Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384) (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384)
Kroßeier vom Rost
Moderne Übersetzung
Für Kroßeier schlage die Eier an der großen (stumpfen) Spitze auf und verquirle sie sehr gut. Gib Pfeffer, Safran, gehackte Petersilie und Salbei hinzu.
Röste die Masse in einer Kuchenform und lege sie dann auf einen Rost und brate sie so fertig.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ayer | Eier | - | - | - |
| pfeffer | Pfeffer | - | - | - |
| saffran | Safran | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| gehakten peterly | gehackte Petersilie | - | - | - |
| salbin | Salbei | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Kroßeier (kroszayer) - ein gewürztes Rührei/Omelett, das zuerst in einer Form bzw. Pfanne anzieht und dann auf dem Rost über der Glut fertiggebräunt wird. Fast wortgleich mit rfk-047 ('kruse eyer') und der unmittelbar folgenden Variante m384-082; eine bairische Schwesterfassung findet sich als ri15632-007 ('Kroßeier in der Schale'), gefüllte Eier am Stäbchen als m5919-098.
Der Name krosz - die zentrale Lesefalle. Der Name ist philologisch nicht eindeutig: Ehlert lässt ihn als Kroßeier stehen und referiert Wiswes Deutung von niederdeutsch kroß = 'knusprig' (Eier, die am Spieß gebraten werden). Im Korpus wird er als 'krause Eier' gelesen - krosz als südoberdeutsch-alemannische Lautvariante (u→o) zu rheinfränkisch kruse = kraus/gekräuselt, gestützt durch das fast identische rfk-047 'kruse eyer'. Dieselbe krōs/krūs-Wurzel lebt im heutigen 'Gekröse' (mhd. krœse ← krūs = gefältelt) weiter und macht die o-Lautung transparent. Gemeint wäre dann die luftig-gekräuselte, krümelige Textur der gewürzten Eier.
'czuo dem grossen spitz' - zweite Lesefalle. Das Ei wird am großen, stumpfen Ende (dem breiten Ende mit der Luftkammer) aufgeschlagen - dort lässt es sich sauber öffnen. Ehlert übersetzt klar: 'an der stumpfen Seite aufschlagen'. Es bedeutet NICHT, die Eier 'bis zu steifen Spitzen' zu schlagen; spitz meint die Eiform, nicht geschlagenen Eischnee. vnd kropff die gar wol = und verquirle sie gut (Ehlert: 'schlage die Eier gut').
Würzung und Garung. Pfeffer, Safran (gelbfärbend), gehackte Petersilie und Salbei - eine typische würzig-grüne Eierwürze der Zeit. Erst in einer Form bzw. Pfanne (kuochen/küchen; Ehlert: 'Kuchenform', die Parallele rfk-047 'in einer pannen') als flacher Kuchen anbraten, dann auf den Rost setzen und über der Glut fertig rösten: das gibt die leicht gebräunte Oberfläche und eine feine Rauchnote.
Praxis. Eier am breiten Ende aufschlagen, kräftig verquirlen. Pfeffer, ein wenig Safran, gehackte Petersilie und Salbei untermischen, salzen. In einer leicht gefetteten Pfanne als flachen Fladen anbraten, bis er stockt. Dann den Fladen auf einen Rost über der Glut legen und kurz fertigbräunen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/m384-081/
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