München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384 · Südwestdeutschland · 1470
Nimm Mandeln und stoße sie sehr gut. Mache daraus eine gute Mandelmilch.
Passiere sie mit etwas weißem Brot durch oder gib weißes geriebenes Brot darunter. Gieße ein wenig Wein hinzu und lasse es aufwallen, bis es dick wird.
Ziehe es dann auf ein Sieb oder ein Tuch ab, so viel wie anderer Quark oder Milch. Wenn du es anrichten willst, streiche es länglich auf eine rote Schüssel mit einem nassen Messer oder einer Holzschindel.
Bestreue es mit Mandelkernen und gieße über jedes Stück Mandelmilch, mit Zucker bestreut.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| mandel | Mandeln | - | Supermarkt (Backregal) | - |
| wins brottes | weißes Brot | - | - | - |
| wiss geriben brot | weißes geriebenes Brot | - | - | - |
| wins | Wein | - | - | - |
| mandelkernen | Mandelkerne | - | Supermarkt (Backregal) | - |
| mandel milch | Mandelmilch | - | Supermarkt | - |
| czucker | Zucker | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Dieser Mandelziger ist im Geiste ein veganer Frischkäse oder Quark, der aus Mandelmilch und Brot hergestellt wird - eine raffinierte Fastenspeise, die die Textur von Milchprodukten imitiert und besonders auf dem mittelalterlichen Markt immer wieder für Erstaunen sorgt.
So gelingt es. Der Schlüssel liegt im Eindicken der Mandelmilch mit Weißbrot, das entweder fein gerieben untergemischt oder zum Durchpassieren genutzt wird. Lass diese Mischung unter ständigem Rühren aufwallen, bis sie merklich andickt - das Ziel ist eine Konsistenz, die sich wie fester Frischkäse anfühlt. Als Startpunkt für etwa 500 ml Mandelmilch würde ich 50-70 g fein geriebenes, helles Brot und 50 ml Weißwein empfehlen. Der häufigste Fehler ist, die Masse nicht lange genug zu kochen oder zu wenig Brot zu verwenden; sie muss wirklich fest werden, bevor du sie auf ein feines Sieb oder ein sauberes Leinentuch gibst und abtropfen lässt. Das Abseihen ist entscheidend, um die gewünschte quarkähnliche Textur zu erreichen.
So wird es richtig gut. Die Säure des Weins ist hier wichtig, um dem Mandelquark eine frische Note zu geben und die Süße der Mandeln auszubalancieren. Achte darauf, dass die abgetropfte Masse wirklich glatt und cremig ist - falls nötig, kannst du sie noch einmal durch ein feines Sieb streichen. Beim Anrichten ist die Optik entscheidend: Streiche den Mandelquark länglich auf eine rote Schüssel, um einen schönen Farbkontrast zu erzielen, wie es das Rezept vorschlägt. Ein nasses Messer hilft dabei, die Form sauber zu halten. Bestreue den Quark großzügig mit Mandelkernen für Textur und Aroma. Gieße dann die leicht gezuckerte Mandelmilch darüber, die du für diesen Zweck separat zubereitest und kühl hältst. Ein Hauch von Rosenwasser in der Mandelmilch (modern, aber lecker) würde die feine Süße noch unterstreichen.
Der Zucker ist eine Besonderheit dieser Fassung. Von den bekannten Zwillingen (mha-113, rfk-017, ri15632-003, bgs-039, mon-140) erwähnt nur diese Cgm-384-Version überhaupt Süßung - und selbst hier nur als Bestäubung der abschließend übergossenen Mandelmilch, nicht als Zutat im Ziger selbst. Der unversüßte Mandelziger ist also die Norm der Familie, dieser Zucker-Tupfer eine lokale Verfeinerung.
Mandelziger ist eine mittelalterliche Speise, die aus Mandelmilch hergestellt wird. Durch Eindicken und Abseihen entsteht eine quark- oder frischkäseähnliche Konsistenz. Es war eine beliebte Fastenspeise, die tierischen Käse imitierte.
Ja, gut geeignet. Die Zutaten sind robust und die Zubereitung am offenen Feuer ist unkompliziert. Mandeln und Brot können vorbereitet mitgebracht werden.
‚Cziger' (oder ‚Ziger') bezeichnete im Mittelalter eine Art Frischkäse oder Quark, oft aus Schaf- oder Ziegenmilch. In diesem Rezept wird er aus Mandeln hergestellt, um eine milchfreie Alternative zu schaffen.
Dieses Rezept stammt aus dem Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384) (2. Hälfte 15. Jh., Südwestdeutschland). Das umfangreichste der Münchner Kochbuchhandschriften und das letzte in CoReMA edierte: 83 alemannische (südwestdeutsche) Rezepte des späten 15. Jh., sauber rubriziert von einer Hand auf Bl. 076r-078r und 103v-115v. Schwerpunkt auf Saucen und Vorräten - zahlreiche Salsen (Sältz), Pfeffer- und Leberpfeffer-Saucen (auch schwarzer Pfeffer), Gumpost (eingelegtes süß-saures Gemüse/Obst), Latwergen, Senf sowie Kraut- und Gemüsegerichte. Die gelegentlich erwähnte hebräische Schrift betrifft nur spätere Marginal-Nachträge (Bl. Ir + 122v-123v), nicht die Kochrezepte. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M2 ediert; größtes Cross-Link-Potenzial zu den anderen Münchner Büchern (Cgm 725/349/811).
Ein ‚Mandelziger' ist eine Art Mandelquark oder Mandelkäse, der aus Mandelmilch hergestellt wird. ‚Ziger' bezeichnete im Mittelalter einen Frischkäse oder Quark, oft aus Schaf- oder Ziegenmilch. Hier wird er aus Mandeln als Fastenspeise zubereitet.
Die Handschrift schreibt ‚wins brottes', was wörtlich ‚Wein-Brot' (in Wein getränktes Brot) bedeuten könnte. Ehlert (1999) merkt zur Cgm-384-Fassung jedoch an, dass hier ‚wisses brottes' (weißes Brot) gemeint sein dürfte - das ‚n' ist vermutlich ein Schreiberfehler für ‚ss'. Der Wein kommt erst im folgenden Satz dazu (‚guss ain wenig wins darvnder').
‚Erwallen lassen' bedeutet, etwas zum Aufwallen oder leichten Kochen zu bringen, bis es die gewünschte Konsistenz erreicht.
Schwierige Stelle: In der Handschrift steht zwischen ‚yetweder' und ‚thalb' ein durchgestrichenes ‚s' (so Ehlert 1999). Gemeint ist wohl ‚über jedes (Stück)' bzw. ‚jeweils' - die Mandelmilch wird über jede der länglich angerichteten Portionen gegossen.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| mandel | almond Q184357 |
| wins brottes | white bread Q1501889 |
| wiss geriben brot | white bread Q1501889 |
| wins | wine Q282 |
| mandelkernen | almond Q184357 |
| mandel milch | almond milk Q975953 |
| czucker | unrefined cane sugar Q57656231 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
wins brottes
Gewählte Lesart: Weißes Brot zum Eindicken/Durchpassieren der Mandelmilch. Ehlert (1999) liest die Cgm-384-Schreibung ‚wins brottes' als verschriebenes ‚wisses brottes' (weißes Brot); das parallele Reichenauer Kochbuch hat dieselbe Schreibung ‚wins'.
Andere mögliche Lesart:
yetwederthalb
Gewählte Lesart: ‚Über jedes (Stück)' bzw. ‚jeweils' - die Mandelmilch wird über jede der länglich angerichteten Portionen gegossen. In der Handschrift steht zwischen ‚yetweder' und ‚thalb' ein durchgestrichenes ‚s' (Ehlert 1999).
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 3-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.