Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480
Item, willst du einen Eierbraten machen, so schlage die Eier am großen (stumpfen) Ende auf und verquirle sie sehr gut. Gib Pfeffer und Safran hinein, dazu gehackte Petersilie und Salbei.
Röste das in einer Pfanne, hacke es klein und fülle es wieder zurück in die Eierschalen. Stecke sie an ein Spießchen und lege sie auf einen Rost.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| air | Eier | - | - | - |
| pheffer | Pfeffer | - | - | - |
| saffran | Safran | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| gehackten pettersill | gehackte Petersilie | - | - | - |
| saluan | Salbei | - | - | - |
| air schall | Eierschalen | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Dies ist eine Variante der weit verbreiteten ‚Krausen Eier‘ beziehungsweise ‚Kroßeier‘ - eine gewürzte Eierspeise, die in den geleerten eigenen Schalen wieder aufgerichtet und über der Glut gebräunt wird. Die nahezu wortgleichen Schwesterfassungen rfk-047 (‚Krause Eier‘) und m384-081 (‚Kroßeier‘) überliefern jeden Schritt und lösen die Lesart eindeutig.
Der ‚große Spitz‘ ist kein Bratspieß. ‚Schlag die Eier an dem großen Spitz auf‘ meint das große, stumpfe Ende des Eis, an dem die Schale aufgeschlagen wird - so bleibt die Halbschale ganz und dient später als Form. Die Schwesterfassungen sagen es ausdrücklich: ‚brich die eyer ander groszen spiczen uff vnd lere die schalen‘. Der einzige Spieß im Rezept ist das kleine Spießchen am Ende (‚stoß an ainen‘, vgl. rfk-047 ‚stosz sie an ein spisselin‘), an das man die gefüllten Schalen zum Rösten steckt.
Praxis. Eier am stumpfen Ende vorsichtig köpfen, ausleeren, die leeren Halbschalen beiseitestellen. Die Eier gut verquirlen, mit Pfeffer, einer Prise Safran (sattes Gelb und Aroma), fein gehackter Petersilie und Salbei würzen. In etwas Schmalz bei mittlerer Hitze in der Pfanne stocken lassen - nur durchgaren, nicht hart braten, sonst lässt es sich schlecht hacken und wird zäh. Die gestockte Masse fein hacken und in die aufbewahrten Halbschalen zurückfüllen. An ein Holz- oder Metallspießchen stecken und kurz und heiß über der Glut auf dem Rost bräunen. Eine Bindung braucht es nicht - das Ei bindet beim Stocken selbst, period-treu ohne Mehl oder Schwitze.
Kein Bratenstück, sondern eine geröstete, gewürzte Eierspeise. Im mittelalterlichen Korpus heißt dieses Gericht ‚Krause Eier‘ oder ‚Kroßeier‘: Die Eier werden verquirlt, gewürzt, in der Pfanne geröstet, gehackt und wieder in die eigenen Schalen gefüllt.
Man schlägt die Eier am großen, stumpfen Ende auf, leert die Schale und bewahrt sie auf. Nach dem Rösten und Hacken füllt man die Masse wieder in diese intakten Halbschalen - so bekommt die Speise ihre eiförmige Gestalt zurück, bevor sie über der Glut gebräunt wird.
Mit Einschränkung. Eier, Kräuter und Gewürze sind leicht zu transportieren und brauchen nur Pfanne und Rost. Fummelig ist die Schalen-Show: das Köpfen ohne Bruch, das Wiederbefüllen und das Spießen brauchen Geduld und lassen sich schlecht für große Runden skalieren.
Dieses Rezept stammt aus dem Mondseer Kochbuch (Österreich - Mondsee, Oberösterreich). Das Mondseer Kochbuch - eine der umfangreichsten deutschsprachigen Rezeptsammlungen des Spätmittelalters: rund 268 Kochrezepte aus dem oberösterreichischen Raum (Umkreis des Benediktinerklosters Mondsee, 2. Hälfte 15. Jh.), überliefert in der Sammelhandschrift Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA-Sigle GR1, fol. 11r-94v). Das Buch deckt die ganze Bandbreite einer spätmittelalterlichen Küche ab: Mandel- und Fischmuse, Sülzen und Gallerten (u.a. vom Hasen und mit Krebsen), Hausen und andere Fische, Wildbret und Spanferkel, dazu zahlreiche Fasten- und Schauspeisen - etwa aus Fisch nachgeformte Rebhühner, Blancmanger und ein Karfreitags-Eiergericht - sowie süßes Backwerk, Lebkuchen und eingekochte Weichsel-Zubereitungen. Reiche Cross-Links zur bairisch-alemannischen Salsen-, Sülzen- und Schauspeisen-Tradition (m5919, m384, meb, kkm).
Ein ‚Braten von Eiern‘ meint hier kein Bratenstück, sondern eine geröstete, gewürzte Eierspeise - verwandt mit Omelett und Frittata, im Korpus unter den Namen ‚Krause Eier‘ und ‚Kroßeier‘ geläufig.
‚An dem großen Spitz‘ bezeichnet das große, stumpfe Ende des Eis, an dem man die Schale aufschlägt - nicht einen Bratspieß. Die Schwesterfassungen machen das ausdrücklich: ‚brich die eyer ander groszen spiczen uff vnd lere die schalen‘ und ‚schlach ayer vff czuo dem grossen spitz‘. Das stumpfe Ende wird gewählt, damit die geleerte Schale ganz bleibt und später wieder als Form dient.
Die geleerten Eierschalen werden aufbewahrt und nach dem Hacken wieder mit der gewürzten Eiermasse gefüllt - sie sind die Form, die der Speise ihre eiförmige Gestalt zurückgibt.
Ellipse für ‚stecke (sie) an ein Spießchen‘ - gemeint ist ein kleines Spießchen zum Halten über der Glut, vgl. die Schwesterfassung ‚stosz sie an ein spisselin‘. Dies ist der einzige Spieß im Rezept.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| air | chicken egg Q15260613 |
| pheffer | pepper Q3143131 |
| saffran | saffron Q25434 |
| gehackten pettersill | parsley Q25284 |
| saluan | common sage Q1111359 |
| air schall | eggshell Q2731253 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
czechlopff
Gewählte Lesart: ‚zerklopfen‘ im Sinne von verquirlen, kräftig schlagen. Die Schwesterfassungen bestätigen dies mit ‚slag die wol‘ und ‚kropff die gar wol‘.
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Stand dieser Fassung: 29.06.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.