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Gekochter Mandelwecke mit Mandelsauce

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit90 Min.Portionen4 PersonenBuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Wenn du einen Mandelwecke machen willst, so nimm gestoßene Mandeln zu einer Milch und siede sie und schütte sie ab und lass es erkalten und mach es wie einen Butterwecke. Und (lege es auf) eine Schüssel und gieße Mandelmilch darum und Zucker darauf und trage es auf.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
gestozzen zvo einer milich 200 g Mandeln, gemahlen - -
zvo einer milich 500 ml Wasser Leitung -
ein mandelmilch drvemme 200 ml Mandelmilch (flüssig) - -
zucker dor vf 2 EL Zucker - -

Welches Gericht ist das? Ein gestockter Mandel-Pudding aus Fastentagen - dicke Mandelmilch wird so weit eingekocht, dass sie beim Erkalten zu einer schnittfesten Masse wird, die man wie einen kleinen Brotlaib (buter wecke) formt. Verwandt ist das mit den geformten Mandelmassen wie dem Mandelkäs (mha-004) und dem Mandelquark (mha-005). Anders als bei diesen wird hier kein Geliermittel (Hausenblase) verwendet - die Masse bindet allein durch das Eindicken der Mandelmilch.

Abgießen oder Abseihen? Der Text sagt nach dem Sieden nur knapp vnd schuet - und schütte ab. Das Verb meint eher das Abgießen/Abseihen der gekochten Masse als ein bloßes Umfüllen in eine Form; das stützen auch andere Mandelmilch-Rezepte des Korpus, in denen die gekochte Masse durch ein Tuch geschlagen wird (vgl. mha-004). Erst danach wird die Masse geformt und fest.

Praxis. Mandeln fein mahlen, mit wenig Wasser zu einer dicken Mandelmilch verrühren - deutlich konzentrierter als die dünne Trinkmilch - und unter Rühren einkochen, bis die Masse merklich eindickt; ein genaues Verhältnis oder eine Kochzeit nennt der Text nicht, hier hilft Erfahrung. Die heiße Masse abgießen bzw. durch ein Tuch abseihen, in eine Form füllen und vollständig auskühlen und fest werden lassen. Den erkalteten Laib stürzen, wie einen kleinen Butterwecken formen, auf eine Schüssel oder einen Teller legen, ringsherum mit kalter, dünnerer Mandelmilch übergießen und mit Zucker bestreuen.

Wie dickt die Mandelmasse ein, das Rezept erklärt das nicht?

Das Rezept setzt voraus, dass Ihr die Mandelmilch deutlich konzentrierter ansetzt als die übliche dünne Trinkmilch - viel gemahlene Mandeln, wenig Wasser. Beim Kochen bindet die Masse durch die Feststoffe und das Fett der Mandeln selbst, ganz ohne Ei, Stärke oder Gelatine; ein genaues Verhältnis oder eine Kochzeit nennt der Text nicht, hier hilft Erfahrung - kocht, bis die Masse deutlich eindickt. Danach wird sie abgegossen bzw. abgeseiht, in eine Form gefüllt und muss vollständig auskühlen, um fest zu werden. Alternativ kann man einen Teelöffel Speisestärke einrühren, das ist aber nicht historisch.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, die direkte Zubereitung am Lager ist aufgrund des Zeitaufwands für das Mahlen der Mandeln, das Kochen und Eindicken der Mandelmilch sowie die Kühlzeit nicht ideal. Ihr könnt den Mandelwecke jedoch hervorragend zu Hause vorbereiten und als fertige Speise mit zum Lager bringen. Dort muss er nur noch angerichtet werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'Das Buch von guter Speise', einem der ältesten bekannten Kochbücher in deutscher Sprache, das um 1350 in Süddeutschland (vermutlich Würzburg) verfasst wurde. Es spiegelt die Esskultur des gehobenen Bürgertums und Adels wider und enthält viele Rezepte für Fastenzeiten, in denen auf tierische Produkte verzichtet wurde.

Was bedeutet 'wecke' im Rezept?

Im Kontext dieses Rezepts bedeutet 'wecke' eine geformte Masse, die einem Brötchen oder Kuchen ähnelt, aber nicht gebacken, sondern durch Kochen und Erkalten fest wird. Es ist eine Art Mandel-Pudding oder -Käse, der in Form gebracht wird.

Einen mandel wecke. So du denne wilt machen einen mandelwecke, so nim aber gestozzen zvo einer milich. vnd suet die vnd schuet vnd laz ez erkueln vnd mach in als ein buter wecke vnd ein schuezzeln vnd guez ein mandelmilch drvemme vnd zucker dor vf vnd gib in hin.
wecke

Ein länglicher, laibförmiger Brotwecken. Hier nur als Formvergleich: Die gestockte Mandelmasse soll zu einem solchen Laib geformt werden, nicht gebacken.

gestozzen

Zerstoßen, im Mörser zermahlen - der erste Schritt der Mandelmilch-Herstellung.

suet

Siedet, kocht - hier ist gemeint, die Mandelmilch so lange einzukochen, bis sie eindickt.

buter wecke

Ein Butterwecken: ein länglicher, oben gewölbter Weißbrotlaib im Kleinformat. Der Vergleich erklärt allein die Form, in die die feste Mandelmasse gebracht wird.

drvemme

Darum, ringsherum - die flüssige Mandelmilch wird rings um den geformten Laib gegossen, nicht von oben darüber.

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 163v
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartvnd schuet

Gewählte Lesart: 'Und schütte (sie) ab' - schuet meint hier das Abgießen/Abseihen der gekochten Mandelmasse, nicht das bloße Ausgießen in eine Form.

Andere mögliche Lesart:

  • 'Und gieße (sie) aus' (schuet = in eine Form gießen) - Der knappe, elliptische Text lässt offen, wohin genau geschüttet wird; andere Mandelmilch-Rezepte des Korpus (etwa mha-004) belegen aber den Abseih-Schritt als eigenen Verfahrensschritt vor dem Formen.

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 163v, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Die dicke Mandelmilch muss am Feuer eingekocht werden, das ginge am Lager - aber die Masse muss danach mehrere Stunden kalt durchziehen, bis sie schnittfest ist. Besser zu Hause vorbereiten und fertig geformt mitbringen, am Lager nur übergießen und zuckern.
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