München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384 · Südwestdeutschland · 1470
Mache ein Gehacktes für die Fastenzeit aus gehackten Mandeln. Färbe einen Teil davon, den anderen lasse weiß und streue Zucker darauf. Und zum dritten Teil nimm kleine Weinbeeren (Rosinen), die du in wenig Wein in einer Pfanne weich aufgekocht hast.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| gehacktem mandel | Gehackte Mandeln | - | Supermarkt (Backregal) | Ganze Mandeln im Mörser zerstoßen oder im Blender zerkleinern |
| czucker | Zucker | - | - | - |
| klain win berlin | Kleine Rosinen | - | - | - |
| wins | Wein | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein Gehacktes für die Fastenzeit - eine dekonstruierte, dreifarbig angerichtete Mandelspeise, die als Dessert oder Zwischenmahlzeit diente. Sie spielt mit Texturen und Farben, ähnlich einem modernen Mandel-Trio oder Parfait. Die Quelle nennt es bewusst „ein Gehacktes“, kein Mus - die gehackte Textur ist das Kennzeichen.
So gelingt es. Der Kern liegt in der Textur der Mandeln: ‚Gehackt‘ bedeutet wirklich grob gehackt, nicht gemahlen oder püriert - denk an Mandelgrieß oder fein gehackte Mandelsplitter. Als Startpunkt nimmst du etwa 200-250g Mandeln, die du selbst grob hackst oder im Food Processor nur kurz pulsierst. Teile die gehackten Mandeln in drei gleich große Portionen. Für den ersten Teil: Löse eine Prise Safranfäden in einem Esslöffel heißem Wasser oder Wein auf und mische es unter die Mandeln, bis sie leuchtend gelb sind - nicht zu viel Flüssigkeit. Der zweite Teil bleibt weiß; hier streust du ein bis zwei Teelöffel Zucker drüber. Für den dritten Teil: Nimm kleine Rosinen (ca. 30-40g). Gib sie mit einem kleinen Schuss Wein (z.B. trockenem Weißwein) in eine Pfanne und koche sie bei kleiner Hitze kurz weich, bis sie aufquellen und der Wein fast verdampft ist (das ist das mittelalterliche ‚geschwelt‘). Mische diese Weinbeeren dann unter die dritte Mandelportion. Der häufigste Fehler: Mandeln zu fein mahlen; das Gericht lebt von der ‚gehackten‘ Textur.
So wird es richtig gut. Die Balance ist der Schlüssel. Die Süße des Zuckers und der Rosinen kontrastiert mit der natürlichen, leicht herben Mandel. Ein Hauch von Säure, etwa durch einen Tropfen Verjus, kann die Aromen aufbrechen, ist aber nicht zwingend. Beim Anrichten legst du die drei Mandel-Mischungen nebeneinander oder leicht übereinander, um das Farbspiel - Gelb, Weiß, Rosinen-Braun - zu betonen. Bei Raumtemperatur entfalten sich die Aromen am besten. Ein einfaches, aber raffiniertes Gericht, das die Möglichkeiten der Fastenküche aufzeigt.
Dies ist ein Gericht aus gehackten Zutaten, das speziell für die Fastenzeit geeignet ist. Da es aus Mandeln besteht, ist es eine pflanzliche Speise, die den Fastenregeln entspricht.
Ja, Goldstandard. Alle Zutaten sind haltbar und leicht zu transportieren. Die Zubereitung ist einfach und schnell am offenen Feuer oder auf einem Kocher möglich.
Nach der Edition Ehlert (1999) ist 'geschult' eine Verlesung für 'geschwelt': Die Rosinen werden in wenig Wein weich gekocht, nicht gereinigt oder geschält.
Dieses Rezept stammt aus dem Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384) (2. Hälfte 15. Jh., Südwestdeutschland). Das umfangreichste der Münchner Kochbuchhandschriften und das letzte in CoReMA edierte: 83 alemannische (südwestdeutsche) Rezepte des späten 15. Jh., sauber rubriziert von einer Hand auf Bl. 076r-078r und 103v-115v. Schwerpunkt auf Saucen und Vorräten - zahlreiche Salsen (Sältz), Pfeffer- und Leberpfeffer-Saucen (auch schwarzer Pfeffer), Gumpost (eingelegtes süß-saures Gemüse/Obst), Latwergen, Senf sowie Kraut- und Gemüsegerichte. Die gelegentlich erwähnte hebräische Schrift betrifft nur spätere Marginal-Nachträge (Bl. Ir + 122v-123v), nicht die Kochrezepte. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M2 ediert; größtes Cross-Link-Potenzial zu den anderen Münchner Büchern (Cgm 725/349/811).
Ein Gericht aus gehackten Zutaten, das in der Fastenzeit gegessen werden durfte. Da es aus Mandeln besteht, ist es eine pflanzliche Speise, die den Fastenregeln entspricht.
Eine alte Bezeichnung für Weinbeeren, also Rosinen.
Nach Ehlert (1999) eine Verlesung für geschwelt (zu obd. schwellen): in wenig Flüssigkeit sieden, bis etwas weich wird. Die Rosinen werden also in Wein weich gekocht - nicht „gereinigt“ oder „geschält“.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| gehacktem mandel | almond Q184357 |
| czucker | unrefined cane sugar Q57656231 |
| klain win berlin | raisin Q13186 |
| wins | wine Q282 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
geschult
Gewählte Lesart: Verlesung für geschwelt (Partizip zu obd. schwellen, sw. v. ‚etwas in wenig Wasser/Flüssigkeit sieden, bis es weich wird‘). Die Weinbeeren werden in wenig Wein weich gekocht. Diese Deutung folgt der Edition Ehlert 1999 und der Parallele im Reichenauer Kochbuch (Nr. 62), das an gleicher Stelle geschwelt liest.
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Stand dieser Fassung: 26.06.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.