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Eierpfannkuchen in Wein-Honig-Sud

Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2-4 PersonenBuchMondseer Kochbuch (~1480)

Willst du aus Eiern einen Teig machen, so nimm dazu hartgekochte Eier, so hart wie du sie nur bekommen kannst. Färbe ihn (gelb) und forme daraus dünne Blätter wie Pfannkuchen. Backe diese im Schmalz. Nimm danach einen guten Wein und halb so viel Honig und lass das miteinander aufkochen. Ziehe das Gebackene (die Pfannkuchen) durch diesen Sud, wenn du es anrichten willst.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
airen / etlichen airen Eier - -
smalcz Schweineschmalz Metzger, gut sortierter Supermarkt Butterschmalz oder Pflanzenöl für vegetarische/vegane Variante
guetten wein Guten Wein - -
honigs Honig - -

Welches Gericht ist das? Ein süßes, in Schmalz ausgebackenes Eier-Gebäck, das beim Anrichten durch einen heißen Wein-Honig-Sud gezogen wird - der spätmittelalterliche Vorfahr des sirupgetränkten Schmalzgebäcks und der durch süßen Sud gezogenen Pfannkuchen. mon-017 gehört zur Familie der Hart-Ei-Teige des Korpus: Der nahezu wortgleiche Zwilling ri15632-013 aus dem Rheinfränkischen Kochbuch beschreibt dasselbe Verfahren, und die Teig-Idee lebt in den ausgepressten Eierteig-Würmlein (mha-032, kkm-034, frühe Eiernudel-Verwandte) weiter.

Der Teig ist kein roher Eierbrei, sondern hartgekochte Eier. Die Wendung „so hart wie du nur kannst" bezieht sich auf die Eier selbst, nicht auf eine Teigfestigkeit: Ganz hart gekochte Eier werden zerstoßen und zu einer formbaren, schnittfesten Masse gebunden. Das ist der entscheidende Punkt - ein roher, mehlfreier Eierteig ließe sich nicht zu dünnen Blättern formen und braten, ohne in der Pfanne zu zerfallen. Die Bindung kommt allein aus dem Eiprotein der gekochten Eier; es braucht weder Mehl noch eine Schwitze. Der Zwilling nennt zusätzlich ein Gelbfärben der Masse (period-treu mit Safran), das im Mondseer Text knapp anklingt.

Der Sud wird aufgekocht, nicht nur kalt verrührt. „Er well das vnder einander" meint erwellen/aufwallen: Wein und halb so viel Honig werden miteinander aufgekocht, bis der Honig vollständig gelöst und der Sud leicht eingedickt ist - so entsteht ein sirupartiger Tauch-Sud. Bloßes Kaltmischen ergäbe einen dünnen, wenig haftenden Sud. Das Verhältnis ist definiert: doppelt so viel Wein wie Honig.

Praxis. Eier ganz hart kochen (gut 10 Minuten), pellen und durch ein Sieb treiben oder fein zerstoßen, bis eine knetbare Masse entsteht; nach Wunsch mit etwas Safranwasser gelb färben. Die Masse dünn ausformen oder ausrollen und in reichlich heißem Schmalz beidseitig goldbraun backen. Parallel guten Wein mit halb so viel Honig in einem kleinen Topf aufkochen und leicht sirupartig einkochen lassen. Die fertig gebackenen Blätter erst unmittelbar vor dem Servieren kurz durch den heißen Sud ziehen, damit sie knusprig bleiben. Alles über offenem Feuer in Topf und Pfanne machbar, in rund 20-30 Minuten.

Was für ein Teig ist gemeint, wenn kein Mehl genannt wird?

Es ist ein Teig aus hartgekochten Eiern: Ganz hart gekochte Eier werden zerstoßen und zu einer formbaren, schnittfesten Masse gebunden. Die Bindung kommt allein aus dem Eiprotein - es braucht kein Mehl. Ein roher Eierbrei ließe sich nicht zu dünnen Blättern formen und braten; der wortgleiche Zwilling ri15632-013 bestätigt die Hart-Ei-Lesart.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, hervorragend. Es braucht nur wenige, robuste Zutaten (Eier, Schmalz, Wein, Honig), die gut transportierbar und haltbar sind und keine Kühlung benötigen. Eier kochen, die Masse braten und den Sud aufkochen ist alles in Topf und Pfanne über offenem Feuer möglich.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Aus dem Mondseer Kochbuch, einer umfangreichen deutschsprachigen Rezeptsammlung aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es wurde im bairisch-österreichischen Raum, vermutlich im Umfeld des Klosters Mondsee, verfasst und gibt Einblick in die spätmittelalterliche Küche der Region.

Was bedeutet phanczelten im Rezept?

Phanczelten setzt sich aus Pfann + zelten zusammen (zelten = flacher Kuchen/Fladen). Gemeint sind dünne, in der Pfanne gebackene Eierfladen, also Pfannkuchen - nicht Lebzelten oder Lebkuchen.

ITem wil dw von airen machen ein taig mit etlichen airen an so dw aller her= tist magst vnd gibb den vnd mach dar auß pletter als phanczelten das pach ym smalcz vnd nymb dar nach ein guetten wein vnd habl als vill honigs vnd er well das vnder einander vnd czewch das pachen dar durch so dw eß an wildt richten etc.
phanczelten

Pfann + zelten (zelten = flacher Kuchen/Fladen, vgl. bimezelten); ein dünner, in der Pfanne gebackener Eierfladen, also ein Pfannkuchen. Nicht Lebzelten/Lebkuchen. Entspricht der Marginal-Notiz am Faksimile.

er well … vnder einander

er + wellen = erwellen/erwallen = aufkochen, aufwallen lassen. Wein und Honig werden miteinander aufgekocht, nicht bloß vermischt - so auch im Zwilling ri15632-013. Im Mittelbairischen oft mit b: erbelten.

aller her=tist magst

Bezieht sich auf die Eier („so hart wie du sie nur bekommen kannst" = ganz hart gekocht), nicht auf eine Teigfestigkeit. Identisch im Zwilling ri15632-013 („von herten ayeren so du aller hertest magst"). Markiert mon-017 als Hart-Ei-Teig-Rezept.

habl

= halb (bairische b/l-Vertauschung), nicht Imperativ von „haben". Der Zwilling ri15632-013 hat an identischer Stelle „halb als vil honigk" = halb so viel Honig wie Wein - eine definierte Mengenangabe.

gibb den

wahrscheinlich „gilb in/den" = (gelb) färben (b/l-Lesefalle; gilben/gilwen = gelb färben). Der Zwilling ri15632-013 hat „gilb in" - das Gelbfärben (period-treu mit Safran) ist ein Standardschritt dieser Rezeptfamilie.

Handschrift
Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)
Folio
Fol. 013v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)
Entstehung
Österreich (Mondsee, Oberösterreich), 1480
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartaller her=tist magst (taig von airen)

Gewählte Lesart: Teig aus hartgekochten Eiern, so hart wie möglich gekocht - ganz hart gekochte Eier werden zerstoßen und zu einer formbaren Masse gebunden. Der wortgleiche Zwilling ri15632-013 hat „tayg von herten ayeren so du aller hertest magst" und löst die unsichere Stelle (das ? in der Transkription) eindeutig auf.

Andere mögliche Lesart:

  • roher, mehlfreier Eierteig, „so fest wie möglich" - Vom Wortlaut allein nicht ausgeschlossen, aber küchentechnisch unstimmig: ein roher Eierteig ließe sich nicht zu dünnen Blättern formen und braten. Der Zwilling spricht klar für hartgekochte Eier.

Lesartphanczelten

Gewählte Lesart: Pfannzelten = Pfannkuchen, aus Pfann + zelten (zelten = flacher Kuchen/Fladen). Gemeint sind dünne, in der Pfanne gebackene Eierfladen. Nicht zu verwechseln mit Lebzelten/Lebkuchen.

Lesarthabl als vill honigs

Gewählte Lesart: halb so viel Honig (wie Wein) - „habl" ist die bairische/schreiberische b/l-Form von „halb". Der Zwilling ri15632-013 hat an identischer Stelle „halb als vil honigk".

Andere mögliche Lesart:

  • „habe so viel Honig wie du willst" (Imperativ von „haben") - Liest „habl" als „habe", verliert dabei aber die definierte Mengenangabe. Der Zwilling belegt die Lesart „halb" und das Verhältnis Wein:Honig = 2:1.

Lesartgibb den

Gewählte Lesart: „gilb in/den" = (gelb) färben - bairische b/l-Lesefalle, gilben/gilwen = gelb färben (period-treu mit Safran). Der Zwilling ri15632-013 hat „gilb in".

Andere mögliche Lesart:

  • „gib den (Teig)" (Imperativ von „geben") - Vom Schriftbild möglich, lässt aber den Färbeschritt der Rezeptfamilie weg. Der Zwilling spricht für das Gelbfärben.

Lesarter well das vnder einander

Gewählte Lesart: lass das miteinander aufkochen - er + wellen = erwellen/erwallen = aufkochen, aufwallen lassen. Wein und Honig werden zu einem sirupartigen Sud aufgekocht. So auch im Zwilling ri15632-013.

Andere mögliche Lesart:

  • „vermische das untereinander" - Bloßes Kaltmischen untertreibt: der Honig löst sich nicht vollständig und der Sud bleibt dünn. Zwilling und Glossar belegen das Aufkochen.

Originalwerk (~1480) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 013v, Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. GR1 (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Im Topf oder in der Pfanne am Feuer in etwa 20 Minuten fertig. Die Zutaten sind robust und benötigen keine Kühlung.
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