Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Milch-Euter-Braten

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793 · Unteres Inntal (Mühldorf am Inn), Bayern · 1445

LagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit150 Min.Portionen4-6 PersonenBuchHaus- und Arzneibuch (Ka2) (~1445)

Wie man einen gemachten Euter-Braten aus Milch zubereiten soll:

Nimm Milch und Eier zu gleichen Teilen und schlage sie kräftig untereinander. Gib Safran hinzu und fülle die Mischung in einen Topf. Stelle diesen Topf in einen Kessel mit siedendem Wasser, sodass das Wasser nicht in den kleineren Topf gelangt, und lasse es darin sieden, bis die Masse gestockt ist.

Danach schütte die gestockte Masse auf ein weißes Tuch und wickle sie darin ein. Beschwere das Tuch, damit das Wasser abtropft und die Masse hart wie ein Käse wird. Schneide sie anschließend wie ein Euter in Stücke und stecke diese auf einen Spieß. Brate die Stücke auf einem Rost, gib Gewürze daran und begieße sie mit Schmalz. Serviere das Gericht.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
milich Milch - - -
aier Eier - - -
saffran Safran - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
gewurtz Gewürze - - Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken
smalcz Schmalz - Metzger, Supermarkt Butterschmalz oder Pflanzenöl für eine vegetarische Variante

Welches Gericht ist das?

Eine im Wasserbad geronnene Milch-Ei-Masse, die anschließend gepresst, geschnitten, aufgespießt und auf dem Rost gebraten wird - kein Fleisch, sondern eine „gemachte“ Nachbildung von Euterfleisch aus Milch und Ei. In der Konsistenz ist die Speise ein Verwandter des heutigen festen Eierstichs oder eines ungesäuerten Eierkäses, da die Gerinnung allein durch Hitze entsteht, nicht durch Lab oder Fermentation. Im Handwerk - gepresste Masse in Streifen geschnitten, aufgespießt, über der Glut gebraten und mit Fett begossen - erinnert die Zubereitung an heutige Grillkäse- oder Halloumi-Spieße.

Praxis.

Milch und Eier zu gleichen Teilen kräftig verschlagen, Safran unterrühren und die Masse in einen kleinen Topf füllen. Diesen Topf in einen größeren Kessel mit siedendem Wasser stellen (Topf im Topf), sodass kein Wasser in den kleinen Topf gelangt - das schonende Garen im Wasserbad verhindert, dass die Ei-Milch-Masse anbrennt oder ungleichmäßig gerinnt. Sobald sie vollständig gestockt ist, auf ein weißes Tuch schütten, einwickeln und mit einem Gewicht beschweren, bis das Wasser abgetropft und die Masse fest wie ein Käse ist - das Auspressen entzieht die überschüssige Molke und macht die Masse schnittfest genug, um sie später auf den Spieß zu stecken. Die feste Masse in Streifen schneiden, die an Euterstücke erinnern, aufspießen und auf einem Rost über der Glut braten. Dabei mit Gewürzen bestreuen und mehrfach mit Schmalz begießen - das Braten dient vor allem der Bräunung und Aromatisierung, da die Masse durch das Wasserbad bereits durchgegart ist. Insgesamt braucht die Zubereitung mit Garen, Pressen und Braten reichlich Zeit (rund 2 bis 2,5 Stunden), ist aber mit einfachem Lager-Equipment - Kessel, kleiner Topf, Tuch, ein Stein als Gewicht, Rost oder Spieß über offener Glut - gut umsetzbar.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Gericht ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung im Wasserbad und das anschließende Braten auf einem Rost sind mit einfachem Lager-Equipment umsetzbar. Die Zutaten sind robust und benötigen keine aufwendige Kühlkette, wenn sie zügig verarbeitet werden. Plane etwa 2-3 Stunden für die gesamte Zubereitung ein, inklusive der Zeit zum Pressen der Masse.

Was bedeutet ‚Euter-Braten' in diesem Kontext?

Der „Euter-Braten“ ist hier kein echtes Euterfleisch, sondern eine „gemachte“ Speise aus Milch und Eiern, die in Form und Textur Euterfleisch imitiert. Solche Imitationen teurer oder seltener Zutaten waren im Mittelalter als raffinierte Schaugerichte beliebt.

Was bedeutet ‚Gewürze daran tun' - welche Gewürze sind gemeint?

Das Rezept nennt keine spezifischen Gewürze. Typisch für die Zeit wären eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Zimt und Nelken. Auch Galgant oder Muskatblüte wären denkbar. Du kannst eine fertige Gewürzmischung verwenden oder deine eigenen bevorzugten Gewürze frisch mörsern.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Haus- und Arzneibuch (Ka2) (15. Jh., Unteres Inntal (Mühldorf am Inn), Bayern). CoReMA-Handschrift Ka2: Rezeptteil (fol. 27v-28v + 94r-98r, zwei getrennte Lagen) des "Haus- und Arzneibuch" genannten Sammelbandes, Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793 - 56 Rezepte, mittelbairisch (unteres Inntal/Mühldorf am Inn), ca. 1445-1470. Anders als das alemannische Ka1 (Reichenauer Kochbuch) aus derselben Bibliothek - Cross-Link-Potential zu den anderen mittelbairischen CoReMA-Büchern (ri15632/Rott am Inn, m5919/Regensburg).

Ain gemachcz awtter gepraten von Milich wie man das beraitten sol Nim milich vnd aier geleich vnd klopfs vasst vnder einander vnd tue saffran daran vnd tues in ein hafen vnd stoss In ein syedentz wasser in ainen kessel also das das wasser nit In das haferl gee vnd lass darInn sieden vnd das es gestok darnach schut es auf ein weiss tuch vnd wintt es vmb In dem tuch vnd swar es nider das das wasser dauon seich so wirt es hertt als ein chas darnach zersneids als ein awtter vnd stoss an einen spis vnd prats auf ainem rost tue gewurtz daran vnd begewss mit smalcz vnd gibs ze essen
gemachcz awtter gepraten

Ein ‚gemachtes Euter' ist eine Speise, die in Form und Textur Euterfleisch imitiert, aber aus anderen Zutaten (hier Milch und Eiern) besteht. Solche ‚Trompe-l'œil'-Gerichte waren im Mittelalter beliebt, oft für Fastenzeiten oder als Schaugerichte.

hafen / haferl

Beide Begriffe bezeichnen einen Topf, wobei ‚Haferl' die Verkleinerungsform ist. Hier wird ein kleinerer Topf in einen größeren Kessel gestellt, um die Milch-Ei-Mischung im Wasserbad zu garen.

gestok

Bezieht sich auf das Stocken oder Gerinnen der Milch-Ei-Mischung durch die Hitze, ähnlich wie bei der Zubereitung von Eierstich oder Käse.

swar es nider

Bedeutet, die eingewickelte Masse zu beschweren, um überschüssiges Wasser herauszupressen und eine feste Konsistenz zu erreichen, ähnlich der Käseherstellung.

rost

Ein Rost aus Metall oder frischem, grünem Holz, auf dem die vorbereiteten Stücke über offener Glut gebraten werden können. Siehe auch Der hölzerne Rost.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793
Sprache
Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, unteres Inntal/Mühldorf am Inn, ca. 1445-1470)
Entstehung
Unteres Inntal (Mühldorf am Inn), Bayern, 1445

Originalwerk (~1445) gemeinfrei.

Bildquelle
Haus- und Arzneibuch - Cod. Donaueschingen 793. Unteres Inntal (Mühldorf), [1445/1470]. Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Donaueschingen 793, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:31-37968 / Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka2 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Im Wasserbad gestockt und anschließend auf dem Rost gebraten. Die Zutaten sind robust, die Zubereitung erfordert mehrere Schritte, ist aber gut am Lagerfeuer umsetzbar. Für eine vegetarische Variante kann Pflanzenöl oder Butterschmalz statt tierischem Schmalz verwendet werden.
Alle Rezepte aus Haus- und Arzneibuch (Ka2) Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.