhalb weniger Tage verzehrt werden.
Galgant ist ein Ingwergewächs mit scharf-zitronigem Aroma. Du findest es frisch oder als Pulver in Asialäden oder gut sortierten Supermärkten. Alternativ kannst du Ingwer für die Schärfe und eine Prise Muskat für eine ähnliche Aromanote verwenden.
Die Zubereitung des Fisches ist am Feuer gut machbar. Die Herausforderung liegt im Kühlen - ohne Kühlmöglichkeit im Lager ist das schwierig. Ideal ist es, das Gericht zu Hause vorzubereiten und gekühlt mitzubringen.
Nicht sicher geklärt - das Wort ist ein echter Hapax und wird auch von der CoReMA-Wikidata-Glossierung nicht erfasst. Die Wortwurzel erinnert an 'sieden' (kochen), was direkt nach der Anweisung 'kalt werden lassen' aber keinen klaren Sinn ergibt. Dass das Gericht insgesamt ein Aspik ist, steht davon unabhängig fest - das Wort 'gabraide' im Text wird von CoReMA eigens als Aspik/Gelee identifiziert. Wie genau die Gelierung in diesem Rezept erreicht wird, sagt der Text aber nicht - anders als etwa beim Tegernseer Sulzfisch (teg-009, der ausdrücklich Hausenblase nennt) oder dem Genter Hechtgelee (wes-007, das die kollagenreiche Fischhaut eigens abschabt und unterrührt).
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Ein zubereitetes Gericht - die CoReMA-Wikidata-Glossierung identifiziert die Stelle konkret als Aspik/Gelee (Q837480), nicht nur als allgemeinen Speisebegriff. Das ist der eigentliche Beleg für die Gattungszuordnung dieses Rezepts, unabhängig vom unklaren Schlusswort „gesiedennt also“ (siehe dort).
Bezeichnet hier einen Topf oder ein großes Gefäß, in dem die Fische gekocht werden.
Bedeutet ‚in Maßen‘ oder ‚nach Belieben‘, lässt dem Koch Spielraum bei der Menge.
‚Gemach’ bedeutet ‚behutsam’ oder ‚sacht’ - die Gewürze sollen langsam und gleichmäßig eingearbeitet werden. Alternativlesart: ‚in angemessener Weise’ (richtig abschmecken). Im Transkript durch Zeilenumbruch als ‚gem ach’ getrennt.
Ein leichtes Aufkochen oder Simmern, um die Aromen der Gewürze zu entfalten.
Echter Hapax - das Wort kommt im Korpus sonst nicht vor und wird auch von der externen CoReMA-Wikidata-Glossierung nicht erfasst (anders als „gabraide“, siehe dort). Die Wortwurzel erinnert an „sieden“ (kochen/simmern), was direkt im Anschluss an „lass kalt werden“ aber keinen schlüssigen Sinn ergibt. Eine frühere Lesart übersetzte dies als „bis der Sud geliert ist“ - das ist eine plausible, aber sprachlich nicht sauber belegte Vermutung, keine gesicherte Übersetzung. Bereits der Schreiber selbst hat die Stelle offenbar als rätselhaft empfunden (Randnotiz „gesiedennt also ?!“).
Im Werktitel „Eingemacht vische“ meint das Wort nicht Eingekochtes im heutigen Sinn (Marmelade, Konserve), sondern ein in Sud bzw. Gelee eingelegtes Gericht.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| visch hecht vnd annder guot visch | fish Q600396 |
| wein | wine Q282 |
| essich zue massen | vinegar Q41354 |
| sauber salcz | table salt Q11254 |
| ain ymber | ginger Q15046077 |
| zymet | cinnamon Q28165 |
| Nagelein | clove Q15622897 |
| galgannt | lesser galangal Q27653540 |
| Anis | anise Q33873455 |
| pfeffer | pepper Q3143131 |
| Saffran | saffron Q25434 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
gesiedennt also
Gewählte Lesart: Die genaue Bedeutung dieser Schlusswendung ist ungeklärt - echter Hapax, auch von CoReMA nicht glossiert. Eine frühere Fassung übersetzte 'bis der Sud geliert ist', gestützt auf die Annahme kollagenreicher Fischhaut/-knochen und den Vergleich mit wes-007/teg-009 - das bleibt aber eine Vermutung: 'sieden' bedeutet wörtlich kochen/simmern, nicht gelieren, und anders als wes-007 (Haut wird abgeschabt und untergerührt) oder teg-009 (Hausenblase) nennt dieser Text keine Gelier-Technik.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.