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Dreifarbiges Mandelmus für die Fastenzeit

München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384 · Südwestdeutschland · 1470

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2-4 PersonenBuchMünchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384) (~1470)

Mache ein Gehacktes für die Fastenzeit aus gehackten Mandeln. Färbe einen Teil davon, den anderen lasse weiß und streue Zucker darauf. Und zum dritten Teil nimm kleine Weinbeeren (Rosinen), die du in wenig Wein in einer Pfanne weich aufgekocht hast.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
gehacktem mandel Gehackte Mandeln - Supermarkt (Backregal) Ganze Mandeln im Mörser zerstoßen oder im Blender zerkleinern
czucker Zucker - - -
klain win berlin Kleine Rosinen - - -
wins Wein - - -

Welches Gericht ist das? Ein Gehacktes für die Fastenzeit - eine dekonstruierte, dreifarbig angerichtete Mandelspeise, die als Dessert oder Zwischenmahlzeit diente. Sie spielt mit Texturen und Farben, ähnlich einem modernen Mandel-Trio oder Parfait. Die Quelle nennt es bewusst „ein Gehacktes“, kein Mus - die gehackte Textur ist das Kennzeichen.

So gelingt es. Der Kern liegt in der Textur der Mandeln: ‚Gehackt‘ bedeutet wirklich grob gehackt, nicht gemahlen oder püriert - denk an Mandelgrieß oder fein gehackte Mandelsplitter. Als Startpunkt nimmst du etwa 200-250g Mandeln, die du selbst grob hackst oder im Food Processor nur kurz pulsierst. Teile die gehackten Mandeln in drei gleich große Portionen. Für den ersten Teil: Löse eine Prise Safranfäden in einem Esslöffel heißem Wasser oder Wein auf und mische es unter die Mandeln, bis sie leuchtend gelb sind - nicht zu viel Flüssigkeit. Der zweite Teil bleibt weiß; hier streust du ein bis zwei Teelöffel Zucker drüber. Für den dritten Teil: Nimm kleine Rosinen (ca. 30-40g). Gib sie mit einem kleinen Schuss Wein (z.B. trockenem Weißwein) in eine Pfanne und koche sie bei kleiner Hitze kurz weich, bis sie aufquellen und der Wein fast verdampft ist (das ist das mittelalterliche ‚geschwelt‘). Mische diese Weinbeeren dann unter die dritte Mandelportion. Der häufigste Fehler: Mandeln zu fein mahlen; das Gericht lebt von der ‚gehackten‘ Textur.

So wird es richtig gut. Die Balance ist der Schlüssel. Die Süße des Zuckers und der Rosinen kontrastiert mit der natürlichen, leicht herben Mandel. Ein Hauch von Säure, etwa durch einen Tropfen Verjus, kann die Aromen aufbrechen, ist aber nicht zwingend. Beim Anrichten legst du die drei Mandel-Mischungen nebeneinander oder leicht übereinander, um das Farbspiel - Gelb, Weiß, Rosinen-Braun - zu betonen. Bei Raumtemperatur entfalten sich die Aromen am besten. Ein einfaches, aber raffiniertes Gericht, das die Möglichkeiten der Fastenküche aufzeigt.

Was bedeutet 'gehackt in der vasten'?

Dies ist ein Gericht aus gehackten Zutaten, das speziell für die Fastenzeit geeignet ist. Da es aus Mandeln besteht, ist es eine pflanzliche Speise, die den Fastenregeln entspricht.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, Goldstandard. Alle Zutaten sind haltbar und leicht zu transportieren. Die Zubereitung ist einfach und schnell am offenen Feuer oder auf einem Kocher möglich.

Was bedeutet 'geschult' im Rezept?

Nach der Edition Ehlert (1999) ist 'geschult' eine Verlesung für 'geschwelt': Die Rosinen werden in wenig Wein weich gekocht, nicht gereinigt oder geschält.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384) (2. Hälfte 15. Jh., Südwestdeutschland). Das umfangreichste der Münchner Kochbuchhandschriften und das letzte in CoReMA edierte: 83 alemannische (südwestdeutsche) Rezepte des späten 15. Jh., sauber rubriziert von einer Hand auf Bl. 076r-078r und 103v-115v. Schwerpunkt auf Saucen und Vorräten - zahlreiche Salsen (Sältz), Pfeffer- und Leberpfeffer-Saucen (auch schwarzer Pfeffer), Gumpost (eingelegtes süß-saures Gemüse/Obst), Latwergen, Senf sowie Kraut- und Gemüsegerichte. Die gelegentlich erwähnte hebräische Schrift betrifft nur spätere Marginal-Nachträge (Bl. Ir + 122v-123v), nicht die Kochrezepte. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M2 ediert; größtes Cross-Link-Potenzial zu den anderen Münchner Büchern (Cgm 725/349/811).

gehackt in der vasten Ain gehakt in der vasten mach von gehacktem mandel vnd farb aintail vnd das ander laus wiss vnd strow czucker daruff vnd czuo dem dritten taill so nym klain win berlin geschult in ainem wenig wins in ainer pfannen
gehackt in der vasten

Ein Gericht aus gehackten Zutaten, das in der Fastenzeit gegessen werden durfte. Da es aus Mandeln besteht, ist es eine pflanzliche Speise, die den Fastenregeln entspricht.

win berlin

Eine alte Bezeichnung für Weinbeeren, also Rosinen.

geschult

Nach Ehlert (1999) eine Verlesung für geschwelt (zu obd. schwellen): in wenig Flüssigkeit sieden, bis etwas weich wird. Die Rosinen werden also in Wein weich gekocht - nicht „gereinigt“ oder „geschält“.

Handschrift
München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384
Folio
Fol. 113v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 2. Hälfte 15. Jh.)
Entstehung
Südwestdeutschland, 1470
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

gehacktem mandelalmond Q184357
czuckerunrefined cane sugar Q57656231
klain win berlinraisin Q13186
winswine Q282

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartgeschult

Gewählte Lesart: Verlesung für geschwelt (Partizip zu obd. schwellen, sw. v. ‚etwas in wenig Wasser/Flüssigkeit sieden, bis es weich wird‘). Die Weinbeeren werden in wenig Wein weich gekocht. Diese Deutung folgt der Edition Ehlert 1999 und der Parallele im Reichenauer Kochbuch (Nr. 62), das an gleicher Stelle geschwelt liest.

Originalwerk (~1470) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 113v, Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 384 (2. Hälfte 15. Jh.); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M2 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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Alle Zutaten sind haltbar und leicht zu transportieren. Die Zubereitung ist einfach und schnell am offenen Feuer oder auf einem Kocher möglich.
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Stand dieser Fassung: 26.06.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.