Im Viewer öffnen Translate

Weizen oder Gerste für Frumenty

Le Ménagier de Paris · Paris · 1393

Sonstiges 🏕 Lagerküche-tauglich ⚠ Viel Interpretationsspielraum Mittel
⏱ 45 Min.👥 Variabel, je nach Bedarf für Frumenty📖 Ménagier de Paris (~1393)

Original — Moyen Français

Weizen oder Gerste für Frumenty — Originalseite aus Ménagier de Paris
Fol. 173v, Scan: Bibliothèque nationale de France, Gallica (BnF Manuscrit Français 12477)

Transkription (Moyen Français)

Monder orge ou fourment pour faire froumentee. Il couvient eaue treschaude, et mectre le fourment ou orge dedens icelle eaue chaude et laver et paulmoyer tresbien et longuement, puis gecter et purer toute l'eaue et laissier essuyer le froument ou orge, et puis le piler a ung pestail de boiz, puis vanner a ung bacin a laver.

Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon – TEI P5, Lizenz Etalab

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Benötigt einen großen Mörser und Stößel sowie ein Sieb.

Um Gerste oder Weizen für Frumenty zu enthülsen: Benötige sehr heißes Wasser. Gib den Weizen oder die Gerste in dieses heiße Wasser und wasche und reibe sie sehr gut und lange. Gieße dann das gesamte Wasser ab und lasse den Weizen oder die Gerste trocknen. Danach zerstoße sie mit einem Holzstößel und siebe sie anschließend in einem Waschbecken.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
orge ou fourment Menge nach Bedarf Gerste oder Weizen (ganze Körner)
eaue treschaude Menge nach Bedarf sehr heißes Wasser Leitung

Anmerkungen

Monder
Schälen, enthülsen, reinigen
fourment
Weizen
froumentee
Frumenty, ein dicker Getreidebrei
paulmoyer
Mit den Händen reiben oder schrubben
pestail de boiz
Holzstößel
vanner
Sieben, windfegen
bacin a laver
Waschbecken, Schüssel

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

Monder

Gewählte Lesart: Die Übersetzung 'enthülsen' wurde gewählt, da es sich um die Vorbereitung von Getreide handelt, bei der die äußere Schale entfernt wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine andere Lesart wäre 'reinigen' oder 'schälen'. — Das Wort 'monder' kann allgemein 'reinigen' oder 'schälen' bedeuten, aber im Kontext von Getreide für Frumenty ist das Entfernen der Spelzen (Enthülsen) die spezifischere und plausiblere Bedeutung.

paulmoyer

Gewählte Lesart: Die Übersetzung 'mit den Händen reiben/schrubben' wurde gewählt, da 'paume' Handfläche bedeutet und die Aktion des Reibens impliziert.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine alternative Lesart wäre 'kneten'. — Obwohl 'kneten' eine ähnliche manuelle Aktion ist, beschreibt 'reiben' oder 'schrubben' den Prozess des Lösens der Getreideschalen unter Wasser genauer.

vanner a ung bacin a laver

Gewählte Lesart: Die Übersetzung 'in einem Waschbecken sieben' wurde gewählt, da 'vanner' sowohl 'windfegen' als auch 'sieben' bedeuten kann und ein 'bacin a laver' (Waschbecken/Schüssel) eher für das Sieben als für das Windfegen geeignet ist.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine alternative Lesart wäre 'in einer Waschschüssel windfegen'. — Das Windfegen ist eine traditionelle Methode zur Trennung von Spreu und Korn, aber in einem kleinen Becken ist das Sieben die praktischere und effektivere Methode, um die zerstoßenen Schalen zu entfernen.

Häufige Fragen

Was bedeutet 'Monder' und wie mache ich das?

'Monder' bedeutet hier, die äußere Schale des Getreides zu entfernen. Im Mittelalter wurde dies durch intensives Reiben und Stampfen erreicht. Modern kannst du bereits geschälte Gerste oder Weizen (Graupen) verwenden, oder du reibst die Körner kräftig unter heißem Wasser und stampfst sie dann im Mörser, um die Schalen zu lösen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Schritte des Waschens, Reibens, Trocknens, Stampfens und Siebens können mit einfachen Mitteln am Lagerfeuer oder auf einem Tisch durchgeführt werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem "Ménagier de Paris", einem französischen Haushaltsbuch aus der Zeit um 1393. Es wurde für eine junge Ehefrau verfasst und enthält neben Kochrezepten auch Ratschläge zur Haushaltsführung und Moral.

Was ist ein 'Mörser' – brauche ich einen Mörser und Stößel?

Im mittelalterlichen Kochkontext ist ein 'Mörser' oft ein großer Fleischmörser aus Stein oder Holz. Für dieses Rezept ist ein großer, stabiler Mörser mit einem Holzstößel ideal, um die Getreidekörner zu enthülsen und zu zerstoßen. Alternativ kannst du eine robuste Küchenmaschine oder einen Blender verwenden, um die Körner zu zerkleinern, oder du greifst auf bereits geschälte Getreideprodukte zurück.

← Alle Rezepte