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Mandel-Käse oder -Butter

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

Gewürz / SauceGewürz / SauceLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit90 Min.Portionen1 kleines Stück Käse/ButterBuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Nimm Mandelkerne und blanchiere sie sorgfältig in siedendem Wasser, dann wirf sie in kaltes Wasser. Löse die Schalen ab und stoße die geschälten Mandeln im Mörser. Sobald sie beginnen, ölig zu werden, sprenge kaltes Wasser darüber und stoße sie kräftig weiter. Mische sie gleichmäßig mit kaltem Wasser zu einer dicken Masse und wringe sie durch ein feines Tuch. Gib den Mandel-Trester zurück in den Mörser, stoße ihn erneut und wringe ihn nochmals aus, um die restliche Flüssigkeit zu gewinnen. Schütte die gesamte Mandelmilch in eine Pfanne und halte sie über das Feuer. Füge eine Eierschale voll Wein hinzu und rühre alles gut um, bis es siedet. Nimm ein sauberes Seihtuch, lege es auf reines Stroh und gieße die Mandelmilch darüber, sodass sie gut abtropfen kann. Was dann auf dem Tuch zurückbleibt, daraus mache einen Käse. Wenn du daraus eine Butter machen möchtest, lasse ein wenig Safran darin aufkochen und serviere es dann als Butter oder Käse.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
mandel kern 500 g Mandeln, geschält - -
siedem wazzer Heißes Wasser Leitung -
kalt wazzer Kaltes Wasser Leitung -
ein eyer schaln vol wines 1 Eierschale voll Wein (ca. 50 ml Weißwein, trocken) - -
saffrans 1 Prise Safranfäden Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
ein schoen tuoch / ein schün büteltuch 1 sauberes Seihtuch / Passiertuch Haushaltswaren -
reine stro Sauberes Stroh Tierbedarf, Bauernhof -

Welches Gericht ist das? Ein Mandel-Frischkäse beziehungsweise eine Mandelbutter - ein veganer Milchersatz für die Fastenzeit, hergestellt wie echter Käse: Mandelmilch wird durch Säure (Wein) zum Gerinnen gebracht und die Masse im Tuch abgetropft. Der direkte Verwandte ist rfk-017 (Mandelmus mit Wein, in Form gebracht); im Königsberger Kochbuch wird dieselbe Idee zur dreifarbigen Mandel-Sülze koe-017 getrieben.

Die Gerinnung mit Wein. Der Clou ist, dass hier Säure statt Lab arbeitet: Eine Eierschale voll Wein (ein gängiges mittelalterliches Maß, ca. 50 ml) wird in die siedende Mandelmilch gerührt - die Säure fällt die Mandelproteine aus, sie flocken und trennen sich vom Wasser, genau wie Käsebruch. Was im Tuch zurückbleibt, ist der Mandel-„Käse“.

Maximaler Ertrag aus dem Trester. Das Rezept legt Wert aufs zweimalige Auswringen: die ausgepresste Mandelmasse (kafen = Trester) kommt zurück in den Mörser, wird erneut gestoßen, mit Wasser gemengt und nochmals ausgewrungen. So holt man auch die letzte Mandelmilch heraus - bei teuren Mandeln lohnt das.

Butter statt Käse - die Safran-Variante. Will man Butter statt Käse, lässt man etwas Safran mitkochen. Safran färbt die Masse goldgelb - genau die Farbe, die echte Butter hat. Hier ist das Färben also kein Selbstzweck, sondern die Illusion: aus weißem Mandelbruch wird optisch Butter.

Praxis. Mandeln blanchieren, häuten, im Mörser stoßen, bis sie ölig werden, dann mit kaltem Wasser zur dicken Paste mengen und durch ein feines Tuch wringen; Trester nochmals stoßen und auswringen. Die Mandelmilch in der Pfanne erhitzen, ca. 30-50 ml Wein einrühren und unter Rühren zum Sieden bringen. In ein Seihtuch (modern: Sieb statt Stroh) gießen, gut abtropfen lassen, fest werden lassen - das Ergebnis ist der Käse. Für Butter stattdessen eine Prise Safran mitkochen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, nicht direkt für die Zubereitung vor Ort. Das aufwendige Stoßen der Mandeln und der Prozess der Käseherstellung sind für eine schnelle Zubereitung im Lager zu zeitintensiv. Das fertige Produkt kann jedoch gut vorbereitet von zu Hause mitgebracht werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'Das Buch von guter Speise', einer der ältesten bekannten deutschsprachigen Rezeptsammlungen, die um 1350 im süddeutschen Raum entstanden ist. Es gibt Einblicke in die höfische und bürgerliche Küche des Spätmittelalters.

Was bedeutet 'eine Eierschale voll Wein' im Rezept?

Dies ist ein historisches Maß, das in mittelalterlichen Rezepten häufig vorkommt. Es entspricht ungefähr 50 Millilitern. Der Wein dient hier als Säure, um die Mandelmilch gerinnen zu lassen, ähnlich wie Lab bei Kuhmilch.

Ein guot fuelle. Nim mandel kern, mache in schoene in siedem wazzer vnd in kalt wazzer, loese die garsten vz vnd stoz die besten moerser. Alse sie veiste beginnen, so sprenge dor vf ein vnd stoz sie vaste vnd menge sie mit kaldem wazzere eben vnd rink sie durch ein schoen tuoch vnd tuo die kafen den moerser, stoz sie vnd rink sie vz. schuet ez allez phannen vnd halt sie veber daz viuer vnd tuo darzvo vol wines vnd ruerez wol, vnz daz es gesiede. nim ein vnd lege ez vf reine stro vnd guez dar vf die milich, biz daz sie wol ueber sige. swaz denne vf dem do von mache einen kese. wilt du butern dor vz machen, ein wenic saffrans do mit erwallen vnd gibz hin als butern kese.
fuelle

die Überschrift Ein guot fuelle meint hier ein gehaltvolles, sättigendes Erzeugnis (zu mhd. vüele/vülle = Fülle, Reichhaltigkeit) - nicht eine Füllung zum Befüllen.

garsten

die abgelösten Häute/Schalen der blanchierten Mandeln.

veiste

fettig, ölig - der Punkt beim Stoßen, an dem die Mandeln ihr Öl freigeben (Signal, kaltes Wasser zuzusprengen).

kafen

Trester, der ausgepresste Mandelrückstand - wird erneut gestoßen und ausgewrungen, um die restliche Milch zu gewinnen.

eier schaln vol wines

eine Eierschale voll Wein - historisches Kleinmaß (ca. 50 ml); der Wein liefert die Säure zum Gerinnen, wie Lab bei Kuhmilch.

ueber sige

durchsickert/abtropft - die Molke läuft durchs Tuch ab, der Bruch bleibt zurück.

saffrans

Safran - färbt die Mandelbutter goldgelb, also in die Farbe echter Butter (Färbung als Illusion, nicht Selbstzweck).

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 160v
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 160v, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Das Erhitzen und Gerinnen geht am Feuer, aber das aufwendige Stoßen der Mandeln und vor allem das saubere Abtropfen/Festwerden des Käses braucht Zeit und Ruhe (idealerweise Kühle). Besser zu Hause vorbereiten und das fertige Stück mitbringen.
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