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Fisch in würzigem Weinessig-Sud

The Forme of Cury · England · 1390

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10FischFastenspeiseHöfische KücheHofküche
Zubereitungszeit75 Min.Portionen4-6 PersonenBuchThe Forme of Cury (~1390)

Nimm Plötzen, ganze Schleien und Schollen und schneide sie in Stücke. Frittiere sie in Öl. Blanchiere Mandeln und frittiere auch diese. Gieße Wein und ein Drittel davon Essig hinzu, zusammen mit durchgeseihten Feigen. Füge scharfe Gewürzmischung und Salz bei. Koche diesen Sud auf. Lege den Fisch in eine irdene Schale und gieße den Sud darüber. Koche gehackte Zwiebeln und gib sie ebenfalls hinzu. Bewahre das Gericht auf und iss es kalt.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Roches 500 g Plötzen Fischhändler Karpfen oder andere Süßwasserfische
hole Tenches 500 g ganze Schleien Fischhändler Forellen oder andere Süßwasserfische
plays 500 g Schollen Fischhändler Flunder oder andere Plattfische
oyle Pflanzenöl zum Frittieren - -
blaunche almaundes 100 g blanchierte Mandeln - -
wyne 500 ml Weißwein - -
vyneger 250 ml Weinessig - -
fyges drawen 100 g durchgeseihte Feigen (Feigenmus) - Feigenmarmelade ohne Stücke
powdour fort 1-2 TL scharfe Gewürzmischung - -
salt Salz nach Geschmack - -
oynouns ymynced 2 Zwiebeln, gehackt - -

Welches Gericht ist das? Chysanne ist eine Escabeche: Fisch wird frittiert und dann in einem süß-sauren Wein-Essig-Sud mit Feigen, Gewürzen und Zwiebeln eingelegt, kalt aufbewahrt und kalt gegessen. Eng verwandt mit dem französischen Fisch-Cretonnee men-096 und dem in Öl gebackenen Hecht sev-084 - die mittelalterliche Vorform unserer eingelegten Bratheringe/Brathering-Sülze.

Frittieren als Konservierung. Fisch (und die Mandeln) werden in Öl ausgebacken; das Frittieren plus der saure Sud machen das Gericht haltbar - daher "kepe hit and ete it colde": aufbewahren und kalt verzehren. Der Sud zieht beim Stehen ein und der süß-saure Geschmack rundet sich ab.

Roches, Tenches, plays. Plötzen (Rotaugen), ganze Schleien und Schollen - eine Mischung aus Süßwasser- und Plattfisch. Modern gehen Karpfen, Forelle und Flunder.

þer pridde part. Essig im Verhältnis "ein Drittel" zum Wein, also zwei Teile Wein auf einen Teil Essig - mildere Säure als beim 1:1-Sud der Sülzen.

fyges drawen. Durchgestrichene (passierte) Feigen geben ein süßes Mus, das den Sud bindet und ihm die süß-saure Note gibt.

Praxis. Fisch in Stücke schneiden und in Öl frittieren, blanchierte Mandeln ebenso. Wein mit einem Drittel Essig, passiertem Feigenmus, powdour fort und Salz aufkochen. Fisch in eine irdene Schale legen, Sud darübergießen. Gehackte Zwiebeln kurz köcheln und zugeben. Durchziehen lassen und kalt servieren.

Was ist 'powdour fort' und wie stelle ich es her?

'Powdour fort' war eine scharfe Gewürzmischung des Mittelalters. Eine gängige Zusammensetzung ist: 2 Teile schwarzer Pfeffer, 1 Teil Ingwer, 1 Teil Zimt, 0,5 Teile Nelken und 0,5 Teile Galgant. Alle Gewürze fein mahlen und mischen. Du kannst die Mischung auch nach eigenem Geschmack anpassen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht ideal für die direkte Zubereitung und den Verzehr im Lager. Es ist als Konservengericht gedacht, das kalt gegessen wird und eine gewisse Zeit zum Durchziehen benötigt. Die Zubereitung der Sauce und das Frittieren des Fisches sind zwar am Lagerfeuer möglich, aber das Gericht ist für die Vorratshaltung konzipiert.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „The Forme of Cury“, einer der ältesten und bekanntesten englischen Rezeptsammlungen. Sie wurde um 1390 für den Hof von König Richard II. verfasst und bietet einen tiefen Einblick in die höfische Küche des Spätmittelalters in England.

Warum soll das Gericht kalt gegessen werden?

Viele mittelalterliche Fischgerichte, insbesondere solche mit Essig und Gewürzen, waren als Konservierungsform gedacht und wurden kalt serviert. Der Essig und die Gewürze halfen, den Fisch länger haltbar zu machen, ähnlich wie bei einer Beize oder einem Aspik. Kalt entfaltet sich der süß-saure Geschmack oft auch besser.

CHYSANNE . C Take Roches. hole Tenches and plays & sinyte hem to gobettes. fry hem in oyle blaunche almaundes. fry hem & cast wyne & of vyneger þer pridde part þerwith fyges drawen & do þerto powdour fort and salt. boile it. lay the Fisshe in an erthen panne cast the sewe þerto. seeþ oynouns ymynced & cast þerinne. kepe hit and ete it colde. Chysanne. Qu.
Roches

Plötzen, ein in Europa verbreiteter Süßwasserfisch.

Tenches

Schleien, ein Süßwasserfisch, der für sein festes Fleisch geschätzt wird.

Plays

Schollen, ein beliebter Salzwasser-Plattfisch.

gobettes

Stücke, Brocken.

blaunche almaundes

Blanchierte Mandeln, deren Haut entfernt wurde.

powdour fort

Eine mittelalterliche scharfe Gewürzmischung, typischerweise aus Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken und Galgant.

fyges drawen

Durchgeseihte oder pürierte Feigen, oft zu einer Paste oder einem Mus verarbeitet.

sewe

Sud, Brühe oder Sauce.

erthen panne

Eine Schale oder Pfanne aus Ton oder Keramik.

oynouns ymynced

Gehackte Zwiebeln.

seeþ

Sieden, kochen.

Handschrift
The Forme of Cury
Folio
Fol. 51 recto
Sprache
Mittelenglisch
Entstehung
England, 1390

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartþer pridde part

Gewählte Lesart: "Ein Drittel davon" bezieht sich auf den Essiganteil im Verhältnis zum Wein: zwei Teile Wein auf einen Teil Essig.

LesartChysanne / Qu.

Gewählte Lesart: Der Gerichtname "Chysanne" ist unsicherer Herkunft; das "Qu." am Ende ist eine Schreiber-/Editornotiz für lateinisch "quaere" (frage nach / unklar), die genau diese Unsicherheit markiert.

Originalwerk (~1390) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 51 recto, The University of Manchester Library, English MS 7 (John Rylands Library)
Transkription
Project Gutenberg - The Forme of Cury (ed. Samuel Pegge, 1780) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Frittieren und Sud aufkochen sind am Feuer gut machbar. Da kalt gegessen und als Einlege-Vorrat gedacht, am Vortag zubereiten und kalt durchziehen lassen.
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