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Einfache Eier auf Papier

Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480

VorspeiseVorspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit5 Min.Portionen1 PersonBuchMondseer Kochbuch (~1480)

Willst du einfaches Schmalz auf Papier zubereiten, so schlage die Eier in einer Schüssel und vermenge sie. Setze eine kleine Portion dieser Masse an die Stelle des Papiers.

Erhitze Schmalz in einer Pfanne. Ziehe eine gute, aschefreie Glut hervor. Gieße das heiße Schmalz auf das Papier und gib es rasch auf die Glut. Sobald es dir genug dünkt, serviere es sogleich mit dem Papier.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
air Eier - -
Smalcz Schmalz Metzger, Supermarkt Butterschmalz oder Pflanzenöl (für vegetarische Variante)
papier Papier Supermarkt, Schreibwarenhandel -

Welches Gericht ist das? Eine schlichte gestockte Eierspeise - aber ohne Pfanne: Verquirltes Ei wird als kleine, dünne Portion auf ein Stück Papier gestrichen, mit heißem Schmalz übergossen und auf saubere Glut gelegt, bis es stockt. Der Rezepttyp armm Smalcz (einfaches Schmalz) ist nach dem Muster des Armen Ritters benannt: eine bewusst karge Fett-Eier-Speise, kein Urteil über das Schmalz. Der nächste lebende Verwandte ist das Garen en papillote beziehungsweise im Backpapier in der Glut; geschmacklich landet man bei einem rustikalen Vorfahren von Omelett und Frittata.

Das Rätselwort volpecz ist im gesamten Korpus nur hier belegt und bleibt unsicher gelesen - kein anderes Rezept klärt es auf. Sinngemäß steckt darin „gib/leg es rasch (auf die Glut)", abgesichert durch das folgende reschlich auff die gluedt (rasch auf die Glut). Denkbar ist auch eine Nähe zu einem Backverb (pachen, „backe es gut"), was zur Glut-Logik passen würde - entscheidbar ist es nicht. Für die Praxis ändert das nichts: Die Handlung ist „zügig auf die heiße Glut".

Praxis. Eier in einer Schüssel verquirlen, damit sie gleichmäßig stocken. Eine kleine Portion mittig auf ein gut hitzebeständiges Papier (Backpapier oder Pergament) geben - flach und klein, damit es schnell durchgart und der Rand nicht verkohlt. Schmalz in der Pfanne richtig heiß werden lassen und über die Eimasse gießen: Das heiße Fett stockt das Ei von oben und tränkt zugleich das Papier, wodurch dieses schmort statt zu verbrennen. Dann das Papier rasch auf eine kräftige, von Asche befreite Glut legen, sodass die Unterhitze das Garen vollendet. Wichtig ist eine wirklich aschefreie, gleichmäßige Glut ohne offene Flamme - sonst kokelt der Papierrand oder das Ei stockt ungleichmäßig. Sobald es fest ist, mit dem Papier als Unterlage servieren; ein Ablösen wäre unnötig fummelig. Wer es sicherer mag, brät das verquirlte Ei einfach im heißen Schmalz in der Pfanne - die robustere Lager-Variante derselben Speise.

Was bedeutet 'armes Schmalz'?

'Armes Schmalz' bezieht sich hier wahrscheinlich auf eine einfache oder schlichte Zubereitung mit Schmalz, ohne weitere aufwendige Zutaten. Es kann auch eine geringe Menge oder eine unkomplizierte Art der Fettverwendung meinen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist ein Goldstandard für die Lagerküche. Es benötigt nur wenige, robuste Zutaten und einfaches Equipment (Pfanne, Feuer) und ist in wenigen Minuten zubereitet.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Mondseer Kochbuch', einer umfangreichen deutschsprachigen Rezeptsammlung aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, verfasst im bairisch-österreichischen Dialekt. Es gibt Einblicke in die einfache Alltagsküche der Zeit.

Wozu dient das Papier beim Kochen?

Das Papier dient als Unterlage, um die Eier vor dem direkten Kontakt mit der heißen Glut zu schützen und ein Anbrennen zu verhindern. Es ermöglicht eine schonende Garung und kann direkt als Servierunterlage genutzt werden.

ITem wildw machen armm Smalcz auff papier so slach die air in einer schussel vnd mags czesam vnd legs in des art des papier ains chlains taigel vnd mach ein haysß Smalcz In einen phann vnd czewch ein guette gluedt her fur an aschen vnd gewß das hayß smalcz auff das papier vnd volpecz es reschlich auff die gluedt ze stund gewmg es sein gnug also gib+ es hin mit dem papir
armm Smalcz

Rezepttyp-Bezeichnung „armes Schmalz" = einfache, schlichte Schmalz-/Eierspeise, benannt nach dem Muster des „Armen Ritters" - kein Urteil über die Fettqualität. Solche „arm"-Speisen bezeichnen im Spätmittelalter bewusst die karge Alltagsküche der einfachen Leute.

auff papier (Garen auf Papier)

Authentische spätmittelalterliche Garmethode: Das Papier dient zugleich als Garunterlage über der Glut, als Hitzepuffer gegen Anbrennen und als Serviervehikel (gib es hin mit dem papir). Direkter Vorläufer des heutigen Garens „en papillote" beziehungsweise im Backpapier. Im übrigen Korpus erscheint „papier" meist nur als Dünn-Vergleich für ausgewalzten Teig - hier ungewöhnlich als reale Garfläche.

gluedt her fur an aschen

Eine „gute Glut ohne Asche" bedeutet, dass die Glut sauber und heiß sein soll, ohne isolierende Ascheschicht, die die Hitzeübertragung behindern würde.

volpecz

Hapax legomenon (nur in mon-019 belegt, ohne Cross-Beleg im Korpus). Sinngemäß als „gib/leg es rasch (auf die Glut)" gedeutet, die genaue Lesung bleibt unsicher; eine Nähe zu „falzen/wenden" oder zu einem Backverb (pachen, „backe es gut") ist nicht entscheidbar.

Handschrift
Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)
Folio
Fol. 013v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)
Entstehung
Österreich (Mondsee, Oberösterreich), 1480
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartarmm Smalcz

Gewählte Lesart: 'Einfaches Schmalz' - Rezepttyp-Name für eine schlichte Fett-Eier-Speise nach dem Muster des 'Armen Ritters', nicht auf die Qualität des Fettes bezogen.

Andere mögliche Lesart:

  • 'Mageres Schmalz' - könnte bedeuten, dass das Schmalz wenig Fleischanteile enthält, sondern reines Fett ist. - Weniger wahrscheinlich im Kontext einer Eierspeise, wo die Einfachheit der Zubereitung im Vordergrund steht.

Lesartdes art des papier

Gewählte Lesart: 'an die Stelle des Papiers' - 'des art' vermutlich 'das ort' (a/o-Verschreibung), also eine bestimmte Stelle bzw. die Mitte des Papiers, nicht generisch 'auf das Papier'.

Andere mögliche Lesart:

  • 'auf das Papier' (generisch, ohne Lokalisierung). - Trifft den Sinn, verliert aber die im Original explizite Verortung an einer bestimmten Stelle.

Lesarttaigel

Gewählte Lesart: 'Teigel' - ein Diminutiv von Teig, hier eine kleine Portion bzw. ein Klümpchen der Eiermasse.

Lesartvolpecz

Gewählte Lesart: 'Gib/leg es rasch auf die Glut' - die genaue Bedeutung ist unklar; abgesichert durch das folgende 'reschlich auff die gluedt' (rasch auf die Glut).

Andere mögliche Lesarten:

  • '(wol) pecz/backe es gut' - mögliche Nähe zu 'pachen/backen' (b/w-Wechsel), was zur Glut- und Pfannenlogik passen würde. - Ein Back-/Garverb fügt sich gut in den Kontext, ist aber lexikalisch nicht zu sichern.
  • 'Falte/wende es rasch' - mögliche Nähe zu 'falzen/wenden'. - Für eine Eimasse auf Papier praktisch schwer vorstellbar; reine Hypothese.

Lesartgewmg

Gewählte Lesart: 'sobald es dir genug dünkt' - im Kontext der Garprobe; vermutlich korrupte Form von 'gedünkt/vermeinst' ('wenn es dich dünkt, es sei genug').

Andere mögliche Lesart:

  • 'wenn es' - schlichte Kontraktion, gefolgt von 'es sei genug' (= wenn es gar ist). - Zulässige Sinn-Paraphrase, unterschlägt aber das subjektive 'nach deinem Ermessen'.

Originalwerk (~1480) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 013v, Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. GR1 (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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