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Krause Eier (gefüllte Eierschalen vom Rost)

Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480

VorspeiseVorspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 7/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit30 Min.Portionen2-4 PersonenBuchMondseer Kochbuch (~1480)

Item, willst du einen Eierbraten machen, so schlage die Eier am großen (stumpfen) Ende auf und verquirle sie sehr gut. Gib Pfeffer und Safran hinein, dazu gehackte Petersilie und Salbei.

Röste das in einer Pfanne, hacke es klein und fülle es wieder zurück in die Eierschalen. Stecke sie an ein Spießchen und lege sie auf einen Rost.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
air Eier - -
pheffer Pfeffer - -
saffran Safran gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
gehackten pettersill gehackte Petersilie - -
saluan Salbei - -
air schall Eierschalen - -

Welches Gericht ist das? Dies ist eine Variante der weit verbreiteten ‚Krausen Eier‘ beziehungsweise ‚Kroßeier‘ - eine gewürzte Eierspeise, die in den geleerten eigenen Schalen wieder aufgerichtet und über der Glut gebräunt wird. Die nahezu wortgleichen Schwesterfassungen rfk-047 (‚Krause Eier‘) und m384-081 (‚Kroßeier‘) überliefern jeden Schritt und lösen die Lesart eindeutig.

Der ‚große Spitz‘ ist kein Bratspieß. ‚Schlag die Eier an dem großen Spitz auf‘ meint das große, stumpfe Ende des Eis, an dem die Schale aufgeschlagen wird - so bleibt die Halbschale ganz und dient später als Form. Die Schwesterfassungen sagen es ausdrücklich: ‚brich die eyer ander groszen spiczen uff vnd lere die schalen‘. Der einzige Spieß im Rezept ist das kleine Spießchen am Ende (‚stoß an ainen‘, vgl. rfk-047 ‚stosz sie an ein spisselin‘), an das man die gefüllten Schalen zum Rösten steckt.

Praxis. Eier am stumpfen Ende vorsichtig köpfen, ausleeren, die leeren Halbschalen beiseitestellen. Die Eier gut verquirlen, mit Pfeffer, einer Prise Safran (sattes Gelb und Aroma), fein gehackter Petersilie und Salbei würzen. In etwas Schmalz bei mittlerer Hitze in der Pfanne stocken lassen - nur durchgaren, nicht hart braten, sonst lässt es sich schlecht hacken und wird zäh. Die gestockte Masse fein hacken und in die aufbewahrten Halbschalen zurückfüllen. An ein Holz- oder Metallspießchen stecken und kurz und heiß über der Glut auf dem Rost bräunen. Eine Bindung braucht es nicht - das Ei bindet beim Stocken selbst, period-treu ohne Mehl oder Schwitze.

Was ist ein 'Eierbraten'?

Kein Bratenstück, sondern eine geröstete, gewürzte Eierspeise. Im mittelalterlichen Korpus heißt dieses Gericht ‚Krause Eier‘ oder ‚Kroßeier‘: Die Eier werden verquirlt, gewürzt, in der Pfanne geröstet, gehackt und wieder in die eigenen Schalen gefüllt.

Wie sind die 'Eierschalen' zu verstehen?

Man schlägt die Eier am großen, stumpfen Ende auf, leert die Schale und bewahrt sie auf. Nach dem Rösten und Hacken füllt man die Masse wieder in diese intakten Halbschalen - so bekommt die Speise ihre eiförmige Gestalt zurück, bevor sie über der Glut gebräunt wird.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Mit Einschränkung. Eier, Kräuter und Gewürze sind leicht zu transportieren und brauchen nur Pfanne und Rost. Fummelig ist die Schalen-Show: das Köpfen ohne Bruch, das Wiederbefüllen und das Spießen brauchen Geduld und lassen sich schlecht für große Runden skalieren.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Mondseer Kochbuch, einer umfangreichen deutschsprachigen Rezeptsammlung aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es wurde im bairisch-österreichischen Raum, vermutlich im Umfeld des Klosters Mondsee, verfasst und spiegelt die gehobene Küche dieser Zeit wider.

ITem wil dw ein praten von air machen So slach air auff dacz dem grossen spicz vnd czechlopff sy gar woll vnd thue pheffer vnd saffran dar ein vnd gehackten pettersill vnd saluan vnd rast das in einerr phann vnd hacks chlain vnd tue es wider In dy air schall vnd stoß an ainen vnd legs auff ein rast
praten von air

Ein ‚Braten von Eiern‘ meint hier kein Bratenstück, sondern eine geröstete, gewürzte Eierspeise - verwandt mit Omelett und Frittata, im Korpus unter den Namen ‚Krause Eier‘ und ‚Kroßeier‘ geläufig.

grossen spicz

‚An dem großen Spitz‘ bezeichnet das große, stumpfe Ende des Eis, an dem man die Schale aufschlägt - nicht einen Bratspieß. Die Schwesterfassungen machen das ausdrücklich: ‚brich die eyer ander groszen spiczen uff vnd lere die schalen‘ und ‚schlach ayer vff czuo dem grossen spitz‘. Das stumpfe Ende wird gewählt, damit die geleerte Schale ganz bleibt und später wieder als Form dient.

air schall

Die geleerten Eierschalen werden aufbewahrt und nach dem Hacken wieder mit der gewürzten Eiermasse gefüllt - sie sind die Form, die der Speise ihre eiförmige Gestalt zurückgibt.

stoß an ainen

Ellipse für ‚stecke (sie) an ein Spießchen‘ - gemeint ist ein kleines Spießchen zum Halten über der Glut, vgl. die Schwesterfassung ‚stosz sie an ein spisselin‘. Dies ist der einzige Spieß im Rezept.

Handschrift
Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)
Folio
Fol. 013v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)
Entstehung
Österreich (Mondsee, Oberösterreich), 1480
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartczechlopff

Gewählte Lesart: ‚zerklopfen‘ im Sinne von verquirlen, kräftig schlagen. Die Schwesterfassungen bestätigen dies mit ‚slag die wol‘ und ‚kropff die gar wol‘.

Originalwerk (~1480) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 013v, Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. GR1 (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
In Pfanne und auf dem Rost am Feuer machbar. Eier und frische Kräuter sind gut transportierbar, doch das Köpfen ohne Bruch, das Wiederbefüllen der Schalen und das Spießen sind fummelig und schlecht für große Runden skalierbar.
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