The Forme of Cury · England · 1390
CHEWETES ON FYSSH DAY. XX.IX
Take Turbut. haddok. Codlyng. and hake. and seeþ it. grynde it smale. and do þerto Dates. ygrounden. raysouns pynes. gode powdoer and salt. make a Coffyn as tofore saide. close þis þerin. and frye it in oile. oþer stue it in gyngur. sugur. oþer in wyne. oþer bake it. & serue forth.
Project Gutenberg – The Forme of Cury (ed. Samuel Pegge, 1780)
🏕 Lagerküche-Tipp: Zuhause vorbereiten.
Nimm Steinbutt, Schellfisch, Dorsch und Seehecht. Koche den Fisch und zerstoße ihn fein. Gib Datteln, Rosinen, Pinienkerne, eine gute Gewürzmischung und Salz hinzu. Bereite eine Pastetenhülle, wie zuvor beschrieben. Verschließe die Fischfüllung darin. Brate die Pastetchen in Öl, oder schmore sie in Ingwer, Zucker oder Wein, oder backe sie. Und serviere sie.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Turbut. haddok. Codlyng. and hake. | 500 g gemischter Fisch (z.B. Steinbutt, Schellfisch, Dorsch, Seehecht) | Fischhändler | — |
| Dates. ygrounden. | 100 g gemahlene Datteln | — | — |
| raysouns | 50 g Rosinen | — | — |
| pynes | 50 g Pinienkerne | — | — |
| gode powdoer | 1 TL Gewürzmischung (mild, z.B. Zimt, Ingwer, Muskat, Nelke) | — | — |
| salt | 1 Prise Salz | — | — |
| Coffyn | 250 g Mürbeteig (für Pastetenhülle) | — | — |
| oile | Pflanzenöl zum Braten | — | — |
| gyngur | 1 TL Ingwer (frisch gerieben oder Pulver) | — | — |
| sugur | 1 EL Zucker | — | — |
| wyne | 100 ml Weißwein | — | — |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.
⚖ gode powdoer
Gewählte Lesart: Die 'gode powdoer' wurde als milde Gewürzmischung (Powdour Douce) interpretiert, da das Rezept viele süße Zutaten wie Datteln, Rosinen und Zucker enthält, was für mittelalterliche Fischgerichte typisch war.
Andere mögliche Lesart:
⚖ grynde it smale
Gewählte Lesart: Für den Fisch wurde 'grynde it smale' als 'im Mörser fein zerstoßen' übersetzt, was die typische Methode war, um gekochten Fisch oder Fleisch zu einer feinen Paste zu verarbeiten.
Andere mögliche Lesart:
⚖ Coffyn
Gewählte Lesart: Der Begriff 'Coffyn' wurde als 'Pastetenhülle' übersetzt, da dies die gebräuchliche Bezeichnung für die Teighülle von Pasteten im mittelalterlichen England war.
Andere mögliche Lesart:
Ein 'Chewet' ist eine kleine, gefüllte Pastete oder ein Törtchen, das im Mittelalter sehr beliebt war. Die Füllungen konnten sowohl herzhaft als auch süß sein, oft in Kombination, wie in diesem Rezept mit Fisch und süßen Früchten.
Nein, dieses Rezept ist aufgrund der vielen Zubereitungsschritte – Fisch kochen, fein zerstoßen, Pastetenhülle herstellen und die Pastetchen anschließend braten, schmoren oder backen – nicht ideal für die spontane Lagerküche. Es erfordert eine gewisse Küchenausstattung und Zeit. Bereite es am besten zu Hause vor.
Dieses Rezept stammt aus 'The Forme of Cury', einer der ältesten und bekanntesten englischen Rezeptsammlungen. Es wurde um 1390 für die Köche von König Richard II. verfasst und gibt einen tiefen Einblick in die höfische Küche des späten Mittelalters in England.
'Gode powdoer' bedeutet 'gute Gewürzmischung'. Im Kontext dieses Rezepts, das süße Zutaten wie Datteln und Rosinen enthält, ist wahrscheinlich eine milde Gewürzmischung (Powdour Douce) gemeint. Typische Zutaten dafür waren Zimt, Ingwer, Muskat und Nelken, oft auch etwas Zucker. Mische diese Gewürze nach Geschmack, um eine ausgewogene, milde Mischung zu erhalten.
Wenn das Rezept 'grynde it smale' (fein zerstoßen) für Fisch verlangt, ist damit ein großer Fleischmörser gemeint, nicht der kleine Gewürzmörser. Dieser diente im Mittelalter dazu, Fleisch oder Fisch zu einer feinen Farce zu verarbeiten. Für die moderne Küche kannst du stattdessen einen leistungsstarken Food Processor oder Blender verwenden, um den gekochten Fisch zu pürieren. Wer authentisch arbeiten möchte, benötigt einen großen Granit- oder Marmormörser mit einem schweren Holzstößel.