München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384 · Südwestdeutschland · 1470
Sülze von Fisch: Bereite Fisch in Sülze wie folgt zu: Nimm Wein, Essig und Wasser und siede den Fisch darin. Lege ihn dann in kaltes Wasser und wasche den Fisch und die Schuppen damit von ihm ab. Seihe die Brühe durch und lege den Fisch so wieder hinein. Salze es sehr wenig.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| win | Wein | - | - | - |
| essich | Essig | - | - | - |
| wasser | Wasser | - | Leitung | - |
| visch | Fisch | - | Fischhändler, Supermarkt | - |
| saltz | Salz | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Dies ist im Geiste eine klassische Fischsülze oder ein Fisch-Aspik, bei dem der Fisch in einem würzigen Sud gart, der beim Erkalten geliert.
So gelingt es. Der Ablauf ist ungewöhnlich, aber effektiv: Zuerst den Fisch in Wein, Essig und Wasser gar ziehen lassen. Als Startpunkt kannst du die Flüssigkeiten etwa zu gleichen Teilen wählen, aber so, dass der Fisch gut bedeckt ist. Dann kommt der entscheidende Schritt: Den Fisch kurz in kaltem Wasser abwaschen. Das löst nicht nur eventuelle Schuppenreste, sondern auch den beim Kochen entstandenen Schaum, der die Sülze trüben würde. Den Sud danach unbedingt durch ein feines Tuch passieren, um ihn zu klären. Erst dann den sauberen Fisch wieder in den klaren Sud legen und nur sehr sparsam salzen. Gerade bei magerem Fisch kann es sein, dass der Sud nicht von selbst geliert; hier hilft ein zeittypisches Geliermittel wie Hausenblase oder Blütenpulver, oder modern etwas Blattgelatine.
So wird es richtig gut. Die Balance von Wein und Essig ist entscheidend für den Geschmack. Probiere den Sud vor dem Zurücklegen des Fisches und justiere die Säure. Ein Schuss Verjus statt eines Teils des Essigs macht die Säure milder und fruchtiger. Für mehr Tiefe kannst du zeittypisch etwas Pfeffer oder Ingwer mitkochen. Die Sülze sollte klar sein und fest genug, um den Fisch schön einzubetten. Serviere sie gut gekühlt, vielleicht mit etwas frischer Petersilie. Sicherheits-Hinweis: Historische Sülzen waren zur Konservierung gedacht. Heute solltest du die Sülze immer im Kühlschrank lagern und innerhalb weniger Tage verzehren, um die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten.
Im Mittelalter war eine Sülze (oder Aspik) eine Methode, Fleisch oder Fisch in einem gelierten Sud haltbar zu machen. Der Sud, oft auf Basis von Essig und Wein, wurde durch Kollagen aus Knochen oder Fischblasen gebunden und bildete eine schützende Schicht, die die Speise länger frisch hielt.
Eingeschränkt (Kühlung): Frischer Fisch und die fertige Sülze benötigen eine durchgehende Kühlkette, um die Haltbarkeit zu gewährleisten. Die Zubereitung selbst ist mit einfachen Mitteln am Feuer in etwa einer Stunde machbar.
Diese ungewöhnliche Reihenfolge könnte dazu dienen, die Schuppen durch das kurze Sieden zu lockern und das Entschuppen zu erleichtern. Es ist auch denkbar, dass es sich um eine Reinigung von restlichen Schuppen nach einer ersten groben Entschuppung handelt, bevor der Fisch in den geklärten Sud zurückgelegt wird.
Dieses Rezept stammt aus dem Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384) (2. Hälfte 15. Jh., Südwestdeutschland). Das umfangreichste der Münchner Kochbuchhandschriften und das letzte in CoReMA edierte: 83 alemannische (südwestdeutsche) Rezepte des späten 15. Jh., sauber rubriziert von einer Hand auf Bl. 076r-078r und 103v-115v. Schwerpunkt auf Saucen und Vorräten - zahlreiche Salsen (Sältz), Pfeffer- und Leberpfeffer-Saucen (auch schwarzer Pfeffer), Gumpost (eingelegtes süß-saures Gemüse/Obst), Latwergen, Senf sowie Kraut- und Gemüsegerichte. Die gelegentlich erwähnte hebräische Schrift betrifft nur spätere Marginal-Nachträge (Bl. Ir + 122v-123v), nicht die Kochrezepte. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M2 ediert; größtes Cross-Link-Potenzial zu den anderen Münchner Büchern (Cgm 725/349/811).
Sülze bezeichnet hier einen gelierten Fisch, der in einem würzigen Sud aus Wein, Essig und Wasser zubereitet wird. Solche Gerichte dienten oft der Haltbarmachung.
Die Anweisung, die Schuppen nach dem ersten Sieden zu entfernen, ist ungewöhnlich. Vermutlich sollte der Fisch so leichter zu entschuppen sein oder von restlichen Schuppen gereinigt werden, bevor er in den geklärten Sud zurückgelegt wird.
Mittelhochdeutsch für 'wenig' oder 'klein'. Hier im Sinne von 'sehr wenig salzen'.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| win | wine Q282 |
| essich | vinegar Q41354 |
| wasser | water Q283 |
| visch | fish Q600396 |
| saltz | table salt Q11254 |
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Stand dieser Fassung: 26.06.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.