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Gebratene Birnen-Apfel-Schnitten

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2-4 PersonenBuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Nimm gebratene Birnen und saure Äpfel und hacke sie klein. Gib Pfeffer, Anis und rohe Eier hinzu. Schneide zwei dünne Scheiben von feinem Brot. Fülle die Birnen-Apfel-Mischung dazwischen, nicht ganz einen Finger dick. Mache eine dünne Hülle aus Eiern und wende das gefüllte Brot darin. Backe es anschließend mit Butter in einer Pfanne, bis es rotbraun wird, und serviere es.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
gebratene birn 2-3 gebratene Birnen 2 Supermarkt, Wochenmarkt -
sure epfele saure Äpfel 2 Supermarkt, Wochenmarkt -
pfeffer Pfeffer 1 Prise - -
enis Anis (gemahlen) 1 Prise Supermarkt, Gewürzhandel -
ro eyer 2-3 rohe Eier 2 Supermarkt, Wochenmarkt -
zwo duenne schiben von schoenem brote dünne Scheiben Brot (z.B. Weißbrot) 4 Bäcker, Supermarkt -
butern Butter 2 EL - -

Welches Gericht ist das? Eine gefüllte, in Ei gewendete und in Butter gebratene Brotschnitte - im Kern die Familie der „Armen Ritter“ (French Toast), hier als Sandwich aus zwei Brotscheiben mit einer würzigen Birnen-Apfel-Füllung dazwischen statt einer einfachen, in Ei getränkten Einzelscheibe. Die nächsten Verwandten der reinen Arme-Ritter-Technik sind teg-037 („Güldene Schnitten“) und rfk-043 („Goldene Schnitten mit Safran“). Der bereits verlinkte Zwilling kkm-079 („Schnabel“) teilt die Sandwich-Idee mit Füllung zwischen zwei Brotscheiben, verklebt die Ränder aber mit Eiweiß statt das ganze Sandwich in Ei zu wenden.

Die Füllung. Der Text setzt bereits gebratene, also weiche und gebräunte Birnen voraus - wie man dahin kommt, sagt er nicht; jede Methode, die eine weiche, gebräunte Birne ergibt, passt. Birne und saure Äpfel werden klein gehackt und mit Pfeffer, Anis und rohem Ei vermengt; das Ei bindet die Masse.

Das Brot. Zwei dünne Scheiben von feinem Brot (schoenem brote) - ein normales Weißbrot erfüllt das. Die Füllung kommt dazwischen, nicht ganz fingerdick - also etwas dünner als ein Finger, nicht genau fingerdick.

Die Hülle. Ob das gefüllte Brot in verquirltem Ei gewendet oder in einen dünnen Ei-Fladen eingewickelt wird, lässt der Text offen (siehe Lesarten-Hinweis). Beide Varianten führen zur selben goldbraunen Kruste in der Pfanne.

Praxis. Birne und Apfel klein hacken, mit Pfeffer, Anis und einem rohen Ei vermischen. Zwei dünne Weißbrotscheiben mit der Füllung belegen (nicht ganz fingerdick), mit einer zweiten Scheibe schließen. In verquirltem Ei wenden und in Butter in der Pfanne braten, bis die Kruste gleichmäßig rotbraun ist - da Füllung und Bindemittel roh hineinkommen, lohnt es, dabei beide Seiten zu braten und die Hitze nötigenfalls zu reduzieren, bis auch das Innere durchgewärmt ist, statt nur die Außenseite kurz anzubräunen. Warm servieren.

Wo bekomme ich Anis?

Anis ist in den meisten Supermärkten im Gewürzregal erhältlich. Alternativ kann man ihn in spezialisierten Gewürzläden oder online kaufen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, sehr gut geeignet. Die Früchte können vorbereitet mitgebracht werden, und das Gericht lässt sich schnell und einfach in einer Pfanne über offenem Feuer zubereiten.

Was bedeutet 'niht vollen eines vingers dicke' im Rezept?

'Niht vollen eines vingers dicke' bedeutet 'nicht ganz einen Finger dick' - der Text verneint ausdrücklich die volle Fingerdicke, die Füllung soll also etwas dünner als fingerdick sein.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Buch von guter Speise“. Ältestes deutsches Kochbuch, entstanden um 1350 im Haushalt des Würzburger Bischofs. 96 Hauptrezepte plus 5 in der Gloning-Edition als Sub-Rezepte gezählte Folge-/Variantenrezepte (5a, 27a, 32a, 74a, 77a).

Ein spise von birn. Nim gebratene birn vnd sure epfele vnd hacke sie kleine, vnd tuo dar zvo pfeffer vnd enis vnd ro eyer. snit zwo duenne schiben von schoenem brote, fuelle diz da zwischen niht vollen eines vingers dicke, mache ein duennez blat von eyern vnd kere daz einez dar inne vemm vnd backez mit butern in einer pfannen, biz daz ez rot werde, vnd gibz hin.
enis

Anis, ein süßlich-würziges Gewürz.

ro eyer

Rohe Eier.

schoenem brote

Schönes Brot, hier im Sinne von 'feinem' oder 'gutem' Brot, wahrscheinlich Weißbrot.

niht vollen eines vingers dicke

Nicht ganz einen Finger dick - 'niht vollen' verneint ausdrücklich die volle Fingerdicke, gemeint ist also etwas weniger als fingerdick.

blat von eyern

Wörtlich 'Blatt von Eiern' - im Korpus wiederkehrende Formulierung für eine dünne, verquirlte Ei-Hülle zum Wenden/Panieren von Speisen vor dem Braten.

kere daz einez dar inne vemm

Wende das eine (Brot) darin um/herum.

vemm

Hapax an dieser Stelle im Korpus; die Harsch-Edition liest an derselben Stelle 'umm' (= umb, 'herum') statt 'vemm' - vermutlich eine Verschreibung/Leseabweichung derselben Bewegung, keine eigenständige, unklare Vokabel.

biz daz ez rot werde

Bis es rotbraun wird (durch das Braten).

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 157r
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

sure epfeleapple Q89
pfefferpepper Q3143131
enisanise Q33873455
buternbutter Q34172

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartsnit zwo duenne schoenem brote

Gewählte Lesart: Wir folgen unserer Transkriptionsgrundlage (Gloning) mit 'schoenem brote' - übersetzt als 'feines Brot'.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Harsch-Edition liest an dieser Stelle 'dünnem brote' (dünnes Brot) statt 'schoenem brote' (feines Brot) - ein echter Unterschied zwischen den beiden überlieferten Abschriften, keine Textlücke. - Beide Lesarten sind sprachlich möglich und ergeben Sinn; wir folgen der Gloning-Fassung als unserer Transkriptionsgrundlage.

Lesartmache ein duennez blat von eyern vnd kere daz einez dar inne vemm

Gewählte Lesart: Zwei Lesarten sind möglich: (a) das gefüllte Brot wird in verquirltes Ei getaucht und darin gewendet, wie bei 'Arme Ritter' (dieser Lesart folgt text_modern), oder (b) aus dem Ei wird ein dünner Fladen gebacken, in den die Füllung eingewickelt wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Für die Einwickel-Lesart (b) spricht ein Beleg im selben Buch: bgs-027 ('Ein guot getrahte') verwendet dieselbe Formulierung 'blat von eyern' zusammen mit 'so wint daz blat zvo samen' (wickle das Blatt zusammen) - dort bezeichnet 'blat von eyern' eindeutig eine wickelbare Eier-Haut, keine Tunke. - Der handschrifteninterne Beleg ist ein starkes Indiz für die Wickel-Lesart, entscheidet die Frage aber nicht abschließend, da 'kere ... vemm' (wende ... herum) auch zur Eintauch-Lesart passt. Die Harsch-Parallelstelle liest 'umm' statt 'vemm' (dieselbe Wende-Bewegung), hilft aber nicht bei der Entscheidung zwischen Tunke und Wickel-Fladen.

Lesartbiz daz ez rot werde (Garkriterium)

Gewählte Lesart: Wir empfehlen, über die reine Bräunung hinaus zu prüfen, ob die Füllung (rohes Ei, rohe Apfelstückchen) im Inneren durchgewärmt ist, und dafür bei Bedarf beidseitig und mit reduzierter Hitze länger zu braten.

Andere mögliche Lesart:

  • Der Text selbst nennt nur die äußere Bräunung ('bis es rot wird') als Garkriterium und sagt nichts über den Zustand der Füllung im Inneren. - Bei dünner Füllung und fein gehackten Zutaten reicht die wörtliche Lesart praktisch meist aus, wir empfehlen aus heutiger Sicht trotzdem die vorsichtigere Praxis, da rohes Ei und rohe Apfelstücke verarbeitet werden.

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 157r, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Birnen und Äpfel kann man schon zu Hause braten und hacken. Am Lagerfeuer braucht es dann nur Pfanne, Butter und Eier - in wenigen Minuten goldbraun ausgebacken.
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Stand dieser Fassung: 09.08.2026 - 3-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.