Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350
Reibe Knoblauch mit Salz - schäle die Zehen dabei gut. Mische sechs Eigelb dazu, ohne das Eiweiß. Nimm Essig und ein wenig Wasser hinzu, achte darauf, dass es nicht zu sauer wird. Lass die Mischung aufwallen, sodass sie dicklich bleibt. Mit dieser Sauce kann man gebratene Hühner, Morcheln, Pilze oder was immer du möchtest, zubereiten.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| knobelauch | Knoblauchknolle | 1 | Supermarkt | - |
| saltze | Salz | 1 Prise | - | - |
| sehs eyer dar zvo on daz wisse | Eigelb | 6 | - | - |
| ezzig | ca. 50 ml Essig | 50 ml | - | - |
| ein wenic wazzers | ca. 20 ml Wasser | 20 ml | Leitung | - |
Welches Gericht ist das? Eine warme, säuerliche Knoblauch-Eigelb-Sauce - der italienischen agliata funktional verwandt (dort mit Brot statt Ei gebunden), technisch aber näher an der Eigelb-Säure-Familie wie Sabayon oder Hollandaise: Eigelb wird mit Essig warm angedickt, ohne zu kochen. Eine kalte Verwandte ist die Aioli (rohe Eigelb-Knoblauch-Emulsion). Sie wird zu gebratenem Geflügel, Morcheln und Pilzen gereicht.
Knoblauch mit Salz reiben. Der knobelauch wird mit saltze zur Paste gerieben, die Zehen zuvor gut geschält (die haubt schele schone - „haubt" meint hier die Knoblauchköpfe/-zehen selbst, nicht deren Häute).
Eigelb als Bindung. Sechs Eigelb on daz wisse (ohne das Eiweiß) binden die Sauce. Der Zwilling im Königsberger Kochbuch (koe-024, die heubptt schoelle schone) folgt fast wortgleich derselben Zutatenfolge, verwendet an dieser Stelle nach seiner primären Lesung aber das Eiweiß statt des Eigelbs und bleibt roh statt erhitzt - koe-024 selbst weist die zugrundeliegende Lesung als Homograph-Crux (an/ane) aus, die Variante ist also nicht restlos gesichert.
Behutsam aufwallen. Erwallen, daz blibe ist der heikle Punkt: die Sauce soll gerade andicken und dabei gebunden bleiben, nicht kochen - sonst gerinnt das Eigelb. Niht zvo sur - der Essig wird mit etwas Wasser zurückgenommen, damit die Säure die Sauce nicht überlagert. Der Text nennt weder Hitzequelle noch Rührtechnik; das Andicken einer reinen Eigelb-Essig-Mischung ohne Gerinnen ist auch mit heutigem Wissen ein schmaler Grat, besonders über offenem Feuer.
Praxis. Die Zehen einer Knoblauchknolle schälen und mit einer Prise Salz zur Paste reiben, 6 Eigelb unterrühren, mit ca. 50 ml Essig und 20-50 ml Wasser verrühren (langsam abschmecken, nicht zu sauer). Bei kleinster Hitze unter Rühren nur eben andicken lassen, nicht kochen - im Zweifel lieber vom Feuer nehmen und nachrühren als riskieren, dass das Eigelb gerinnt. Warm zu gebratenem Huhn, Morcheln oder Pilzen reichen.
Nein, alle Zutaten sind gängig und in jedem Supermarkt erhältlich. Achten Sie auf frische Eier und guten Essig.
Eingeschränkt. Zutaten und Grundtechnik sind einfach und schnell vorbereitet, aber die Sauce ist eine reine Eigelb-Bindung ohne Brot oder Stärke - sie darf nur andicken, nicht kochen, sonst gerinnt das Eigelb. Über offenem Feuer mit schwankender Glut ist das schwerer zu treffen als am heimischen Herd; wer wenig Erfahrung mit Eigelb-Saucen hat, sollte kleine Hitze und ständiges Rühren einplanen.
'On daz wisse' bedeutet 'ohne das Weiße', also sollen nur die Eigelb verwendet werden. 'Erwallen' bedeutet 'aufwallen lassen', die Sauce soll also nur kurz erhitzt werden, bis sie andickt, aber nicht stark kochen.
Dieses Rezept stammt aus „Das Buch von guter Speise“. Ältestes deutsches Kochbuch, entstanden um 1350 im Haushalt des Würzburger Bischofs. 96 Hauptrezepte plus 5 in der Gloning-Edition als Sub-Rezepte gezählte Folge-/Variantenrezepte (5a, 27a, 32a, 74a, 77a).
„Haubt" ist hier mhd. houbet (Haupt/Kopf), nicht „Haut" (hût) - gemeint sind die Knoblauchzehen/-köpfe selbst, die vor dem Reiben gut geschält werden sollen.
Ohne das Eiweiß - nur die sechs Eigelb binden die Sauce; das Eiweiß würde beim Erhitzen flocken.
Nur aufwallen, bis sie andickt und gebunden bleibt - nicht durchkochen, sonst gerinnt das Eigelb.
Morcheln und (andere) Pilze - „swemme" ist der Sammelbegriff für Pilze, nicht eine eigene Pilzart.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| knobelauch | garlic Q21546392 |
| saltze | table salt Q11254 |
| sehs eyer dar zvo on daz wisse | yolk Q16336079 |
| ezzig | vinegar Q41354 |
| ein wenic wazzers | water Q283 |
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 4-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.