Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
Bouillon. Pour faire iiii septiers de boullon il couvient avoir la moictié d'un pain brun de denier, de levain levé de troiz jours, item, de son le quart largement d'un boissel, et mectre v septiers d'eaue en une paelle; et quant elle fremira mectre le son en l'eaue et tant boulir que tout s'appetice du ve ou plus; puis oster de dessus le feu et laissier reffroidier jusques a tiede; puis couler par une estamine ou sas, ou destremper le levain en eaue et mectre ou tonnel et laissiez ii ou iii jours parer, puis encaver et laissier esclarcir, et puis boire. item, qui le veult faire meilleur, il y couvient mectre une pinte de miel bien bouly et bien escumé.
Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon – TEI P5, Lizenz Etalab
🏕 Lagerküche-Tipp: Zuhause vorbereiten.
Um vier Setier dieses Bouillons herzustellen, benötigst du die Hälfte eines kleinen braunen Brotes, dazu Sauerteig, der drei Tage lang angesetzt wurde. Des Weiteren nimmst du ein großzügiges Viertel eines Boissels Kleie. Gib fünf Setier Wasser in eine Pfanne. Sobald das Wasser zu sieden beginnt, füge die Kleie hinzu und lasse alles so lange kochen, bis das Volumen um ein Fünftel oder mehr reduziert ist. Nimm die Pfanne dann vom Feuer und lasse den Sud lauwarm abkühlen. Anschließend seihe ihn durch ein feines Tuch oder Sieb. Alternativ kannst du den Sauerteig in Wasser auflösen und in ein Fass geben. Lasse ihn dort zwei oder drei Tage lang klären, dann lagere ihn im Keller und lasse ihn weiter klären, bevor du ihn trinkst. Wer das Getränk noch besser machen möchte, füge eine Pinte gut gekochten und sorgfältig abgeschäumten Honig hinzu.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| la moictié d'un pain brun de denier | ca. 50 g braunes Brot | Supermarkt | — |
| de levain levé de troiz jours | 100 g aktiver Sauerteig | Bäcker / selbst ansetzen | — |
| de son le quart largement d'un boissel | ca. 3 Liter Weizenkleie | Supermarkt / Reformhaus | — |
| v septiers d'eaue | ca. 19 Liter Wasser | Leitung | — |
| une pinte de miel bien bouly et bien escumé | ca. 1 Liter Honig | — | — |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.
⚖ Bouillon
Gewählte Lesart: Die Übersetzung als 'fermentiertes Getränk' wurde gewählt, da die Zutaten (Sauerteig, Kleie, Brot) und der Prozess (Fermentation über Tage, Klärung, 'trinken') eindeutig auf ein Getränk und nicht auf eine herzhafte Brühe hindeuten.
Andere mögliche Lesart:
⚖ pain brun de denier
Gewählte Lesart: Dies wurde als 'kleines braunes Brot' übersetzt, da 'denier' zwar eine Münze war, hier aber eher eine geringe Menge oder ein kleines, preiswertes Brot bezeichnet, das als Starter für den Sauerteig dient.
Andere mögliche Lesart:
⚖ parer
Gewählte Lesart: Im Kontext der Fermentation wurde 'parer' als 'klären lassen / fermentieren lassen' übersetzt, da es den Prozess des Reifens und Klärens des Getränks im Fass beschreibt.
Andere mögliche Lesart:
Ein Setier war ein historisches Hohlmaß, das in Paris etwa 3,8 Liter entsprach. Ein Boissel war ebenfalls ein Hohlmaß, hauptsächlich für trockene Güter, und fasste in Paris etwa 13 Liter. Eine Pinte war ein kleineres Hohlmaß, das in Paris ungefähr 0,95 Liter betrug.
Nein, dieses Rezept ist nicht für die Zubereitung direkt im Lager geeignet. Die Fermentation und Klärung des Getränks erfordert zwei bis drei Tage und eine anschließende Lagerung im Keller, was nicht den Bedingungen eines Mittelaltermarktes entspricht. Es muss zu Hause vorbereitet werden.
Dieses Rezept stammt aus dem „Ménagier de Paris“, einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die Küche und Haushaltsführung des späten Mittelalters in Paris.
Im Gegensatz zur modernen Bedeutung einer klaren Brühe bezeichnet 'Bouillon' in diesem Rezept ein fermentiertes Getränk, ähnlich einem Kvass oder einem schwachen Bier. Die Zutaten wie Sauerteig, Brot und Kleie sowie die Anweisungen zur Fermentation und Klärung weisen eindeutig auf ein Getränk hin, das durch Gärung haltbar gemacht und veredelt wurde.