München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384 · Südwestdeutschland · 1470
Schneide weißes Brot würfelig, wie Speck, und röste es in Schmalz oder Öl, bis es braun wird. Streue es dann als Grieben auf die Muse (Breie). Das ist eine feine Speise. Schneide ebenso Äpfel und röste sie im Schmalz. Gib auch sie auf Muse. Dies ist für die Fastenzeit gedacht.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| wiss brott | Weißbrot | - | - | - |
| schmaltz oder in oll | Schmalz | - | - | Pflanzenöl (für die Fastenzeit) |
| opffel schrott | Apfelstücke | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Im Geiste sind das knusprige Croutons, die als Fasten-Ersatz für Speck-Grieben dienen und Breie aufwerten - eine einfache, aber sättigende Beilage. Eine ‚feine Speise‘ durch Textur und Fett.
So gelingt es. Der Schlüssel liegt im richtigen Würfeln und Rösten: Schneide das Weißbrot in etwa 0,5 bis 1 cm große Würfel, ‚wie Speck‘, damit sie eine gute Oberfläche zum Bräunen bieten. Erhitze Schmalz oder Öl (für die Fastenzeit) in einer Pfanne bei mittlerer Hitze. Gib die Brotwürfel hinein und röste sie unter ständigem Wenden, bis sie knusprig und goldbraun sind. Achte darauf, dass sie nicht verbrennen - das ist der häufigste Fehler und würde den Geschmack ruinieren. Sie sollen eine schöne, gleichmäßige Bräunung bekommen. Ebenso verfährst du mit Apfelstücken, falls du diese Variante zubereitest; sie werden im Fett leicht karamellisieren und eine süßliche Note entwickeln.
So wird es richtig gut. Die frischen, warmen Brotgrieben sind ein wunderbarer Kontrast zu weichen Musen oder Breien. Ihre Knusprigkeit und der feine Fettgeschmack werten jedes einfache Fastengericht auf. Streue sie großzügig über den fertigen Brei, direkt vor dem Servieren, damit sie ihre Textur behalten. Ein Hauch Salz auf die fertigen Brotwürfel hebt den Geschmack zusätzlich hervor, auch wenn das Original es nicht explizit nennt, war Salz ein Grundgewürz. Bei den Apfelstücken sorgt die leichte Süße und Säure für eine schöne Ergänzung.
‚Grieben‘ ist hier der Name für die zubereiteten gerösteten Brotwürfel und Apfelstücke. Sie dienen als eine Art Topping oder Beilage für andere Breie oder Muse.
Ja, Goldstandard. Es ist schnell zubereitet (ca. 15-20 Minuten), benötigt nur eine Pfanne oder einen Topf am Feuer und verwendet robuste Zutaten, die keine spezielle Kühlung erfordern.
Die Angabe ‚Schmalz oder Öl‘ ist eine Anpassung an die Fastenregeln des Mittelalters. In der Fastenzeit war der Verzehr von tierischen Fetten wie Schmalz verboten, weshalb pflanzliches Öl als Alternative genannt wird. Außerhalb der Fastenzeit konnte Schmalz verwendet werden.
Dieses Rezept stammt aus dem Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384) (2. Hälfte 15. Jh., Südwestdeutschland). Das umfangreichste der Münchner Kochbuchhandschriften und das letzte in CoReMA edierte: 83 alemannische (südwestdeutsche) Rezepte des späten 15. Jh., sauber rubriziert von einer Hand auf Bl. 076r-078r und 103v-115v. Schwerpunkt auf Saucen und Vorräten - zahlreiche Salsen (Sältz), Pfeffer- und Leberpfeffer-Saucen (auch schwarzer Pfeffer), Gumpost (eingelegtes süß-saures Gemüse/Obst), Latwergen, Senf sowie Kraut- und Gemüsegerichte. Die gelegentlich erwähnte hebräische Schrift betrifft nur spätere Marginal-Nachträge (Bl. Ir + 122v-123v), nicht die Kochrezepte. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M2 ediert; größtes Cross-Link-Potenzial zu den anderen Münchner Büchern (Cgm 725/349/811).
Die Fastenzeit, in der der Verzehr von Fleisch und tierischen Produkten (außer Fisch) untersagt war. Daher die Option, Pflanzenöl statt Schmalz zu verwenden.
Hier ‚höfisch‘ im Sinne von ‚fein‘, ‚vornehm‘, ‚der höfischen Tafel angemessen‘ - ein Lob für die Speise, nicht ‚höflich‘ im modernen Sinn. Ehlert übersetzt ‚höfisch‘.
‚Grieben‘ (Grammeln) - hier falsche Grieben aus gerösteten Brotwürfeln als Fasten-Ersatz für die sonst aus Speck ausgelassenen Fett-Grieben; NICHT ‚Gruben/Löcher‘.
Grob geschnittene Apfelstücke (‚Schrott‘ = Zerkleinertes), die ebenso im Fett geröstet werden. Ehlert: ‚Schneide ebenso Äpfel‘.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| wiss brott | white bread Q1501889 |
| schmaltz oder in oll | lard or cooking oil Q72827 · Q427457 |
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.