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Ziger aus Mandeln mit Zuckermilch

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793 · Unteres Inntal (Mühldorf am Inn), Bayern · 1445

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit45 Min.Portionen4 PersonenBuchHaus- und Arzneibuch (Ka2) (~1445)

Nimm Mandeln, so viele du möchtest, und stoße sie gut fein. Seihe die gestoßene Masse durch ein Tuch, um die Mandelmilch zu gewinnen.

Wärme die Mandelmilch in einem Topf und rühre sie mit einem Hölzchen durcheinander (gut umrühren).

Behalte einen Teil der Mandelmilch kalt zurück. Mische diese kalte Milch mit Zucker und gieße sie über den fertigen Ziger.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
mandel Mandeln - - Fertig gemahlene Mandeln aus dem Supermarkt beschleunigen das Stoßen, für die Milchgewinnung müssen sie aber trotzdem mit Wasser angerührt und durchs Tuch gepresst werden
zuker Zucker - - -

Welches Gericht ist das? Ein durch Erhitzen und Rühren eingedickter Brei aus Mandelmilch, der in der Fastenküche als Ersatz für Ziger (Quark/Frischkäse) diente und mit kalter, gezuckerter Mandelmilch übergossen wurde - keine echte Käseherstellung, sondern eine pflanzliche Nachbildung. Engster Verwandter im Korpus ist bgs-071, das mit demselben Verfahren arbeitet: Mandelmilch wird ganz ohne Bindemittel allein durch Hitze eingedickt und ebenfalls gezuckert serviert. Eine zweite, größere Rezeptfamilie (ka1-060, mha-113, m384-071, mon-140, mon-268, ri15632-003, rfk-017) bindet dieselbe Mandelmilch stattdessen mit geriebenem Weißbrot und Wein - ein anderes Verfahren, auch wenn das Ergebnis ähnlich benannt wird.

Bis wann ist es fertig? Der Text nennt für die Erhitzungsphase weder eine Dauer noch ein Erkennungsmerkmal - nur „rühre es durcheinander“. Ein Zusammenziehen oder sichtbares Gerinnen steht im Original nicht. Da reine Mandelmilch kein Kasein enthält, entsteht auch kein echtes Gerinnen wie bei Kuhmilch-Quark, sondern eher eine durch Verdunstung eingedickte Masse. bgs-071 zeigt mit seinem Verb „erwelle“ (aufwallen lassen), dass Erhitzen ohne Bindemittel im Korpus tatsächlich belegt ist - wie lange und wie fest, bleibt aber offen und hängt von Hitze und Zeit ab.

Praxis. Mandeln fein stoßen (oder im Mixer zerkleinern), mit etwas Wasser zu einer dicken Mandelmilch verarbeiten und durch ein Tuch pressen. Einen Teil der Mandelmilch kalt beiseitestellen. Den Rest im Topf bei mittlerer Hitze unter ständigem Rühren mit einem Holzlöffel einköcheln lassen, bis er sichtbar eindickt - eine feste Quark-Konsistenz wie bei Kuhmilch ist nicht garantiert, ein cremiger, dicker Brei genügt. Die kalt zurückgehaltene Mandelmilch mit Zucker verrühren und über den warmen Brei gießen.

Was bedeutet 'Ziger' in diesem Rezept?

Ziger ist ein historisches Wort für Quark oder Frischkäse. In diesem Rezept wird kein Milchprodukt verwendet, sondern ein käseähnlicher Brei aus eingedickter Mandelmilch hergestellt, eine pflanzliche Nachbildung, wie sie in der Fastenzeit üblich war, wenn Milchprodukte verboten waren.

Was bedeutet 'Hafen' im Rezept?

Hafen ist das mittelhochdeutsche Wort für einen Kochtopf, keine Verbindung zu einem Hafen am Wasser.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja. Mandeln stoßen, Milch pressen, kurz erwärmen und rühren, ein Teil kalt zurückbehalten und mit Zucker mischen, alles innerhalb einer Stunde am Feuer machbar. Einzige Auflage: die zurückbehaltene kalte Mandelmilch sollte bis zum Servieren kühl stehen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Haus- und Arzneibuch (Ka2) (15. Jh., Unteres Inntal (Mühldorf am Inn), Bayern). CoReMA-Handschrift Ka2: Rezeptteil (fol. 27v-28v + 94r-98r, zwei getrennte Lagen) des "Haus- und Arzneibuch" genannten Sammelbandes, Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793 - 56 Rezepte, mittelbairisch (unteres Inntal/Mühldorf am Inn), ca. 1445-1470. Anders als das alemannische Ka1 (Reichenauer Kochbuch) aus derselben Bibliothek - Cross-Link-Potential zu den anderen mittelbairischen CoReMA-Büchern (ri15632/Rott am Inn, m5919/Regensburg).

Einen ziger von mandel machen Nim mandel so vil du wild vnd wol gestossen seichs durch ein tuch vnd werm In in einem hafen vnd mit ainem holczlein rur es durh einander vnd behallt der mandel milich kalter vnd geuss darauf mit zuker gemischt
ziger

Ziger meint Quark oder Frischkäse. Hier wird er nicht aus Milch, sondern aus Mandeln nachgebildet, ein pflanzliches Käseimitat, wie es in der Fastenküche verbreitet war.

hafen

Mittelhochdeutsches Wort für Kochtopf, nicht für einen Hafen am Wasser.

holczlein

Kleines Holzstück, das als Rührstab diente.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793
Folio
Fol. 096r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, unteres Inntal/Mühldorf am Inn, ca. 1445-1470)
Entstehung
Unteres Inntal (Mühldorf am Inn), Bayern, 1445

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartbehallt der mandel milich kalter

Gewählte Lesart: Verstanden als Anweisung, einen Teil der Mandelmilch kalt zurückzubehalten (aufzuheben), um sie später mit Zucker vermischt über den fertigen Ziger zu gießen.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Mandelmilch beim Erwärmen kühler halten - Grammatisch ebenso denkbar, ergibt aber keinen praktischen Sinn, da der folgende Satz eine separate, kalt zu verwendende Mandelmilch mit Zucker beschreibt, die über das Ergebnis gegossen wird.

LesartIn (großgeschrieben, 'werm In in einem hafen')

Gewählte Lesart: Als Pronomen 'ihn/sie' gelesen (auf die zuvor gewonnene Mandelmilch bezogen): 'wärme sie in einem Topf'.

Andere mögliche Lesart:

  • Bloße Großschreibungs-Marotte derselben Schreiberhand ohne grammatische Bedeutung - Ein Quervergleich mit ka2-003 (gleiche Hand) zeigt, dass diese Handschrift Großschreibung uneinheitlich einsetzt - dort steht 'stoss In ein syedentz wasser' für das Pronomen, aber auch 'nit In das haferl gee' für die Präposition 'in'. Die Großschreibung allein ist damit kein verlässliches Signal; die Lesart als Pronomen stützt sich auf den Satzsinn, nicht auf die Schreibung.

Originalwerk (~1445) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 096r, Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Donaueschingen 793 ("Haus- und Arzneibuch", Ka2, 15. Jh.), Rezeptteil fol. 27v-28v + 94r-98r - Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka2 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
In gut einer Stunde fertig mit nur Topf, Tuch und Mörser oder Blender zum Mandelnstoßen. Die zurückbehaltene kalte Mandelmilch für die Sauce bis zum Servieren kühl halten, ansonsten unkompliziert.
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