Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Nimm das Reiherfleisch von den Knochen. Hacke es klein und stoße es anschließend in einem Mörser zu einer feinen Farce.
Gib Weißbrot und Eiklar hinzu und schlage alles gut miteinander durch. Lasse die Masse gut aufwallen und würze sie kräftig. Serviere das Gericht.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Raigerpain / fleisch | Reiherfleisch | - | ⚠ Artenschutz: Reiher sind streng geschützt und dürfen nicht gejagt oder gehandelt werden. Als Alternative kann Geflügelfleisch (z.B. Ente, Gans) verwendet werden. | Entenbrust oder Gänsebrust |
| weiss prot | Weißbrot | - | - | - |
| ayer klar | Eiklar | - | - | - |
| gewurcz | Gewürze | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Reihermus gehört zur spätmittelalterlichen Familie der Mortrews: mageres Fleisch wird fein gemörsert, mit eingeweichtem Weißbrot und Eiklar gebunden, gewürzt und gegart. Am nächsten verwandt ist das bereits verlinkte Mortrews von Huhn und Schwein (foc-043) - gleiches Grundprinzip aus gehackter, gemörserter Fleischmasse mit Brot-Ei-Bindung. Reiher galt als hochgeschätzte Jagdbeute der Falknerei und stand auf herrschaftlichen Tafeln; heute ist er streng geschützt, weshalb sich die Zubereitung nur mit anderem Geflügel nachvollziehen lässt.
Zur Textur. Das Fleisch wird von den Knochen gelöst, klein gehackt und im Mörser zu einer feinen Farce gestoßen - der Text nennt keine Mengenangaben für Brot und Eiklar, hier hilft nur schrittweises Herantasten: wenig Weißbrot einweichen, mit dem Fleisch und etwas Eiklar vermengen und die Konsistenz prüfen, bis eine geschmeidige, gut bindende Masse entsteht.
Zum Garen. Die Anweisung lautet, die Masse gut aufwallen zu lassen. Der Text sagt nicht, worin - ob direkt im Topf, in Wasser oder in Brühe, bleibt offen. Ein sanftes Garen bei nicht zu starker Hitze ist naheliegend, damit die Farce nicht austrocknet.
Zur Würze. Das Original nennt kein einziges konkretes Gewürz, nur die Anweisung, gut zu würzen. Zeittypisch wären etwa Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskat oder Safran denkbar, doch welche davon hier tatsächlich verwendet wurden, ist aus dem Text nicht zu erschließen. Serviert wird das Mus ohne weitere Angabe im Rezept.
Reiher sind heute streng geschützt und dürfen nicht gejagt oder gehandelt werden. Als ethisch vertretbare Alternative kannst du Enten- oder Gänsebrust verwenden, um eine ähnliche Textur und einen kräftigen Geschmack zu erzielen.
Nein. Reiherfleisch ist heute nicht erhältlich und die Zubereitung einer feinen Farce im Mörser ist aufwendig. Zuhause vorbereiten.
Im mittelalterlichen Kochkontext ist ein Mörser ein großes, schweres Gefäß aus Stein oder Metall, das mit einem kräftigen Stößel zum Zerkleinern und Pürieren von Fleisch oder anderen Zutaten verwendet wurde. Für eine feine Farce wie in diesem Rezept kannst du heute eine Küchenmaschine oder einen Blender verwenden. Wer authentisch arbeiten möchte, benötigt einen großen Granit-Mörser und einen schweren Holzstößel.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Reiherknochen. Das Rezept impliziert, dass das Fleisch von den Knochen gelöst wird.
Eiklar, also das Eiweiß. Im Mittelalter oft verwendet, um Speisen hell zu halten oder zu binden.
Aufwallen lassen, zum Kochen bringen.
Würze es gut. Typische mittelalterliche Gewürze wären Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskat oder Safran.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Raigerpain / fleisch | meat Q10990 |
| weiss prot | white bread Q1501889 |
| ayer klar | egg white Q796758 |
| gewurcz | spice Q42527 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Raigerpain klain als dann das fleisch ist dauon nym
Gewählte Lesart: Nimm das Reiherfleisch von den Knochen. Die Anweisung, die Knochen klein zu stoßen, könnte für eine spätere Verwendung (z.B. Brühe) gedacht sein, ist aber für die Farce nicht relevant.
Andere mögliche Lesart:
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 06.07.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.