Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
Für ein Haselnussgetränk brühe die Haselnüsse ab und schäle sie. Lege sie anschließend in kaltes Wasser. Danach zerstoße die Nüsse sehr fein im Mörser und löse sie mit kochendem Wasser auf. Seihe die Flüssigkeit anschließend durch ein feines Tuch.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| avelines | 200 g Haselnüsse | - | - |
| eaue froide | 500 ml kaltes Wasser | Leitung | - |
| eaue boulue | 500 ml kochendes Wasser | Leitung | - |
Welches Gericht ist das? Eine mittelalterliche Haselnussmilch - die nussige Schwester der heute überall erhältlichen Mandel- und Hafermilch. An Fastentagen, wenn tierische Milch verboten war, lieferte sie einen cremigen, vollmundigen Milchersatz; man trank sie pur oder verwendete sie als Basis für Brei, Suppen und Saucen.
Eschaudez und schälen. Die Nüsse werden kurz abgebrüht (eschaudez), damit sich die dünne braune Samenhaut leicht abreiben lässt - sie würde sonst bitter und mehlig schmecken. Das anschließende Bad in kaltem Wasser stoppt das Nachgaren und hält das Fruchtfleisch hell.
Broyer und couler. Im Mörser werden die Nüsse zu einer feinen Paste zerstoßen (broyees), dann mit kochendem Wasser aufgelöst und durch ein feines Tuch (estamine) passiert. Das Tuch hält die festen Reste zurück, durch läuft die milchig-weiße Flüssigkeit. Wie bei der Mandelmilch kann man den Trester ein zweites Mal stoßen und auswaschen, um mehr Ausbeute zu gewinnen.
Praxis. 200 g geschälte Haselnüsse im Standmixer mit etwas vom kochenden Wasser fein mahlen, dann mit dem restlichen heißen Wasser (rund 1 Liter für ein gut trinkbares Getränk) aufgießen und durch ein Passiertuch oder einen Nussmilchbeutel abseihen. Kühl gestellt schmeckt sie am besten; ungesüßt ist sie dezent nussig, ein Löffel Honig macht sie zum Genuss. Den ausgepressten Trester nicht wegwerfen - er bindet Brei oder Saucen.
Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Haselnüsse können bereits zu Hause geschält und gemahlen werden, um Zeit zu sparen. Das Abbrühen und Schälen der Nüsse sowie das Erhitzen des Wassers sind auch über offenem Feuer möglich. Zum Seihen benötigst du ein feines Tuch oder ein Sieb.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem Haushaltsbuch, das um 1393 in Paris verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die bürgerliche Küche des späten Mittelalters.
'Broyer' bedeutet im Kontext dieses Rezepts, die Haselnüsse sehr fein zu zerstoßen oder zu mahlen. Im Mittelalter wurde dafür ein großer Mörser mit einem schweren Stößel verwendet. Für die moderne Küche kannst du stattdessen eine Küchenmaschine oder einen Mixer nutzen, um die Nüsse zu einer feinen Paste zu verarbeiten. Wer es authentisch mag, verwendet einen großen Granit-Mörser.
Haselnussgetränke oder -milch dienten im Mittelalter oft als pflanzlicher Ersatz für Kuhmilch, insbesondere an Fastentagen, an denen tierische Produkte verboten waren. Sie wurden auch als erfrischendes Getränk oder als Basis für andere Gerichte verwendet.
Haselnüsse
Abbrühen, kurz in heißem Wasser blanchieren
Schälen
Zerstoßen, mahlen (im Mörser)
Auflösen, vermischen
Kochendes Wasser
Durch ein feines Tuch seihen/filtern
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