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Gestockter Mandelmilch-Käse

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit60 Min.Portionen2-4 PersonenBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Für dieses Mandelgericht zunächst Mandelmilch aufkochen. Sobald sie gesotten hat, durch ein Tuch schlagen, damit sich die festeren Bestandteile von der Flüssigkeit trennen. Ein Vierdung Zucker bereithalten, den man später beim Essen dazu reicht.

Wenn die Mandelmilch durchgeseiht ist, die entstandene Masse auf eine Schüssel geben, sodass sie rund und scheibenförmig darauf liegt wie ein kleiner Käse. Mandelmilch oder Nussmilch darübergießen und den Käse mit Mandelkernen bestecken.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
milich Mandelmilch (zum Aufkochen) - Supermarkt, Bio-Laden Fertige Mandelmilch aus dem Supermarkt statt selbst gezogener
ain vierdung zucker Zucker 125 g - -
mandel milich oder nusz milich Mandelmilch oder Nussmilch - Supermarkt, Bio-Laden -
mandel keren Mandelkerne - - -

Welches Gericht ist das? Ein „Käse“ ganz ohne Milch: eingekochte, durch ein Tuch geseihte Mandelmilch wird zu einer festen, scheibenförmigen Masse verarbeitet, mit Mandel- oder Nussmilch übergossen und mit Mandelkernen besteckt. Das ist eine Fasten-Käseimitation der höfischen Küche - kein echter Milchkäse, sondern eine formal an Käse angelehnte Süßspeise für Zeiten, in denen Milchprodukte verboten waren. Die CoReMA-Sachglosse führt „kaesz“ hier korpusweit als cheese analogue, nicht als echten Käse.

Die Konsistenz der ersten Mandelmilch. Damit beim Durchschlagen durch das Tuch überhaupt eine feste Masse zurückbleibt, muss die zuerst aufgekochte Mandelmilch dickflüssig sein und noch reichlich Mandelmehl in der Schwebe enthalten - keine bereits fein durchgeseihte, dünne Milch. Bereits vollständig filtrierte, feststoffarme Mandelmilch, etwa fertige Mandelmilch aus dem Supermarkt, liefert beim zweiten Durchschlagen kaum genug Masse, um einen scheibenförmigen „Käse“ zu formen.

Praxis. Mandeln fein mahlen und mit vergleichsweise wenig heißem Wasser zu einer dicken, noch nicht durchgeseihten Mandelmilch verrühren, diese aufkochen. Die heiße Masse durch ein Tuch schlagen (passieren), sodass die festeren Mandelanteile im Tuch zurückbleiben - das wird der „Käse“. Die zurückbleibende feste Masse auf eine Schüssel geben und rund und flach wie eine Käsescheibe formen. Zucker separat bereithalten und erst beim Essen dazureichen. Zum Servieren frische Mandelmilch oder Nussmilch darübergießen und mit Mandelkernen bestecken. Am offenen Feuer dauert der ganze Vorgang gut eine Stunde.

Was ist ein 'Vierdung' und wie viel Zucker ist das?

Ein Vierdung ist ein historisches Gewichtsmaß, ein Viertel Pfund, das je nach Region etwa 100 bis 125 g entspricht. Für dieses Rezept kann man großzügig mit rund 125 g Zucker rechnen.

Wie stelle ich die Mandelmilch für dieses Rezept selbst her?

Für die Basis dieses Rezepts sollte die erste Mandelmilch dickflüssig bleiben und noch reichlich Mandelmehl enthalten: geschälte, fein gemahlene Mandeln mit heißem Wasser übergießen, gut verrühren und nicht vollständig auspressen - anders als bei dünner Trink-Mandelmilch bleibt hier bewusst mehr Feststoff in der Milch, sonst fehlt beim zweiten Durchschlagen durchs Tuch die Masse für den 'Käse'. Für die zweite, zum Übergießen bestimmte Mandelmilch reicht auch fertige Mandelmilch aus dem Supermarkt oder Bio-Laden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, gut machbar. Mandelmilch aufkochen und durch ein Tuch seihen dauert am Feuer etwa eine Stunde, gebraucht wird nur ein Topf, ein Tuch und eine Schüssel. Da alle Zutaten pflanzlich sind, ist keine Kühlung nötig.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.

Ain mandel gemuess Item von mandel gemuesz mach ain kaesz wann die milich gesotten wirt So schlah die milich vf ain tuch vnd nym ain vierdung zucker den muost du vf ein essen haben vnd wann die milich gesibt ist So thue sy auf ain schuessel das sy scheiblat auf der schussel sej vnd geuss mandel milich oder nusz milich daran vnd besteck den kaeß mit mandel keren .
gemuesz

Bezeichnet hier keinen Brei im engeren Sinn, sondern das Gericht als Ganzes ('Mandelmus/Mandelspeise'). Die CoReMA-Sachglosse verweist auf 'puree' als Speisekategorie.

kaesz

Ein 'Käse' nur dem Namen und der Form nach: eine feste, gestockte Masse aus eingekochter, durchgeseihter Mandelmilch, kein Milchprodukt.

vierdung

Historisches Gewichtsmaß, ein Viertel Pfund, hier umgerechnet auf etwa 125 g.

gesibt

Vom Verb 'sieben' abgeleitet: durchgeseiht, durch das Tuch von der Flüssigkeit getrennt.

scheiblat

Rund und scheibenförmig, wie eine flache Käsescheibe auf der Schüssel liegend.

mandel keren

Mandelkerne, die zur Garnitur in die Oberfläche gesteckt werden.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 092v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 092v, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Im Topf am Feuer eingekocht und durch ein Tuch geseiht, in etwa einer Stunde fertig. Gemahlene Mandeln oder fertige Mandelmilch aus dem Supermarkt sparen das Selbstherstellen, Kühlung ist wegen der rein pflanzlichen Zutaten nicht nötig.
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