München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384 · Südwestdeutschland · 1470
baches von kroszayer
CZuo krosz ayer schlach ayer vff czuo dem grossen spitz vnd kropff die gar wol tuo pfeffer vnd saffran vnd gehakten peterly vnd salbin vnd roschs in ainem kuochen vnd stosz es vff ain rost vnd brauts also
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M2 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0
Lagerküche-Tipp: Im Topf oder einer Pfanne am Feuer in etwa 20 Minuten fertig. Die Zutaten sind robust und benötigen keine besondere Kühlung, was es zu einem Goldstandard für die Lagerküche macht.
Für krause Eier schlage die Eier an der großen (stumpfen) Spitze auf und verquirle sie sehr gut. Gib Pfeffer, Safran, gehackte Petersilie und Salbei hinzu.
Röste die Mischung in einem flachen Kuchen oder einer Pfanne. Dann setze sie auf einen Rost und brate sie so fertig.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| ayer | Eier | - | - |
| pfeffer | Pfeffer | - | - |
| saffran | Safran | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| gehakten peterly | gehackte Petersilie | - | - |
| salbin | Salbei | - | - |
Mittelhochdeutsch für Petersilie.
Mittelhochdeutsch für Salbei.
Bezeichnet hier wahrscheinlich eine flache Pfanne oder eine Art Eierkuchen/Fladen, in dem die Eimasse zuerst gebraten wird.
Ein Grill/Rost über der Glut, auf dem das Gericht fertiggegart wird - leicht gebräunte, feste Oberfläche und Rauchnote.
‚An der großen Spitze‘ = am breiten, stumpfen Ende des Eis (dort sitzt die Luftkammer, sauberes Aufschlagen). Das Ei wird hier aufgeschlagen - nicht zu steifen Spitzen geschlagen. Vgl. rfk-047 und m384-082.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
krosz / kroß ayer
Gewählte Lesart: ‚krosz/kroß ayer‘ = Krause Eier. ‚krosz‘ ist die südoberdeutsch-alemannische Lautvariante (Vokal u→o) zu rheinfränkisch ‚kruse‘ = kraus/gekräuselt; das Schweizer Idiotikon belegt ‚Krosseyer‘ im selben Raum, und das fast wortgleiche rfk-047 ‚kruse eyer‘ bestätigt die Lesung. Gemeint ist die Textur (luftig-gekräuselt bzw. krümelig), nicht ‚knusprig‘. Dieselbe krōs/krūs-Wurzel lebt im heutigen ‚Gekröse‘ (mhd. (ge)krœse ← krūs = kraus/gefältelt, benannt nach der gekräuselten Gekrös-Haut) - das macht die alemannische o-Lautung ‚krosz‘ auch ohne Umweg über ‚kruse‘ transparent.
Andere mögliche Lesarten:
czuo dem grossen spitz
Gewählte Lesart: ‚czuo dem grossen spitz‘ = an der großen, stumpfen Spitze (dem breiten Ende) des Eis: dort wird das Ei aufgeschlagen. ‚vnd kropff die gar wol‘ = und verquirle/schlage es gut. So auch Ehlert (‚an der stumpfen Seite aufschlagen‘) und das fast wortgleiche rfk-047 bzw. m384-082, wo dasselbe Ei-Ende gemeint ist.
Andere mögliche Lesart:
Krause Eier. ‚krosz‘ ist die südoberdeutsche Lautvariante zu rheinfränkisch ‚kruse‘ (= kraus/gekräuselt), nicht ‚knusprig‘ (das ist modern). Gemeint ist die luftig-gekräuselte Textur der schaumig geschlagenen, gewürzten Eier; vgl. das fast wortgleiche rfk-047.
Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Es ist schnell zubereitet (ca. 15-20 Minuten), benötigt nur grundlegendes Equipment (Pfanne, Rost, Feuer) und die Zutaten sind robust und leicht zu transportieren.
Dieses Rezept stammt aus den ‚Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384)‘, die um 1470 in Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch) verfasst wurden. Es bietet einen Einblick in die bürgerliche Küche des späten 15. Jahrhunderts.
Das große, stumpfe Ende des Eis - dort schlägt man es auf (das breite Ende hat die Luftkammer und lässt sich sauber öffnen). NICHT ‚zu steifen Spitzen schlagen‘: ‚Spitze‘ meint hier die Ei-Form, nicht geschlagenen Eischnee. So auch Ehlert und das fast wortgleiche rfk-047.
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