Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465
Um weiße Zanzarelli zuzubereiten, nimm ein wenig Mandelmilch, geriebenes Weißbrot und Eiweiß. Gib gute Fleischbrühe - und besser noch wäre die von einem fetten Huhn - zusammen mit etwas Mandelmilch in einen Topf. Danach koche sie, wie oben beschrieben.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| un pocho de lacte de amandole | Etwas Mandelmilch | - | - |
| pane biancho grattugiato | Geriebenes Weißbrot | - | - |
| biancho de ovo | Eiweiß | - | - |
| bon brodo de carne | Gute Fleischbrühe | - | - |
| bon pollo grasso | Fettes Huhn (für Brühe) | Metzger | Hühnerbrühe aus dem Supermarkt |
Welches Gericht ist das?
Weiße Zanzarelli sind kleine, weiche Eierstich- bzw. Klößchen, die in heißer Brühe gar ziehen - die feine, helle Schwester der grünen Zanzarelli verdi (mar-048) aus Mehl, Ei und Käse. Wer eine Vorstellung sucht: das Ergebnis liegt zwischen Flädle/Pfannkuchenstreifen in der Suppe und kleinen Grießnockerln, nur dass hier nicht Grieß, sondern geriebenes Weißbrot, Mandelmilch und Eiweiß die Masse bilden. Es ist eine klassische höfische Suppeneinlage des 15. Jahrhunderts.
Die weiße Variante. Während die grünen und gelben Zanzarelli Mehl, Eier und Käse zu einem festen Teig kneten, setzt Martino die weiße Version auf lacte de amandole (Mandelmilch), pane biancho grattugiato (geriebenes Weißbrot) und biancho de ovo (Eiweiß). Kein Eigelb, kein Safran, kein Käse - daher bleibt die Masse hell. Die Mandelmilch macht sie zugleich fastentauglicher und gibt einen milden, süßlichen Grundton.
Was heißt „como è ditto di sopra“? Martino verweist auf das unmittelbar zuvor stehende Zanzarelli-Grundrezept (mar-048 und die gelbe Variante). Dort wird die Masse zu kleinen Klößchen oder Nocken geformt und in der Brühe gegart, bis sie aufsteigen. Genau dieses Verfahren ist hier gemeint - das Originalrezept spart es als bekannt aus.
Praxis. Etwa 100 g geriebenes Weißbrot (ohne Rinde, gut abgetrocknet) mit 2-3 Eiweiß und so viel Mandelmilch verrühren, dass eine dicke, gerade noch formbare Masse entsteht - lieber zu fest als zu weich, sonst zerfällt sie. 10 Minuten quellen lassen. In einem Topf eine kräftige Hühnerbrühe (am besten von einem fetten Suppenhuhn) mit einem Schuss Mandelmilch erhitzen, aber nur leise simmern lassen (ca. 85 Grad, nicht sprudelnd kochen). Mit zwei Teelöffeln kleine Nocken abstechen oder mit nassen Fingern Klößchen formen und 3-5 Minuten ziehen lassen, bis sie oben schwimmen. Sofort in der Brühe servieren. Ist die Masse zu locker, hilft ein Löffel mehr geriebenes Brot.
Obwohl 'zanzarelli' im modernen Italienisch 'Mücken' bedeutet, handelt es sich in diesem Rezept um kleine, weiche Klößchen oder Nocken, die in Brühe pochiert werden. Sie sind eine Art feine Teigware.
Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung der Klößchen und das Pochieren in Brühe lassen sich problemlos über offenem Feuer oder auf einem Kocher bewerkstelligen. Geriebenes Brot kann man fertig mitbringen.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Libro de Arte Coquinaria' von Maestro Martino da Como, einem der bedeutendsten Kochbücher des 15. Jahrhunderts. Es wurde um 1465 in norditalienischem Volgare verfasst und spiegelt die gehobene Küche der italienischen Renaissance wider.
Maestro Martino verweist mit 'como è ditto di sopra' (wie oben beschrieben) auf eine zuvor in seinem Kochbuch erklärte Zubereitungsart. Im Kontext der 'Zanzarelli' ist damit das übliche Verfahren gemeint, kleine Teigwaren in heißer Brühe gar zu ziehen, also zu pochieren.
Kleine, weiche Klößchen oder Eierstich-Nocken als Suppeneinlage. Trotz der Ähnlichkeit zum heutigen italienischen Wort für „Mücken“ nicht damit verwandt.
Geriebenes Weißbrot.
Eiweiß.
Fleischbrühe.
Fettes Huhn, hier zur Herstellung einer kräftigen Brühe.
Ein irdener Kochtopf.
Wie oben beschrieben - Verweis auf eine frühere Rezeptanweisung.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
cocili como è ditto di sopra
Gewählte Lesart: „Koche sie, wie oben beschrieben“ verweist auf das unmittelbar vorausgehende Zanzarelli-Grundrezept (mar-048): die Masse zu kleinen Klößchen formen und in der heißen Brühe gar ziehen lassen, bis sie aufsteigen.
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.