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Gefüllte Schweinedärme mit Flomen und Brot

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

SchweinHauptspeise · SchweinLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10BrotBrot / BackwerkHöfische KücheHofküche
Zubereitungszeit90 Min.Portionen4-6 PersonenBuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Nimm drei bereits gesottene, schmale Schweinedärme. Nimm dazu rohes Schweinebauchfett (Flomen); richte es zu, solange es ungekocht ist, so lang und groß wie die Därme, und schneide (bzw. binde) es zusammen. Schlage zwei Eier dazu und nimm ein wenig schönes Brot, Pfeffer und Salz dazu. Erwärme die Därme in der Füllung kurz und fülle sie dann mit dieser Füllung. Stecke die gefüllten kleinen Därme in einen großen Darm. Was von der Füllung übrig bleibt, das gieße ebenfalls in den großen Darm. Verbinde sowohl die inneren (gefüllten) Därme als auch den großen Darm an beiden Enden gesondert. Verteile die Füllung gleichmäßig in den Därmen. Siede sie gar und serviere sie heiß.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
dri gesotene smale swines darme 3 gesottene, schmale Schweinedärme Metzger, Online-Spezialhandel -
smaltzes flemen ca. 200-300 g rohes Schweinebauchfett (Flomen) Metzger durchwachsener Schweinebauch ohne Schwarte
zwei eyer 2 Eier - -
ein wenic schoenes brotes ca. 100 g helles Brot (z.B. Weißbrot) Bäcker, Supermarkt -
pfeffer Pfeffer - -
saltz Salz - -
einen grozzen darm 1 großen Schweinedarm (als Hülle) Metzger, Online-Spezialhandel -

Welches Gericht ist das? Eine „Wurst in der Wurst": bereits gegarte schmale Schweinedärme werden mit einer Farce aus rohem Bauchfett, Ei und Brot gefüllt und dann gebündelt in einem großen Darm gesotten. Im Geiste verwandt mit gefüllten Bratwürsten und den gefüllten Därmen aus den Münchner Handschriften (m384-042, m384-069), wo statt purem Flomen Lunge und Hirn in den Darm kommen.

Flomen, nicht Schmalz. Smaltzes flemen meint hier das rohe, feste Bauch- und Nierenfett (Flomen), nicht ausgelassenes Schmalz - das stellt die wile ez ungesoten ist („solange es ungekocht ist") klar. Das Fett schmilzt erst beim Sieden der Wurst und bindet die Farce von innen.

erwelle die darme. Der Text sagt wörtlich, dass die Därme in dem condimente (in der Füllung) erwellt werden, bevor überhaupt gestopft wird - nicht in Wasser. Das bleibt technisch eine offene Stelle: Wie eine rohe Ei-Brot-Fett-Masse die Därme sinnvoll vorwärmen soll, ohne selbst schon zu stocken, ist aus dem Text nicht restlos zu klären. Wer eng am Wortlaut bleiben will, erwärmt die fertig angerührte Füllung leicht an, bevor die Därme kurz darin geschwenkt werden.

Praxis. Für drei schmale Därme etwa 250-300 g Flomen fein würfeln, mit zwei Eiern, einer Handvoll fein geriebenem Weißbrot, Pfeffer und Salz mischen. Die Därme locker füllen (nicht prall, sonst platzen sie), in den großen Darm schieben, Reste dazugeben, beide Enden abbinden. Im Kessel knapp unter dem Siedepunkt ziehen lassen, bis das Fett geschmolzen und die Farce fest ist - nie sprudelnd kochen. Heiß aus dem Sud servieren. Ein Spritzer Verjus im Sud schneidet die Fettigkeit.

Wo bekomme ich Schweinedärme und Flomen?

Schweinedärme (als Wursthüllen) und rohes Schweinebauchfett (Flomen) erhalten Sie am besten bei einem gut sortierten Metzger Ihres Vertrauens. Manchmal bieten auch Online-Spezialhändler für Wurstbedarf solche Produkte an.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist für die Lagerküche geeignet, erfordert aber etwas Vorbereitung und sauberes Arbeiten. Die Zutaten sind transportabel, und das Kochen im Kessel über offenem Feuer ist ideal. Das Stopfen der Därme kann am Lager erfolgen, erfordert aber eine hygienische Arbeitsfläche und eventuell einen Trichter oder eine einfache Wurstfüllhilfe. Die Därme sollten frisch sein oder gut gekühlt transportiert werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Buch von guter Speise“, einem der ältesten erhaltenen Kochbücher in deutscher Sprache, das um 1350 im süddeutschen Raum verfasst wurde. Das vorliegende Rezept zeigt die Verwertung von Darm und Flomen, wie sie in der Innereien- und Wurstküche des Spätmittelalters üblich war.

Was bedeutet „Flomen“ im Rezept?

„Flomen“ bezeichnet das rohe, unverarbeitete Fett aus dem Bauch- und Lendenbereich des Schweins. Im Gegensatz zu „Schmalz“, das oft bereits ausgelassenes (geschmolzenes) Fett meint, wird hier explizit das rohe Fett verwendet, das dann Teil der Füllung wird.

Ein guot geriht. Nim dri gesotene smale swines darme, nim dar zvo smaltzes flemen, daz tuo, die wile ez ungesoten ist, als lang vnd die darm sint, bint daz zvo sammene, slahe zwei eyer dor nim ein wenic schoenes brotes vnd pfeffer vnd saltz zvo In dem condimente erwelle die darme vnd fuelle sie mit condimente vnd stecke sie in einen grozzen darm, swaz des veber blibe, daz guez in den grozzen darm vnd verbint beide die innern vnd den grozzen darm an beiden enden besunder, teil daz condiment glich in die darm, suet sie gar vnd heyz hin.
smaltzes flemen

Rohes, festes Schweinebauch-/Nierenfett (Flomen) - nicht ausgelassenes Schmalz; der Zusatz die wile ez ungesoten ist (solange es ungekocht ist) macht das eindeutig.

condimente

Hier nicht „Gewürz", sondern die ganze Füllung/Farce (lat. condimentum als gewürzte Masse).

erwelle die darme

Wörtlich: die Därme werden in dem condimente (in der Füllung) erwellt/aufgewärmt, bevor sie gefüllt werden - eine im Original ungewöhnliche, nicht restlos aufgelöste Reihenfolge.

besunder

Gesondert, einzeln - innere und äußere Därme jeweils für sich abbinden.

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 158r
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartbint daz zvo sammene (Gloning) / snit daz zu sammene (Harsch)

Gewählte Lesart: Schneide das Fett zurecht. Die Harsch-Handschrift liest snit (schneide), die Gloning-Handschrift bint (binde). Da das Fett „so lang und groß wie die Därme" zugerichtet werden soll, ist Schneiden das praktischere Verb.

Andere mögliche Lesart:

  • Binde das Fett zusammen (bint, Gloning-Lesart). - Beide Handschriften sind hier belegt; der Unterschied ist eine echte Überlieferungsvariante, nicht eindeutig auflösbar.

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 158r, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Gut am Lager machbar: Stopfen auf sauberer Fläche, dann im Kessel über dem Feuer knapp unter dem Siedepunkt garen. Därme frisch oder gut gekühlt mitbringen.
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